Schorndorf Marihuana im Schlafzimmer gezüchtet

Symbolbild. Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. Ein 36-jähriger Plüderhäuser hat in seiner eigenen Wohnung zum Eigenbedarf Cannabis-Pflanzen gezüchtet. Vor dem Amtsgericht Schorndorf legte er ein umfassendes Geständnis ab – und wurde dafür nun zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung.

Seine private Aufzucht wäre der Polizei wohl nie aufgefallen, wäre sein zwei Jahre älterer Bruder nicht zufällig in Schwäbisch Gmünd gewesen, als die Polizei gerade einen Großdealer hochnahm. Im letzten Sommer wurden in dessen Wohnung in Schwäbisch Gmünd unter anderem zwei Kilogramm Kokain und 200 Gramm Crystal Meth sichergestellt.

Kurz zuvor hatte der Bruder des Angeklagten dort Drogen gekauft. Dem 38-jährigen Mann, der zu diesem Zeitpunkt vorübergehend bei seinem Bruder wohnhaft war, drohte deshalb eine Hausdurchsuchung. Gegenüber der Polizei gestand er umgehend, dass sich dort eine kleine Marihuana-Aufzucht befindet.

236 Gramm Marihuana festgestellt

Im Schlafzimmer der Wohnung fanden die Ermittler daraufhin vier Cannabis-Pflanzen, zehn im Wachstum befindliche sowie zehn Setzlinge, des Weiteren einen angerauchten Joint. Insgesamt 236 Gramm konsumierbares Marihuana, also eine nicht geringe Menge, wurde von der Polizei konfisziert. Der Angeklagte befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung, meldete sich jedoch im Nachgang bei der Polizei und räumte seine Tat vollumfänglich ein.

Auch vor Gericht zeigte sich der 36-jährige Hilfsarbeiter kooperativ. „Ich stehe dazu“, sagte er. Betonte aber zugleich, nur für den Eigenbedarf gezüchtet zu haben. Angeblich, um damit Gelenkschmerzen und Magen-Darm-Probleme zu therapieren. Seit seinem 18. Lebensjahr habe er hin und wieder Cannabis konsumiert, sei aber nie süchtig gewesen.

Die Aussage wirkte glaubwürdig, zumal die Ermittler neben einer normalen Küchenwaage keine Dealer-Utensilien in der gut gepflegten Wohnung fanden und der Angeklagte insgesamt einen geordneten Eindruck machte. Seit der Hausdurchsuchung habe er, so versicherte er es dem Gericht, kein Marihuana mehr konsumiert.

Der Verteidiger plädierte auf Bewährung

Nach polizeilichen Aussagen hatte das angebaute Marihuana zudem nur einen sehr geringen THC-Anteil. „Das Material war schlecht“, sagte der ermittelnde Polizeibeamte vor Gericht. „Leider noch zu gut“, bemerkte daraufhin sein Verteidiger. Denn die beschlagnahmte Menge war letztlich deutlich zu groß, um juristisch noch als geringe Menge durchzugehen.

Kein minder schwerer Fall, befand deshalb die Staatsanwaltschaft und forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Und damit verbunden eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro, die der Angeklagte an eine wohltätige Organisation spenden soll.

Sein Verteidiger plädierte aufgrund der positiven Sozialprognose, der umfassenden Kooperationsbereitschaft sowie der Tatsache, dass sein Mandant bislang nicht vorbestraft ist, für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung.

Der Plüderhäuser nahm das Urteil umgehend an

Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, dem gesetzlichen Mindestmaß für diese Straftat, ausgesetzt zu einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Zusätzlich muss der Angeklagte eine Drogenberatungsstelle aufsuchen und eine Geldstrafe von 1600 Euro an eine wohltätige Organisation zahlen.

Das Gericht hielt dem 36-Jährigen zugute, dass er „offen und ehrlich“ gewesen sei, umfassend gestanden und in der Verhandlung „keine Winkelzüge“ gemacht habe. Der Plüderhäuser nahm das Urteil umgehend an. Es ist damit rechtskräftig.

Der Plüderhäuser dürfte jedoch schon bald wieder eine Vorladung des Amtsgerichts erhalten. Im Laufe der Hausdurchsuchung wurden nämlich nicht nur Drogen, sondern auch USB-Speichersticks sichergestellt. Deren Inhalt ist, so deutet es das Gericht mit der Nennung des Paragrafen 184 an, mutmaßlich pornografischer Art.

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