Schorndorf Mehr gegenseitige Rücksichtnahme im Freibad

An Tagen wie diesen in einem stark frequentierten Bad wie dem Ziegeleisee-Freibad alles und jeden im Blick zu haben, das ist eine sehr verantwortungsvolle und keine leichte Aufgabe. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. So viele Menschen im Wasser des Ziegeleisee-Freibads – und jeden einzelnen von ihnen sollen die um die Becken postierten Badeaufsichten im Blick behalten. Eigentlich nicht möglich, meint Bäderbetriebsleiter Jörg Bay, der sich in den Becken nicht nur mehr gegenseitige Rücksichtnahme wünscht, sondern auch mehr soziale Kontrolle.

Natürlich, weiß Bay, kommen die Badegäste in der Regel zum Entspannen ins Freibad, und nicht, um sich einen Kopf um andere zu machen.

Aber wenn jeder – egal ob man selber schwimmt oder ob man nur am Beckenrand sitzt und die Beine im Wasser baumeln lässt – nur ein bisschen aufmerksam wäre und ein bisschen ein Auge auf diejenigen hätte, die sich um einen herum im Wasser aufhalten und vielleicht keinen so ganz stabilen Eindruck machen, dann wäre schon viel an zusätzlicher Sicherheit gewonnen, meint Bay und gibt zu bedenken: „Ertrinken passiert ganz lautlos.“ In der letzten Woche, berichtet er, hat es zwei kritische Situationen gegeben, „und das sind eigentlich zwei zu viel“.

Passiert ist Gott sei Dank nichts, auch weil eine ältere Dame, der über die 100-Meter-Distanz die Luft ausgegangen ist, das Glück hatte, ihre Tochter neben sich zu haben, die sie dann an den Beckenrand gebracht hat. Selbst im Kinderbecken, wo Eltern ihre kleinen Kinder sicher wähnen, kommt es immer wieder vor, dass die Badeaufsicht eingreifen muss, damit nichts Schlimmeres passiert.

Das Personal ist psychisch und zeitlich stark beansprucht

Vier Vollzeitkräfte und rund 40 auf 450-Euro-Basis beschäftigte Baywatch-Rettungsschwimmer sorgen in wechselnden Besetzungen und Intervallen für die größtmögliche Sicherheit im Ziegeleisee-Freibad, ohne wirklich immer jede und jeden im Blick haben zu können. Eine(r) am Kinderbecken, eine(r) an der Rutsche, eine(r) am Sprungturm und zwei weitere Rettungsschwimmer(innen) am Beckenrand oben und unten, das ist die Standardbesetzung an stark frequentierten Badetagen. Wie überhaupt das Personal in diesen heißen Zeiten nicht nur psychisch, sondern auch zeitlich stark beansprucht ist.

Die Ersten sind um 7 Uhr morgens da, um aufzuräumen, was am Abend nicht mehr geschafft wurde, und die Becken fit für einen weiteren langen Badetag zu machen, und die Letzten verlassen das Areal erst gegen 23 Uhr, also zwei Stunden nach Schließung des Bades. „Da lässt keiner den anderen hängen“, lobt Jörg Bay seine engagierte Truppe, und wenn’s gar nicht anders geht, dann übernehmen auch der Bäderbetriebsleiter und Stadtwerke-Chef Andreas Seufer eine Schicht am Beckenrand – wenn sie nicht gerade im Hallenbad gemeinsam nach Fliesen tauchen, die sich gelöst haben.

„Die meisten Unfälle passieren durch Übermut und Bubelei“

„Jetzt ist’s noch friedlich, aber im Laufe des Tages ändert sich auch das Publikum und damit auch die Atmosphäre im Freibad“, sagt Jörg Bay, als er morgens kurz nach Öffnung des Bades noch relativ entspannt auf das große Becken schaut, das sich allmählich mit Schwimmern füllt. Wenn später dann zunehmend auch Kinder und Jugendliche im Becken herumturnen, dann wünscht sich Bay nicht nur mehr Rücksichtnahme, sondern auch ein bisschen Zivilcourage, wenn es darum geht, bei Rangeleien oder Schubsereien zu intervenieren oder sie bei der Badeaufsicht anzuzeigen.

„Die meisten Unfälle passieren durch Übermut und Bubelei“, weiß der Bäderbetriebsleiter, der einige ehemaligen Kollegen kennt, die nicht mehr bereit waren, sich der Verantwortung, in einem vollen Bad jeden Tag für absolute Sicherheit sorgen zu sollen, zu stellen. Aber wie gesagt: Wenn jede(r) ein bisschen mithilft, ist viel(en) geholfen.


Zahlen und Fakten

Rund 67 000 zahlende Ziegeleisee-Freibadgäste sind in diesem Jahr bis Anfang dieser Woche gezählt worden.

Nicht mitgezählt sind alle Kinder unter sechs Jahren, die im Oskar-Frech-Seebad Eintritt bezahlen und dann ebenfalls einen Abstecher ins Freibad machen.

Am vergangenen Sonntag zum Beispiel wurden 2700 Besucher im Freibad, 1200 im Hallenbad und weitere 250 in der Sauna gezählt.

Wobei die 2700 Freibadgäste laut Jörg Bay keine Rekordzahl sind. Was beweist, dass die gnadenlose Hitze der vergangenen Tage und Wochen nicht unbedingt das allerbeste Freibadwetter ist. Ideal, sagt der Bäderbetriebsleiter, sind Temperaturen im Bereich von 27, 28 Grad.

Rekordverdächtig sind erfahrungsgemäß die Tage kurz vor den Sommerferien – wenn das Wetter mitmacht.

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