Schorndorf Kritik an zentraler Kindergartenplatzvergabe

Einen geeigneten Kindergartenplatz zu finden, das ist, seitdem es „Little Bird“ gibt, für Eltern eine noch größere Herausforderung geworden. Foto: pixabay.com

Schorndorf. Erst im April haben sich Eltern in Schornbach in einer Sitzung des Ortschaftsrats, als es um Kindergartenbedarfsplanung ging, fürchterlich über die zentrale Platzvergabe über das Elternportal „Little Bird“ aufgeregt, weil ein wohnortnaher Kindergartenplatz nicht mehr garantiert ist. Unzufriedenheiten gibt es aber auch bei den Eltern in der Kernstadt: Geschwisterkinder können, müssen aber nicht mehr unbedingt in der gleichen Einrichtung unterkommen.

Bis zum Jahr 2015 ist man in Schorndorf – und anderswo – noch von sinkenden Geburtenzahlen ausgegangen. Diese Fehleinschätzung hängt der Stadt bis heute nach: Und weil es 2015 und 2016 obendrein galt, viele Flüchtlingskinder in den Einrichtungen unterzubringen, wurden die Planungen erst im Jahr 2017 an die steigenden Geburtenraten angepasst – und Neubauten auf den Weg gebracht: den sechsgruppigen Kindergarten Haldenstraße Haubersbronn, die sechsgruppige Einrichtung Stöhrerweg sowie die zweigruppigen Kindergärten im Wieslaufweg und in der Hegelstraße.

Ein Mitspracherecht haben die Kindergartenleiterinnen nicht mehr

Mit der Folge: Vor 2020 wird keine dieser Einrichtung eröffnen. Dazu kommt die Fehlplanung in Oberberken: Dort wurde Ende 2017 der Kindergarten Geißhecken reaktiviert, um 20 Krippenplätze zu schaffen. Da dieses für viele ungünstig gelegene Angebot – und ohne die Möglichkeit, bis zum Schuleintritt durchzuwachsen – nicht wie erwartet angenommen wurde, wird es dort ab September 2019 für unter Dreijährige 15 Plätze und für über Dreijährige zehn Plätze geben.

Für zusätzlichen Ärger unter den Eltern sorgt, dass die Stadt Schorndorf seit September 2018 die bisher zwischen Eltern und Kindergartenleitung geregelte und über „Little Bird“ verwaltete Platzvergabe zentral organisiert. Egal, ob für einen städtischen oder einen kirchlichen Kindergarten, wer einen Platz in der Kernstadt und den Teilorten sucht, muss den Bedarf über das Elternportal „Little Bird“ anmelden. Und zwar rechtzeitig. Mittlerweile ist das bereits 24 Monate vor dem gewünschten Eintrittstermin möglich. Ein Mitspracherecht haben die Kindergartenleiterinnen aber nicht mehr. Die Eltern sollen – allerdings erst ab dem Kindergartenjahr 2020/21 – spätestens neun Monate vor dem angegebenen Eintrittstermin von der Stadt einen Bescheid bekommen.

Diese Übergangszeit, in der die Bescheide zum Teil noch länger auf sich warten lassen, weckt Unsicherheiten bei den Eltern, die mit der zentralen Platzvergabe sowieso nicht glücklich sind und stellenweise den Eindruck haben, es ginge der Stadt nicht um das Kindeswohl, sondern nur noch um die Zahlen. In Schornbach waren zuletzt mehr als 25 Mütter und Väter bei der Ortschaftsratssitzung, in der es um die Kindergartenbedarfsplanung ging. Dass ihre Kinder nicht mehr automatisch in einer Schornbacher Einrichtung einen Platz finden, sondern gegebenenfalls mit Kindern aus der Kernstadt oder anderen Teilorten konkurrieren, ist für sie nicht akzeptabel.

U-3-Platz kostet 25 000 Euro, ein Ü-3-Platz 15 000 Euro im Jahr

Der Wunsch nach einer wohnortnahen Versorgung hat für Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten, aber auch seine Tücken: Schließlich ermögliche das Wunsch- und Wahlrecht Eltern, auch spezielle pädagogische Profile zu suchen. „Wenn jedoch alle in den Waldkindergarten wollen, der sicher nicht für alle wohnortnah ist, steht gegebenenfalls eine Einrichtung vor Ort leer.“ Und das kann die Stadt teuer zu stehen kommen: Ein U-3-Platz kostet etwa 25 000 Euro im Jahr, ein Ü-3-Platz an die 15 000 Euro. Noch teurer wäre es, wenn in einer Einrichtung alle Betreuungsumfänge – von 21 bis 52 Stunden – vorgehalten werden müssten.

Der Wunsch, dass Geschwisterkinder in der gleichen Einrichtung unterkommen, soll bei „Little Bird“ künftig über ein Punktesystem berücksichtigt werden – genauso wie Alleinerziehende und Berufstätige bei der Platzvergabe bessere Karten haben sollen. Einen gesetzlichen Anspruch, führt Weiß aus, gibt es dafür jedoch nicht – „und gab es auch vorher nicht“. Wesentlich, betont er, ist darum die rechtzeitige Anmeldung. Und er kann beruhigen: „Ein Durchwachsen vom U-3- in den Ü-3-Bereich ist garantiert.“ Tatsächlich, weiß Gesamtelternbeiratsvorsitzende Sabrina Vivas, war es aber bisher gang und gäbe, dass die Kindergartenleiterinnen für Geschwisterkinder einen Platz frei gehalten haben.

Um planen zu können, hat die Stadt im Dezember 2018 bei den Eltern, die Bedarf an einem Krippen- oder Ganztagsplatz angemeldet haben, die Beschäftigungsumfänge abgefragt. Der Hintergrund: Eltern, die nicht zu einem gewissen Grad berufstätig sind, haben keinen Anspruch auf einen solchen Betreuungsplatz. Solche Abfragen, kündigt Weiß an, wird es auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen geben, „da die bedarfsgerechte Versorgung im Fokus steht“. In diesem Jahr wurden auch alle Eltern von unter dreijährigen Kindern angeschrieben, künftig soll das sogar bereits wenige Wochen nach der Geburt ihres Kindes geschehen, um Eltern dafür zu sensibilisieren, sich rechtzeitig um einen Kita-Platz zu kümmern und um „Little Bird“ zu erklären.


Der Gesamtelternbeirat bemängelt ...

Bei der zentralen Platzvergabe über „Little Bird“ werden aus Sicht von Gesamtelternbeiratsvorsitzender Sabrina Vivas Kriterien wie Geschwisterkinder und Wohnortnähe zu schwach bewertet. In einer Stellungnahme des Elternbeirats, der bei dieser Gelegenheit auch eine für September 2019 von der Stadt geplante und eben kommunizierte dreiprozentige Gebührenerhöhung kritisiert, heißt es daher im Wortlaut: „Die Zumutbarkeit des Bringweges zu der Einrichtung ist unserer Ansicht nach nicht gegeben. Zudem werden ökologische und gesundheitliche Aspekte – das Kind zu Fuß oder mit dem Rad zur Einrichtung zu bringen anstelle mit dem Auto – überhaupt nicht berücksichtigt. Für die Ü-3-Betreuung muss es möglich sein, dass die Kinder in ihrem Teilort bleiben können. Auch wird ein im Ort schulpflichtiges Geschwisterkind (Grundschulkind) nicht als Kriterium anerkannt.“

Und weiter: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass ein Erstklässler im Wohnort (Teilort) in die Schule geht und das Geschwisterkind im Kernort oder einem anderen Teilort einen Platz bekommt. Eine Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf ist so nicht realisierbar. Geschwister sollten unseres Erachtens nicht in unterschiedlichen Einrichtungen zugeteilt werden, außer es geschieht auf ausdrücklichen Wunsch. Soziale Hintergründe (Zuzug, Migration) werden überhaupt nicht berücksichtigt. Eine Integration von Kindern wird unglaublich erschwert.

In einigen Fällen dürfen Kinder, die im laufenden Kindergartenjahr drei Jahre alt werden, erst ab September in den Kindergarten. Wird das Kind beispielsweise im Januar drei Jahre alt, muss es bis September warten. Dies stellt ein großes Problem für die betroffenen Familien dar, da die Elternzeit drei Jahre beträgt, und auch gewisse Absprachen mit dem Arbeitgeber eingehalten werden müssen. Auch bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, wäre ein Eintritt mit drei Jahren notwendig, da die sprachlichen Grundlagen in diesem Alter gelegt werden.“

Kritisch sieht der Gesamtelternbeirat außerdem, dass es keinen Erzieher-Pool für die Krankheitsvertretungen der freien Träger gibt und auch der städtische oft nicht ausreicht. So können viele Aktivitäten wie Waldtage oder Vorschule nicht stattfinden.

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