Schorndorf Kriminalitätsstatistik: Wie sicher ist Schorndorf?

Symbolfoto. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. „In Schorndorf lebt es sich sicher. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist gesunken“, lautete das Fazit des Leiters des Polizeireviers Schorndorf, Markus Jatzko, nachdem er den Gemeinderat über die Kriminalitätsentwicklung im Jahr 2017 informiert hatte. Es gibt aber neben Fünfjahrestiefs bei einigen Deliktarten auch besorgniserregende Entwicklungen wie etwa die wachsende Zunahme von Gewalt im öffentlichen Raum und – im Vergleich der letzten fünf Jahre – ein Höchststand bei der Rauschgiftkriminalität.

Die generell guten Nachrichten vorneweg: Die Zahl der Straftaten insgesamt hat deutlich abgenommen, die Aufklärungsquote kann sich mit 60 Prozent weiterhin sehen lassen und bei der Kriminalitätsbelastung, das heißt der Hochrechnung der Straftaten auf 100 000 Einwohner belegt Schorndorf im Vergleich der Großen Kreisstädte im Rems-Murr-Kreis einen guten Mittelfeldplatz. Erstaunlich aber, dass trotz weniger Straftaten die Zahl der Tatverdächtigen im Vergleich zum Jahr 2016 wieder deutlich zugenommen hat. Wobei die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen in etwa gleichgeblieben ist. Bei den tatverdächtigen Flüchtlingen allerdings sei ein Höchststand zu registrieren gewesen, was aber, so Jatzko, den besonderen Lebensumständen geschuldet sein könnte. Immerhin haben etwa ein Drittel der insgesamt 175 aufgeklärten Straftaten in Unterkünften stattgefunden. Man sollte, gab später CDU-Fraktionschef Hermann Beutel zu bedenken, diese Zahlen nicht zu hoch hängen, weil es den gleichen Anteil von Flüchtlingen auch bei den Opfern gebe.

 

Wohnungseinbrüche: eine schlechte und eine gute Nachricht

Auf ein Fünfjahrestief gefallen sind laut Markus Jatzko die Diebstahlsdelikte – von jeweils über 500 Vorkommnissen in den Jahren 2014 bis 2016 auf nur noch 426 Fälle im Jahr 2017 –, wobei es eine Einschränkung insofern gibt, als die Zahl der Fahrraddiebstähle im Vergleich der beiden letzten Jahre deutlich gestiegen ist (von 75 auf 100 Fälle). Ähnlich positiv ist die Entwicklung bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, bei denen die Polizei ebenfalls einen Tiefststand im Blick auf die vergangenen fünf Jahre verzeichnet. Demgegenüber ist die Zahl der Wohnungseinbrüche, die ihren Höchststand mit 65 Straftaten im Jahr 2014 hatte und dann zwei Jahre lang auf unter 30 gefallen war, wieder gestiegen – auf 36. Nachdem Schorndorf im Januar und Februar 2017 bei den Wohnungseinbrüchen die absolute Nummer 1 im Kreis gewesen sei, habe die Polizei, so Jatzko, noch einmal alle Register in Sachen Prävention und Präsenz vor allem an örtlich festgestellten Schwerpunkten gezogen – mit Erfolg: Die Aufklärungsquote sei verdoppelt worden, 40 Prozent der Straftaten seien im Versuchsstadium steckengeblieben, und in diesem Jahr liege Schorndorf bei der Januar- und Februar-Bilanz zahlenmäßig bei den Wohnungseinbrüchen im Rems-Murr-Vergleich „ganz weit hinten“.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Gewalt im öffentlichen Raum

Es gibt aber auch Entwicklungen, bei denen im Fünfjahres-Vergleich ein neuer Höchststand erreicht worden ist. Das gilt zunächst einmal für die Straßenkriminalität, die im Vergleich zum Jahr 2016 von 367 auf 415 Fälle und damit um 13 Prozent zugenommen hat, wobei laut Jatzko vor allem Sachbeschädigungen – nicht zuletzt durch Graffities – zu Buche schlagen. Ein Rekordhoch zu verzeichnen war 2017 mit 149 registrierten Straftaten (im Jahr zuvor waren’s 124) bei „Gewalt im öffentlichen Raum“, einem Delikt, bei dem Markus Jatzko zufolge auch der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen vergleichsweise hoch ist (mehr als ein Drittel). Mit dieser Zunahme um 20 Prozent der Straftaten sei Schorndorf bei dieser Deliktart Spitzenreiter im Kreis, sagte der Revierleiter und sprach von „dringendem Handlungsbedarf“. Das sieht auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer so, der dabei vor allem das Bahnhofsumfeld im Blick hat. „Das ist ein Thema, auf das die Bürger empfindlich reagieren“, sagte Klopfer und machte keinen Hehl daraus, dass er an solchen Brennpunkte eine Videoüberwachung für angebracht hielte. Dazu passt, dass auch bei der Entwicklung „Gewalt im ÖPNV“ keine Entwarnung gegeben werden kann – im Gegenteil: Da ist die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Jahr 2016 wieder von 29 auf 32 und damit ebenfalls auf ein Fünfjahreshoch angestiegen.

Besorgniserregend sind zwei weitere Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik 2017, auch wenn jeweils keine Fünfjahres-Höchstwerte erreicht wurden. Da sind zum einen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, deren Zahl im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 von zwölf auf 28 und damit in Bereiche hochgeschnellt ist, wie sie zuletzt 2014 erreicht worden waren. Wobei Markus Jatzko diese Entwicklung insofern relativierte, als Beleidigung auf sexueller Grundlage zuvor nicht strafbewehrt gewesen sei. Andererseits aber gebe es nichts zu verharmlosen, sagte der Revierleiter mit Blick darauf, dass im Jahr 2017 immerhin auch zwei schwere Vergewaltigungen angezeigt worden und außerdem eine deutliche Zunahmen von exhibitionistischen Handlungen und Fällen von sexuellem Missbrauch registriert worden seien. Von der Tendenz her ähnlich stellt sich die Situation bei der Rauschgiftkriminalität dar. 106 Straftaten im Jahr 2017 sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor (54). Und sie liegen auch deutlich über den Erkenntnissen der Jahre 2014 und 2015 mit 86 beziehungsweise 85 Straftaten. Dieses Rekordhoch ist Jatzko zufolge vor allem mit einem hohen Kontroll- und Ermittlungsdruck und einer „starken Aufhellung des Dunkelfeldes durch verstärkte Präsenz der Polizei“ zu erklären.

Jatzko zur Gewalt gegen die Polizei: „Wir weichen nicht“

Nach wie vor ein großes Problem für die Polizei und nach allgemeiner Einschätzung im Gemeinderat auch ein großes gesellschaftspolitisches Problem ist das Phänomen „Gewalt gegen die Polizei“ – auch wenn die Zahl der Straftaten gegenüber 2016 von 24 auf 20 zurückgegangen ist. 2015 waren nur acht solcher Straftaten verzeichnet worden. 46 Polizeibeamte seien im Jahr 2017 Opfer von Widerstandshandlungen und Körperverletzungen geworden, wobei 86 Prozent der Tatverdächtigen alkoholisiert gewesen seien, sagte Markus Jatzko, demzufolge mittlerweile kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine(r) seiner Einsatzkräfte verletzt wird. Insofern seien die Anforderungen, auch die körperlichen, an die Polizei deutlich gestiegen: Aber, so Markus Jatzko: „Wir weichen nicht, sondern bemühen uns weiterhin, unser freundliches Gesicht zu zeigen.“


SchoWo-Anklänge

Nach den Vorfällen bei der SchoWo 2017, die das Verhältnis zwischen Stadt und Polizei auf eine harte Bewährungsprobe gestellt haben, sind beide Seiten jetzt um demonstrative Geschlossenheit und Einigkeit bemüht. Fürs Lob von Markus Jatzko für das gute und einvernehmliche Miteinander revanchierte sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer mit dem „Dank an die Polizei im Namen der Bürgerschaft und für das gute persönliche Miteinander nach einem ereignisreichen Jahr 2017“, auf das Jatzko im Übrigen gar nicht explizit eingegangen war.

Wenn Polizei, Ortspolizeibehörde und Bürgerschaft eng beieinander stünden, werde es auch für Straftäter enger – gerade auch im öffentlichen Raum, sagte der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich, der Stadt und Polizei hinsichtlicher der SchoWo 2018 auf einem guten Weg sieht. „Wir wissen, was wir anders denken und machen müssen als im Jahr 2017“, betonte Hemmerich.

Losgelöst von der SchoWo und ungeachtet der Tatsache, dass Schorndorf auch aus seiner Sicht nicht nur statistisch eine sichere Stadt sei, regte SPD-Fraktionschef Thomas Berger die Wiederaufnahme des runden Tisches „Kriminalprävention“ an – nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ und weil Sicherheit und Ordnung in einer Stadt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe seien.

Positive Unfalllage

Wenn Markus Jatzko mit Blick auf das Unfallgeschehen im Jahr 2017 von einer „positiven Unfalllage bei herausragender Bilanz der Verkehrsüberwachung“ spricht, dann gilt das erstens für die Situation innerorts und für die Schulwegunfälle und darf er sich zweitens durch gleich drei Stadträte bestätigt fühlen, die in letzter Zeit von der Polizei kontrolliert worden sind – mit durchwegs guten Erfahrungen.

Was die Zahl der Unfälle insgesamt (jeweils 528) und der Verletzten angeht, so hat sich im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 nicht viel verändert – zumal es erfreulicherweise in beiden Jahren keine Toten gegeben hat. Rückläufig beziehungsweise sogar stark rückläufig sind allerdings die Zahlen bei Unfällen innerorts und bei Schulwegunfällen. Von Letzteren gab es 2017 nur noch zwei, im Jahr zuvor waren es noch elf gewesen. Innerorts wurden insgesamt 457 Unfälle registriert (im Jahr davor 467), die Zahl der Leichtverletzten ging von 108 auf 80 zurück, die der Schwerverletzten stieg von 15 auf 16. Anders sieht’s bei Unfällen mit Radfahrern aus, da sind die Zahlen mit Ausnahme eines leichten Rückgangs bei Schwerverletzten durchwegs leicht steigend. Die Zahl der Unfälle stieg von 40 auf 43.

Was nun die Kontrollen angeht, so outeten sich nacheinander die Stadträte Thomas Berger (SPD), Konrad Hofer(FDP/FW) und Hermann Beutel (CDU). SPD-Fraktionschef Berger, selbst (hochrangiger) Polizeibeamter, aber als solcher nicht erkannt, hat die Kontrollsituation als sehr professionell empfunden. „Früher bin ich erschrocken, wenn ich die Polizei gesehen habe, heute freue ich mich“, beschrieb Konrad Hofer seine Gefühle, wobei ihn an Geschwindigkeitskontrollen nach wie vor stört, dass das Geld nicht mit den Rasern verdient wird, sondern mit denen, die die Geschwindigkeit geringfügig überschreiten. Und CDU-Fraktionschef Hermann Beutel, dessen Fraktionskollege Ingo Sombrutzki mehr Kontrollen wegen Handy am Steuer forderte? Der weiß, seit er von der Polizei angehalten worden ist, zumindest, wo sich sein Warndreieck befindet.

In den Verkehrsbeirat, wie von Hofer gefordert, wird die Polizei nicht zurückkehren. Sie solle und wolle sich, so der Revierleiter, lieber auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.

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