Schorndorf Kinder im Wasser: Das müssen Eltern beachten

Timo Ratzek von der Schorndorfer DLRG: „Schwimmflügel bieten nur eine trügerische Sicherheit.“ Foto: Fotolia/Brebca

Schorndorf. Nichts, aber auch gar nichts zieht Kinder so magisch an wie Wasser. Ob Läppern, Planschen oder Rutschen – einen Heidenspaß haben junge Wasserratten dabei. Gleichzeitig ist nichts so gefährlich für die Kleinen. Nur eine kurze Zeitspanne unter Wasser kann lebensbedrohlich werden. Drum gilt für Eltern eines: aufpassen wie ein Luchs!

„Allzu oft sieht man Kleinkinder, wie sie unbeobachtet an der Wasserkante spielen“, weiß Timo Ratzek von der Schorndorfer DLRG. „Oft lassen sich die Aufsichtspersonen auch leicht ablenken“. Klar, im Freibad gibt’s viel zu gucken, da lassen die Eltern auch mal ihren Blick schweifen. Allerdings ist es sehr gefährlich, wenn Kinder, die nicht schwimmen können, am Wasser nicht permanent beaufsichtigt werden. Innerhalb von wenigen Minuten kann sich ein herrlicher Sommertag am kühlenden Nass in den schlimmsten Albtraum verwandeln.

Drum Ratzeks Rat: Zuallererst sollte eine Schwimmhilfe an die Kinderarme. Auf die könne man sich aber keinesfalls verlassen. Da würde man sich in trügerischer Sicherheit wähnen. Immerhin sollen auch schon Schwimmflügel geplatzt sein. Strecken die Kleinen die Arme in die Höhe, könnten die Schwimmhilfen außerdem abrutschen. Dennoch, verliert das Kind im Wasser den Halt, bieten Schwimmflügel und Co. doch einen gewissen Schutz. Wer sein Kind dann stets im Blick hat, kann sofort eingreifen, bevor es versinkt.

Und was tun, wenn ein Kind doch einmal unter Wasser gerät? Klar, so schnell wie möglich rausziehen. Das gebiete einem ja der gesunde Menschenverstand. Danach sei es wichtig, das Kind zu beobachten. War es wirklich nur kurz unter Wasser und verhält es sich in den kommenden Stunden unauffällig, ist auch davon auszugehen, dass alles in Ordnung ist.

Achtung bei Atemnot, Husten und Fieber

War es aber länger unter Wasser und hustet im Anschluss stark, ist Vorsicht geboten. Symptome wie schwere Atemnot, starker Husten oder Fieber, die sich bis zu 24 Stunden nach dem Wasservorfall zeigen, könnten darauf hinweisen, dass das Kind einen Schluck zuviel Wasser in die Lunge bekommen hat. Indes: Häufig komme das nicht vor, relativiert Ratzek. Normalerweise sorge der Hustenreflex dafür, dass das Wasser wieder herausbefördert wird. Dass aber ein Kind, das nach einem unfreiwilligen Tauchgang – wenn auch kurz – bewusstlos war, unbedingt einem Arzt vorgestellt werden sollte, das verstehe sich von selbst.

Was Ratzek weiter rät? So früh es geht, sollten Kinder den richtigen Umgang mit dem Wasser und das Schwimmen lernen. Kurse werden bei der DLRG, in Sportvereinen und bei privaten Schwimmlehrern bereits für Kinder ab einem Alter von 4, 5 Jahren angeboten. Tatsächlich reif für einen Schwimmkurs sei ein Kind dann, wenn es in der Lage sei, die Anweisungen von fremden Personen vollständig zu verstehen und diese dann umzusetzen.

Seepferdchen und Freischwimmer

Grundsätzlich würden die ersten Kursstunden zur Wassergewöhnung verwendet: wie man im Wasser ins Gleiten kommt, wie sich Wasser im Gesicht aushalten lässt, wie der Körper sich im Wasser anfühlt. Dann erst gehe es an die ersten Schwimmübungen. Nach den ersten Kursen können viele Kinder schon das Seepferdchenabzeichen machen. Dabei müssen die Kinder einen Sprung vom Beckenrand wagen und 25 Meter schwimmen. Zudem können Abzeichenträger einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser herausholen.

Aber selbst, wer ein Seepferdchen-Abzeichen am Badeanzug trägt, darf am Wasser nicht sich selbst überlassen werden. Erst wer die Prüfung zum Freischwimmer absolviert hat, gilt als sicherer Schwimmer und braucht in der Regel keine Beaufsichtigung mehr. Was die Kinder dafür können müssen? Einen Sprung vom Beckenrand und mindestens 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten. Dazu werden zum einen zwei Meter tiefes Tauchen mit Heraufholen eines Gegenstandes gefordert und zum anderen ein Sprung aus einem Meter Höhe oder ein Startsprung. Zudem werden die Baderegeln abgefragt.


Weniger Ertrunkene wegen schlechten Wetters

In den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 sind mindestens 250 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken. Das sind weniger Menschen als 2018 im gleichen Zeitraum. Als einen Grund für den Rückgang nennt die DLRG das schlechtere Badewetter in diesem Jahr.

In Baden-Württemberg meldet die DLRG von Januar bis Juli dieses Jahres 19 Badetote – das sind zwölf Menschen weniger als im gleichen Zeitraum 2018.

80 Prozent der Ertrunkenen sind junge Männer, was die DLRG auf deren oft recht risikofreudiges Verhalten zurückführt. Alkohol und Selbstüberschätzung seien wichtige Auslöser für diese Unglücke.

Die DLRG warnt besonders vor Gefahren für Nichtschwimmer und Kinder. Am häufigsten seien Vorschulkinder bis zu fünf Jahren betroffen, heißt es.

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