Schorndorf Kritik an Konzept für Breitbandausbau

Symbolbild. Foto: pixabay.com / CC0 Creative Commons

Schorndorf. Der Breitbandbeauftragte der Region Stuttgart, Hans-Jürgen Bahde, zeigt sich erstaunt. Es sei für ihn schwer nachzuvollziehen, dass die Stadtwerke Schorndorf für rund 50 Millionen Euro ein eigenes Glasfasernetz aufbauen, betreiben und als Kommunikationsdienstleister auftreten wollen.

Schnelles Internet für alle, um das es letztlich geht, ginge in Schorndorf auch günstiger, meint Bahde – für weit unter 20 Millionen Euro, wenn Schorndorf sich auf das Kooperationsmodell der Region mit der Telekom einließe. 50 Millionen Euro für schnelles Internet kommen Hans-Jürgen Bahde etwas viel vor im Vergleich zu einer mehr als doppelt so großen Stadt wie Ludwigsburg, die ebenfalls den Breitbandausbau in eigener Regie übernimmt und mit Kosten von 65 Millionen Euro kalkuliere.

Bahde spricht von volkswirtschaftlichem Unsinn

Wie berichtet, soll der Schorndorfer Gemeinderat am Donnerstag den Glasfaserausbau für schnelles Internet beschließen. Die Stadtwerke wollen in den nächsten zehn Jahren nicht nur die Infrastruktur mit Glasfaser aufbauen, sondern in Zukunft auch das Netz betreiben und die Kommunikationsdienste anbieten. Hans-Jürgen Bahde kennt die Einwände gegen den einstigen Monopolisten Telekom und teilt sie bis zu einem gewissen Grad auch. Mit dem Kooperationsmodell sei es dem Verband Region Stuttgart und den Landkreisen aber gelungen, die Telekom auf ihre Seite zu ziehen. Mit einher geht ein verbindlicher Zeitplan, dass bis 2030 nämlich 90 Prozent der Bürger in der Region am Netz fürs schnelle Internet hängen werden. Das Modell verhindere nicht zuletzt die Überbauung von bestehenden Leitungen. Diese Doppelstrukturen, vor allem in den lukrativen Gewerbegebieten, hält Bahde schlicht für volkswirtschaftlichen Unsinn. Denn in Schorndorf, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden liegen mancherorts bereits Glasfaserkabel im Boden. Die gehören nicht nur der Telekom, sondern beispielsweise auch Unity Media. Mit den Stadtwerken käme eine weitere Leitung hinzu.

Keine neuen Monopole

Es sei immer gut, wenn Glasfaser gebaut werde, sagt Bahde. Er ist ein überzeugter Befürworter des Glasfaserausbaus, der in Deutschland und insbesondere Baden-Württemberg und der Region Stuttgart hinter den internationalen Standards weit hinterherhinkt. Seit 2017 koordiniert er den Breitbandausbau in der Region und setzte zunächst auf den Aufbau des Glasfasernetzes in Regie der Städte und Gemeinden. Im Sommer überraschte er mit dem Kooperationsmodell mit der Telekom. Wichtig ist für ihn weiterhin, dass die mit Steuergeldern errichteten Netze in kommunaler Hand bleiben – aber auch, dass der „open access“ gewährleistet ist. Sprich, dass jeder Anbieter das Netz benutzen darf und keine neuen Monopole entstehen. Das Kooperationsmodell der Region Stuttgart gewährleiste diesen offenen Zugang. Es sehe vor, dass die Telekom zum Teil selbst in den Glasfaserausbau investiert; die Städte und Gemeinden ergänzen den Ausbau der Netzinfrastruktur mit Hilfe von Fördergeldern vor allem in den weniger lukrativen Gebieten.

Wettbewerb ist knallhart

Bahde weiß, dass es für Stadtwerke verlockend ist, nicht nur Glasfasernetze zu bauen und zu verpachten. Es ist viel spannender, auch die Dienste zu verkaufen. Damit könne mehr Geld verdient werden – „vielleicht aber auch nicht“, fügt Bahde hinzu. Denn der Wettbewerb in der Telekommunaktionsbranche sei knallhart.


Stadtwerke-Chef reagiert auf die Kritik

Nicht nur Hans-Jürgen Bahde ist erstaunt, sondern auch Stadtwerke-Chef Andreas Seufer – und zwar darüber, dass der Breitbandbeauftragte der Region die Stadt und die Stadtwerke kritisiert, anstatt sich zu freuen, dass Schorndorf in Sachen Breitbandausbau aktiv wird und die Region das in Schorndorf gesparte Geld anderswo einsetzen kann.

Absolut nicht nachvollziehen kann Seufer die Behauptung von Bahde, dass die Gesamtversorgung mit schnellem Internet in Schorndorf für weit unter 20 Millionen zu haben sein könnte. Die Stadtwerke hätten die Kosten für den Breitbandausbau bis vor jedes Haus in Schorndorf und den Stadtteilen – und darauf legt der Stadtwerke-Chef besonderen Wert, dass auch alle Stadtteile Teil des Ausbaukonzeptes sind – sehr gewissenhaft ermittelt und seien so auf besagte 50 Millionen Euro gekommen, die in den nächsten zehn Jahren investiert werden sollten. Und zwar so, dass es dann im Stadtgebiet keine weißen Flecken mehr gebe. Demgegenüber sage die Telekom bis 2035 nur eine 95-prozentige Abdeckung zu.

Was die Forderung von Bahde nach „open access“ zur Vermeidung von neuen Netzbetreiber-Monopolen betrifft, dass die Stadtwerke für jedes Kooperationsmodell offen seien – unter der Voraussetzung, dass sich die potenziellen Partner auf Augenhöhe begegneten. Es könne aber nicht sein, dass sich die Telekom die Filetstücke herauspicke und den Rest den Kommunen überlasse.

Im Übrigen geht Andreas Seufer davon aus, dass auch andere Stadtwerke dem Schorndorfer Beispiel folgen werden.

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