Schorndorf Kochen mit frischen Zutaten aus der Saison

Kam bei allen gut an: Putenröllchen mit Mandelreis und glasiertem Gemüse. Foto: Kleeb/ZVW

Schorndorf. Bei ihrem traditionellen Frühlingskochen bereiteten die Landfrauen allerlei Leckeres aus frischen Kräutern und Gemüse zu. Neben Kohlrabi-Carpaccio und Geflügelröllchen mit Bärlauchcreme bezauberte besonders die Nachspeise mit ihrem fruchtig-leichten Geschmack die Frühlingsgemüter.

Wer in diesem Moment die Küche der Johann-Philipp-Palm-Schule betritt, dem läuft sicher das Wasser im Munde zusammen. Im Backofen brutzeln die Speck-umhüllten Putenröllchen vor sich hin, die Radieschencremesuppe wird gerade püriert und überall arbeiten Mitglieder der Landfrauen Schorndorf fleißig an ihren Speisen, eilen auch mal zu den anderen Gruppen, um den Raspler auszuleihen oder die Bio-Zitrone zu stibitzen.

Zweimal im Jahr treffen die Landfrauen sich zum gemeinsamen Kochen, bis jetzt immer unter Anleitung einer der eigenen Frauen. Diese ist jetzt aber zu eingespannt, um die Kochkurse weiterhin zu leiten. Stattdessen übernimmt diese Rolle heute Heide Hundt-Dekelver, die keine Fremde in der Küche des Berufsschulzentrums ist. Mehrere Jahrzehnte unterrichtete sie hier selbst, allerdings nicht als Kochlehrerin. Jetzt ist sie im Ruhestand und darf die Küche der Schule für ihre eigenen Kurse benutzen. Der Kontakt kam über das Landratsamt Rems-Murr zustande.

Frühling auf dem Teller

Passend zu den wärmeren Temperaturen der letzten Woche, bereiten die Landfrauen heute ein frühlingshaftes Menü zu. Schon bei der kurzen Einführungsrunde steht eine Kräutermischung mit viel frischem Grün auf dem Tisch: Petersilie, Dill, Koriander, Mangold, Basilikum, Bärlauch und sogar essbare Blüten. Gemüse wie Kohlrabi, Frühlingszwiebeln und Bundkarotten ergänzen das Bild. Die Lebensmittel sind natürlich nicht nur Deko, sondern kommen später auch auf die Teller der Teilnehmerinnen.

Als Vorspeisen gibt es an diesem Abend einen Wildkräutersalat auf Kohlrabi-Carpaccio und Radieschencremesuppe mit geräuchter Forelle. Serviert werden dazu Seelen und Brot-Stängel, bedeckt mit allerlei Samen und Körnern und natürlich noch warm und duftend direkt aus dem Backofen. Beim Menü hat Workshop-Leiterin Hundt-Dekelver darauf geachtet, den Landfrauen etwas besonderes zu bieten. Diese sind schließlich keine blutigen Anfänger.

Ungewöhnliche Zutaten: etwas besonderes für die Landfrauen

Carpaccio zum Beispiel kommt aus der italienischen Küche und wird traditionell aus rohem Rindfleisch zubereitet. Im frühlings-frischen Menü wird das rohe Fleisch aber durch hauchdünne Kohlrabi-Scheiben ersetzt. Dazu gibt es den Wildkräutersalat, garniert mit essbaren Blüten. Abgerundet wird das ganze mit einem Dressing aus Olivenöl, Balsamicoessig, Knoblauch und edlem Dijon-Senf, welches der Vorspeise erst das gewisse Extra gibt.

Auch der nächste Gang hat eine Besonderheit. Die Radieschencremesuppe mit geräucherter Forelle wird mit den Blättern der Radieschenpflanze zubereitet – in den meisten Haushalten eine seltene oder nicht-existente Zutat. Den Pfiff bekommt sie durch die Chili und die Lorbeerblätter, die mitgekocht werden. Sie fällt zwar etwas dünnflüssiger als beabsichtigt aus (vielleicht auch weil die Autorin hier selbst etwas reingepfuscht hat), schmeckt aber trotzdem allen gut.

Schmeckt so gut wie es aussieht

Während des gemeinsamen Essens gibt es immer wieder überraschte Gesichter und bewunderndes Lob, wenn die schön angericheteten Teller an den Tisch getragen werden. Die einzelnen Gruppen waren während der Zubereitung jeweils so mit ihren eigenen Gängen beschäftigt, dass sie die Arbeit der anderen Landfrauen nur am Rande wahrgenommen haben. Vor jedem Gang werden die Smartphones gezückt, um Bilder der farbenfrohen Teller zu machen.

So natürlich auch bei der Hauptspeise. Die Geflügelröllchen mit Bärlauch-Creme bieten ein besonders schönes Motiv. Mit einer Beilage aus glasierten Möhren, Frühlingszwiebeln und aromatischen Mandelreis schmeckt der Hauptgang so gut, wie er aussieht. Besonders die honigglasierten Möhren werden von den Landfrauen gelobt. Langsam schwindet der Hunger, aber für das Dessert hat trotzdem jede noch genügend Platz.

Die Nachspeise mit Rhabarber: ein „großes Wagnis“

 

Ihre Nachspeise bezeichnet Heide Hundt-Dekelver als „großes Wagnis“. Die Holunderblütencreme mit Rhabarber und Erdbeeren ist fruchtig-frisch und für die meisten der Landfrauen ein neues Rezept. „Ich dachte immer, Rhabarber soll man nicht roh essen“, wundert sich eine von ihnen bei der Besprechung der Rezepte. Pensionärin Hundt-Dekelver erklärt warum das in diesem Fall doch nicht so bedenklich ist: Die Oxalsäure, die in Rhabarber enthalten ist, wird durch die Kombination mit einer Milchspeiße wieder relativiert.

Spätestens beim ersten Löffel der Creme in Kombination mit dem Rhabarber-Erdbeer-Gemisch verschwinden auch bei den letzten die Zweifel. Die zitronige Leichtigkeit der Holunderblütencreme ist ein perfekter Abschluss für das Frühlingsmenü, das alle Teilnehmerinnen überzeugt hat und auch der Rhabarber kommt gut an.

„Das war das erste Mal, dass ich am Ende Applaus kriege“, freut sich die Kursleiterin. Sonst unterrichte sie aber auch Einzelpersonen. „Stoffwechselaktivierend, appetitanregend und vitaminreich“ sollte das Menü werden, erzählt sie. Das ist ihr sicher gelungen. Die Landfrauen sind begeistert und planen unterdess schon den nächsten Kochtermin im Herbst.

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