Schorndorf-Miedelsbach Der Feuerwehr-Traum in Paraguay hat sich erfüllt

Rettungskurs der Freiwilligen Feuerwehr Villarrica, zu dem Maria-Elena mit ihren Kameraden eingeladen war. Foto: Privat

Schorndorf-Miedelsbach/Carlos Pfannl. Die ehemalige Miedelsbacherin Maria-Elena Dubberke hat sich ihren Traum verwirklicht. Die deutsche Kolonie Carlos Pfannl hat jetzt eine eigene Feuerwehr, die bereits drei Einsätze erfolgreich gemeistert hat. Über ihr Leben in Paraguay und ihre weiteren Pläne für die Zukunft berichtet sie bei einem dreiwöchigen Überraschungsbesuch in Schorndorf.

Knapp ein Jahr ist es her, dass die 17-jährige Maria-Elena Dubberke zusammen mit ihren Eltern nach Paraguay ausgewandert ist. Mit dabei hatte sie ein altes Feuerwehrauto, einige Ausrüstung und ein Ziel: die Gründung einer Feuerwehr in Carlos Pfannl. Nach langer Arbeit und noch längerem Warten war es vor ungefähr einem Monat nun endlich so weit: Die Feuerwehr ist staatlich anerkannt, als nichtstaatlicher Verein. Dies sei durchaus von Vorteil, da sie nur so sichergehen könne, dass die Spenden, die für ihre Feuerwehr eingehen, auch wirklich bei ihr landen, erklärt Maria-Elena. Ansonsten würden die Gelder und die Ausrüstung für die Feuerwehr vor allem an die Hauptstadt Asunción gehen.

„Wir dürfen trotzdem mit Sirene fahren“, versichert sie, auch wenn ihre jetzige Sirene etwas leise sei. Ein Problem ist aber, dass viele der acht Männer, die zu ihrer Wehr gehören, bei einem Einsatz nicht sofort zur Stelle sein können. Wenn sie per Telefonkette angerufen werden, sind sie oft bei der Arbeit, und in Paraguay gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, dass Feuerwehrleute bei einem Einsatz gehen dürfen. Deshalb verbieten manche Arbeitgeber Maria-Elenas Kollegen, bei Notfällen auszurücken. Dieses Verhalten stößt bei ihr auf Unverständnis: „Die denken, bei ihnen passiert nie etwas.“ Dabei sei es sehr wichtig, dass sie mit ihrer Feuerwehr rechtzeitig vor Ort ist.

Bisher drei Einsätze

Zu einem Lagerhallenbrand und zu zwei Flächenbränden wurde die neue Feuerwehr inzwischen schon gerufen. Beim ersten Einsatz brannte eine Teefabrik, bei den anderen beiden eine Wiese. Zum Löschen der Flächenbrände nutzten die Feuerwehrleute sogenannte Feuerpatschen, mit denen das Feuer ausgedrückt wird. „Flächen- und Waldbrände sind wirklich Nahkampf“, weiß Maria-Elena. Es helfe nicht, nur von weitem mit Wasser zu löschen. Aber auch das sei nun kein Problem mehr, nachdem die Wasserpumpe, die beim ersten Einsatz (glücklicherweise erst am Ende) kaputtgegangen war, ersetzt werden konnte. „Bis jetzt benehmen sie sich“, sagt sie über ihre Feuerwehrmänner. Die Erleichterung darüber, dass tatsächlich alle beim Einsatz auf sie hören, ist groß.

Geübt wird bei der Feuerwehr jede oder jede zweite Woche. Außerdem nehmen die Feuerwehrleute an Weiterbildungen teil. Maria-Elenas Mannschaft hat bereits einen Innenrettungskurs, einen Höhenrettungskurs und einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Geplant ist noch ein Kurs zur Ersten Hilfe bei Motorradfahrern.

Feuerwehr in Paraguay macht auch Rettungsdienste

„Die Erste-Hilfe-Kenntnisse sind dort ziemlich mies“, sagt Maria-Elena. Es komme vor, dass Ohnmächtige für tot gehalten werden. Krankenwagen gebe es in Paraguay auch kaum, und schon gar keine kostenlosen. Deshalb sucht sie für ihre Feuerwehr auch einen Rettungswagen.

Interesse hat die 17-Jährige außerdem an einem zweiten Feuerwehrauto. Insbesondere das Miedelsbacher Auto, das wohl in ungefähr 18 Monaten ausgemustert wird, gefällt ihr. Denn persönliche Erinnerungen aus ihrer Zeit bei der Jugendfeuerwehr verbinden Maria-Elena mit dem Fahrzeug.

Zunächst nimmt sie bei ihrer Rückreise aber weitere Ausrüstung mit: eine Tragkraftspritze, Atemschutzgeräte, acht Luftflaschen und vieles mehr, alles untergebracht in einem Container. Wieder zurück, wird sie auch ihre Ausbildung bei der Feuerwehrakademie in der 40 Kilometer entfernten Kleinstadt Villarrico, die sie bereits vorangegangenes Jahr zusammen mit einem Kollegen begonnen hat, fortsetzen. Zusätzlich zu den täglichen organisatorischen Aufgaben wie Buchführung, Nachbereitung von Einsätzen, Spendenverwaltung, Pflege der Facebook-Seite und sonstigem Papierkram muss Maria-Elena dann auch die Teilnahme ihrer Feuerwehr bei einer Leistungsschau organisieren.

Weitere Termine sind ein großes Fahrradrennen, bei dem ihre Wehr den Sanitätsdienst übernimmt, sowie Anlässe, bei denen sie eingeladen werden, um sich in ihrer Ausgehuniform zu präsentieren. Für ihre persönliche Zukunft hat Maria-Elena auch schon einen Plan: Sie möchte in Paraguay bleiben und Medizin studieren. Und das, obwohl es für sie nicht immer einfach war. Oft wurde sie von Heimweh geplagt. „Ohne die Feuerwehr wäre es schwierig geworden“, meint sie.

Besonders freut sich Maria-Elena darauf, dass ihre Freunde Wolfgang Bühner und Sebastian Saul sie bald in Carlos Pfannl besuchen werden. Saul, der selbst ein Ausbildungszentrum zum Rettungshelfer, Ersthelfer und Brandschutzhelfer leitete und nun bei der Feuerwehr Berglen aktiv ist, wird dort ehrenamtlich eine Weiterbildung der Feuerwehrleute durchführen.


Feuerwehrakademie

Die Feuerwehrausbildung in Villarrico ist sehr paramilitärisch strukturiert.

Auf dem Programm steht neben der Theorie vor allem körperliche Betätigung wie Jogging und Liegestütze.

Maria-Elenas Ausbildung sollte eigentlich neun Monate dauern, durch eine Verzögerung ist sie nun erst Ende des Jahres abgeschlossen.

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