Schorndorf Kommt die Feuerwehr durch, wenn's brennt?

Das kostet Zeit, wenn das Feuerwehrfahrzeug ganz langsam an parkenden Fahrzeugen vorbeimanövriert werden muss. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Gleich nach der Einmündung von der Burg- in die Friedrichstraße wird’s brenzlig: Links und rechts parken Fahrzeuge, an ein zügiges Durchkommen mit dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) der Schorndorfer Feuerwehr ist nicht zu denken, und Steffen Heckel, der am Steuer sitzt, hat alle Mühe, das 2,50 Meter breite Fahrzeug im Zeitlupentempo zwischen den parkenden Fahrzeugen hindurchzumanövrieren.

Zum Glück brennt’s nicht wirklich und im Fahrzeug (und einem kleineren Begleitwagen) sitzen außer Steffen Heckel und Gesamtkommandant Jost Rube nur ein paar Journalisten, Fotografen und Stadtbedienstete, die sich exemplarisch in ein paar Straßen in der Stadt ein Bild machen wollen, ob und wie es im Ernstfall ein Durchkommen mit dem von Rube als „Arbeitstier der Feuerwehr“ bezeichneten HLF 20 gibt, das üblicherweise als erstes Fahrzeug am Brandort eintrifft.

Und weil’s diesmal kein Ernstfall ist, haben Jessica Pulzer, die im Fachbereich „Sicherheit und Ordnung“ für Verkehrsangelegenheiten zuständig ist, und Jörn Riek, als Sachgebietsleiter für Ordnungsangelegenheiten, auch Zeit und Muße, auszusteigen und mit dem Meterstab nachzumessen, ob zwischen den parkenden Fahrzeugen der vorgeschriebene Mindestabstand von 3,05 Metern eingehalten ist. Und siehe da, er ist es: 3,55 Meter werden gemessen, das fühlt sich beim Durchfahren wesentlich knapper an. Aber ein kleines Stück weiter wird’s dann richtig eng: Jetzt sind’s wirklich gerade noch die vorgeschriebenen 3,05 Meter Abstand, die zwischen beidseitig parkenden Fahrzeugen oder zwischen einem einseitig parkenden Pkw und der Begrenzung der anderen Straßenseite eingehalten werden müssen.

Rube: „Wir können die Autos ja nicht einfach wegschieben“

Als ob manche Straßen für Großfahrzeuge, zu denen außer der Feuerwehr ja auch Müllfahrzeuge gehören, nicht schon schmal genug wären – und doch, sagt Gesamtkommandant Jost Rube, gibt es immer wieder Zeitgenossen, die ihr Fahrzeug widerrechtlich so parken, dass die Feuerwehr nicht durchkommt oder im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve zum Brandort gar nicht oder zumindest nicht rechtzeitig kriegt.

„Wir können die Fahrzeuge ja nicht einfach wegschieben“, sagt Rube und verweist darauf, dass der Feuerwehr in solchen Fällen nichts anderes übrigbleibt, als sich eine andere Zufahrtsroute zu suchen oder im schlimmsten Fall die Leitstelle über Funk zu benachrichtigen, dass eine Durchfahrt nicht möglich ist. Was dem, der eine solche Situation mit allen denkbaren Folgen verursacht, teuer zu stehen kommen könnte.

Abends kann’s ganz anders aussehen als am Vormittag

Es gibt aber, wie Jessica Pulzer sagt, nicht nur Anwohner, die widerrechtlich parken, sondern auch solche, die sich sorgen, dass die Feuerwehr im Notfall einen möglichen Brandort nicht oder nicht schnell genug erreichen könnte, und die sich deshalb an die Stadt wenden.

Das ist ein weiterer Grund, warum sich der Fachbereich Sicherheit und Ordnung gemeinsam mit der Feuerwehr dazu entschlossen hat, solche Testfahrten zu machen und sich kritische Bereiche und mögliche Engstellen anzuschauen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Wobei sich auch bei dieser Rundfahrt, die im weiteren Verlauf unter anderem auch noch durch die Hegelstraße und das Wohngebiet „Obere Straßenäcker“ führt, zeigt, dass es Sinn macht, solche Testfahrten zu verschiedenen Tageszeiten durchzuführen.

Jetzt am Vormittag ist es kein Problem, in der Hegelstraße um die erste Kurve zu kommen. Das könnte aber ganz anders aussehen, wenn – wie von Anwohnern im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung der „Oberen Straßenäcker“ beklagt und von Seiten der Stadtverwaltung durchaus auch eingeräumt – dort abends außer den Fahrzeugen der Anwohner auch noch die Fahrzeugflotte der Diakoniestation parkt, oder wenn das in diesem Bereich geplante Stadtbau-Projekt mit mehreren Wohnungen und einem zweigruppigen Kindergarten realisiert wird – mit einem entsprechenden Aufkommen an Elterntaxis.

Für widerrechtliches Parken braucht’s kein Parkverbot

Das parkende Fahrzeug, das kurz vor der Einmündung der Schertlinstraße in die Gmünder Straße den Straßenraum verengt und die Durchfahrt des Feuerwehrfahrzeugs erschwert, ist ein Beispiel dafür, dass es nicht immer ein ausgewiesenes Parkverbot braucht, um das Parken zu verbieten und zur widerrechtlichen Handlung zu machen.

Laut Jessica Pulzer liegt es nämlich zunächst einmal in der Verantwortung des einzelnen Autofahrers, darauf zu achten, dass die vorgeschriebene Mindestdurchfahrtsbreite von 3,05 Metern eingehalten wird. Sprich: Die Ausrede, da sei doch gar kein Parkverbot angeordnet, schützt im Zweifel vor Strafe nicht – genauso wenig wie übrigens auch der Hinweis, dass es ohnehin viel zu wenig Parkplätze in der Stadt oder in einer bestimmten Wohngegend einen viel zu starken Parkdruck gebe.

„Wir sind bemüht, so wenig Parkplätze wie möglich wegzunehmen“, sagt Jessica Pulzer, die sich im Verlauf der Rundfahrt aber doch die eine oder andere Stelle – etwa im Einmündungsbereich in den ohnehin schmalen Brahmsweg – notiert hat, wo es notwendig erscheinen könnte, zunächst einmal den Kontrolldruck zu erhöhen und in einem zweiten Schritt eventuell ein Parkverbot anzuordnen und dieses gegebenenfalls auch noch durch eine Schraffierung auf dem Straßenbelag zu verdeutlichen – und sei es auch nur für wenige Meter. So wie etwa in der Jakob-Degen-Straße, wo es zwar eine Feuerwehrzufahrt gibt, aber auf der gegenüberliegenden Straße wegen parkender Fahrzeuge nicht immer ausreichend Platz zur erforderlichen Ausholbewegung – Stichwort: Schleppkurve.

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