Schorndorf Kickbox-Trainerin, Nummern-Girl, selbstbewusste Selbstverteidigerin

Sarah Klinge liebt das Kickboxen – obwohl sie nicht selten mit blauen Flecken vom Training nach Hause kommt. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Leicht bekleidete Nummern-Girls in Box-Wettkämpfen dürften feministisch veranlagten Menschen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Wie kann man nur.

Sarah Klinge kann.

Ach so, Kickboxen kann sie auch. Auf Trainer-Niveau. In Giuseppe De Mitris Kickbox-Center in Schorndorf geht die 18-Jährige aus Schorndorf-Weiler seit Jahren ein und aus. Der mehrfache Kickbox-Weltmeister De Mitri war es auch, der die junge Frau überredet hat, dieses Nummern-Girl-Dings zu wagen. Nummern-Girls sind meist gut aussehende, wohlgeformte, junge Damen. Sehr zur Freude der überwiegend männlichen Zuschauer halten sie bei Box- oder Kickbox-Wettkämpfen zwischen den Runden eine Tafel hoch. Darauf steht, Runde wie viel gleich folgt. Es geht das Gerücht, niemand schaut auf die Tafel.

"Die ersten paar Runden bin ich richtig gestorben"

„Du guckst ein bisschen nett“, so beschreibt Sarah Klinge das Anforderungsprofil für den Nummern-Girl-Job. Sie hat das Metier vor kurzem bei einer Europameisterschaft in Winterbach beschnuppert. Nein, nicht im Bikini.

„Die ersten paar Runden bin ich richtig gestorben. Ich hab’ so gelitten“, erzählt die 18-Jährige, die dieses Jahr ihr Abitur abgelegt hat, zurzeit jobbt und einen Auslandsaufenthalt plant. Giuseppe De Mitri wird’s hart treffen, wenn sie weg ist, denn Sarah Klinge ist als Trainerin in seinem Kickbox-Center eine gefragte Persönlichkeit.

Sarah Klinge hat Humor und heult nicht gleich. Deshalb hat sie diesen Nummern-Girl-Job auch durchgezogen, obwohl das, wie sie selbst sagt, „unglaublich nichtfeministisch“ ist. „Ich bin da unempfindlich“, schiebt die junge Frau nach, und: „Es hat dann sogar Spaß gemacht. Ich würde es wieder machen.“

„Man muss nicht Drama schieben“

Ein gesundes Selbstvertrauen strahlt sie aus, und das hat ganz sicher mit dem Kickboxen zu tun. Während Sarah Klinge leicht erschöpft vom langen Arbeitstag im Schorndorfer Center von ihrer Begeisterung für diesen Sport erzählt, kommen ein, zwei Jugendliche vom Trainingsraum heraus und sehen nicht hundertprozentig fröhlich aus. Das kann passieren beim Kickboxen. Dass es mal schmerzt.

Sarah Klinge trägt unterdessen blaue Verfärbungen am Bein. „Meine ganze linke Seite ist blau“, sagt sie und grinst zufrieden.

„Man muss nicht Drama schieben“, erläutert die junge Frau. Drama würde ein im Kickboxen unerfahrener 1,80-Meter-Schrank von Mann schieben, der sich mit Sarah Klinge anlegen würde. „Es kommt auf die Technik an“, sagt Sarah, und sofern ein Angreifer die Technik nicht beherrscht, wird er es sein, der am Boden liegt, nicht sie.

Beim Kickboxen hören sie sofort auf, wenn eine(r) zu Boden geht. Davor hält man beim Zuschauen unwillkürlich den Atem an. Junge, Junge. Kraft und Energie und Geschwindigkeit und Dynamik – kein Wunder, die strotzen alle vor Fitness.

„Du bewegst jeden Muskel. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, um den ganzen Körper fit zu halten“, sagt Sarah. Ihre Mitmenschen schätzen ihre Trainingsdisziplin, deutet sie an: Der Sport schafft Ausgleich und hebt die Laune.

Außen klein und innen groß

Größer wird sie nicht dadurch. Mit ihren bescheidenen 1,60 Metern wirkt Sarah Klinge auf den ersten Blick zart, und man könnte sich gut Federballspielen oder so als Hobby von ihr vorstellen.

So täuscht man sich. Außen klein und innen groß.

„Du weißt, du kannst dich verteidigen. Dadurch läufst du ganz anders rum“, stellt Sarah klar. Dafür gibt’s hin und wieder eins auf die Nase, aber passt schon. Das ist es ihr wert; „dieser Sport passt zu meiner Persönlichkeit.“

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