Schorndorf/Leutenbach Grelle Sonne bremst Autofahrer aus

Achtung! Bei tief stehender Sonne ist der Tunneleingang ein rabenschwarzes Nichts. Am Grafenberg- und Sünchentunnel in Schorndorf sind Sensoren installiert, die diese Gefahr entschärfen und das Tempo drosseln. Foto: Buettner / ZVW

Schorndorf/Leutenbach. „Außenlichtdichte“ heißt das Zauberwort, das Autofahrer vor den Gefahren bei der Einfahrt in Tunnels bewahrt. Sie denken jetzt, der Redakteur ist nicht ganz dicht und hat sich in seiner dichterischen Freiheit die Außenlichtdichte einfach so ausgedacht. Dem ist keineswegs so.

Ein autofahrender Leser hat uns auf die wundersame Existenz der Außenlichtdichte gestoßen, von der wir bis dato nichts geahnt haben, geschweige denn wussten (und dieses physikalische Wissen nicht einmal vermissten). Dieser aufmerksame Autofahrer wunderte sich, dass er in dieser Woche Morgen für Morgen vor dem Sünchentunnel, wenn er von Schorndorf in Richtung Gmünd unterwegs war, auf Tempo 80 abgebremst wurde – und das, obwohl „keine Baufahrzeuge, Arbeiter oder sonst irgendwelche Tätigkeiten zu erkennen sind“. So einfach grundlos werde das Limit da nicht runtergedrosselt, mutmaßte der Mann. Und er lag richtig. Grund für das Tempolimit war die grelle, tiefstehende Sonne – oder einfacher ausgedrückt: die hohe Außenlichtdichte. Tempo 80 sollte den Autofahrer bewahren, von der Sonne geblendet und mit hoher Geschwindigkeit in ein rabenschwarzes Nichts zu rasen.

Das Schwarze-Loch-Phänomen führt regelmäßig zu Rückstaus

Dieses Schwarze-Loch-Phänomen lässt übrigens sich jeden Morgen und jeden Abend im Berufsverkehr vor dem Kappelberg beobachten. Autofahrer gehen angesichts des dunklen Tunnelmundes instinktiv vom Gas – und lösen eine Kettenreaktion von Bremsmanövern der Hinterherfahrenden aus, die sich schließlich in einem veritablen Stau manifestiert.

Wie Hell und Dunkel zusammenhängen, kann Jürgen Bihlmaier, Leiter der Straßenmeisterei in Weinstadt, ganz einfach erklären. Sensoren in und außerhalb der vier Bundesstraßentunnels messen die Helligkeit, wie wir Laien sagen würden. Die Beleuchtung im Innern des Tunnels wird jeweils der Helligkeit draußen angepasst. Dies nennt sich Adaptionsbeleuchtung und bewahrt die Autofahrer vor zu großen Helligkeitsunterschieden. Wird es draußen wieder dunkler, wird auch im Tunnel die Beleuchtung abgedimmt. Und je heller es draußen ist, desto heller leuchten auch innen die Lampen. Ist jedoch der Unterschied zwischen drinnen und draußen zu groß, schlägt der Computer Alarm – und drückt auf die Bremse. Alles vollautomatisch, versichert Jürgen Bihlmaier. Diese Regelung steckt also hinter dem morgendlichen Tempolimit am Sünchentunnel, den unser Leser beobachtet hatte.

Die Beleuchtungsregelung gehört zu der vielfältigen Technik, die heutzutage in modernen Tunnels steckt. In der Nacht auf Freitag haben die Straßenmeister wieder die Sicherheit im Leutenbach- und Kappelbergtunnel getestet, ob sämtliche Komponenten so zusammenspielen, wie sie sollen. Das geschieht übrigens zweimal im Jahr und führt zu stundenweisen Sperrungen der Tunnels. Sollte es im Tunnel eines Tages wirklich brennen und die Brandmeldeanlage Alarm schlagen, so läuft eine ganze Kette von Folgemaßnahmen ab, erklärt Bihlmaier: Die Feuerwehr wird alarmiert, die Signale stellen sich auf Rot und die Schranken gehen runter, die Lüftung legt los und die Fluchtwegbeleuchtung wird angeschaltet – und nicht zuletzt wird die Beleuchtung auf höchste Stufe geschaltet.

Die Tunnelwächter

Die vier Bundesstraßen-Tunnel im Rems-Murr-Kreis werden Tag und Nacht mit Videokameras überwacht. Jahrelang hatte diesen Job die Polizei auf dem kleinen Dienstweg erledigt.

Nach der Polizeireform sah sich die Polizei nicht mehr dazu in der Lage. Der Landkreis übertrug die Aufgabe für einen Betrag „im niedrigen sechsstelligen Bereich“ einem privaten Wachdienst, der seither eingreift, wenn es im Tunnel kracht oder ein Schwerlaster, wie kürzlich im Kappelbergtunnel geschenen, die Beleuchtung von der Decke reißt.

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