Schorndorf Mit Lebensmittel-Kontrolleuren auf dem Weihnachtsmarkt

Gerhard Holzwarth spricht mit den Standbetreibern trotz des ernsten Themas in einem lockeren Ton. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Wenn Gerhard Holzwarth und Nadine Bader auf den Weihnachtsmarkt gehen, dann in der Regel nicht zum Glühweintrinken und Bratwurstessen. Sie arbeiten als Lebensmittelkontrolleure für das Landratsamt. Auf der Weihnachtswelt prüfen sie: Werden die gesetzlichen Kontrollen eingehalten?

„Guten Tag, wir sind von der Lebensmittelüberwachung und machen heute eine Kontrolle“, sagt Gerhard Holzwarth vor einem Stand auf dem Oberen Marktplatz. Rudolf Bachhoffer, der Mann hinter der Theke, ist nur als Aushilfe tätig. Es ist das erste Mal für ihn, dass er eine solche Kontrolle erlebt. Nadine Bader geht zu ihm in den Stand. Sie schaut sich den Zustand der Lebensmittel an, alles scheint einwandfrei zu sein. Gerhard Holzwarth schaut sich währenddessen den Stand von außen an. Dabei überprüft er, ob die Preise und Waren eindeutig gekennzeichnet sind. „Alles in Ordnung“, so sein Fazit. Selbst eine Löschdecke hänge neben der Fritteuse, das sei vorbildlich, meint der Kontrolleur. Denn die Geräte könnten wegen des Fetts vergleichsweise schnell brennen.

Farbstoffe oder Geschmacksverstärker müssen sichtbar sein

Weiter geht es zum nächsten Stand, wo ein Süßwarenhändler gebrannte Mandeln, Lebkuchen und vieles mehr verkauft. Auch er wirkt entspannt und zeigt den Kontrolleuren alles bereitwillig. In ihrem Stand müssen alle Händler eine Liste an Allergenen bereitliegen haben, falls Kunden danach fragen, erklärt Holzwarth. Zusatzstoffe wie beispielsweise Farbstoffe oder Geschmacksverstärker müssen die Betreiber außen sichtbar anschreiben. „Schließlich will ich ja auch als Konsument wissen, was in den Produkten wirklich ist“, meint Gerhard Holzwarth. Der Chef des Süßwarenstandes kann die erforderliche Allergenliste aushändigen, auch bei ihm haben die Kontrolleure nichts zu meckern.

Weiter geht es in den „leicht verderblichen Bereich“, wie Nadine Bader erklärt, während sie auf den Stand von Doreen Lippmann-Grund, die Wurst und Fleisch aus Thüringen verkauft, zusteuert. Hier müssen die Kontrolleure noch mehr Dinge beachten. Unter anderem die Temperatur der Würste spielt eine Rolle, sie darf nicht zu hoch sein. Doch an dem nasskalten Tag ist das kein Problem, Fleisch und Wurst haben die richtige Temperatur. Chefin Lippmann-Grund steht den Kontrolleuren bereitwillig Rede und Antwort. Von den vielen Regelungen und Vorgaben ist sie aber auch genervt: „Wir müssen immer mehr kennzeichnen und inzwischen auch Nährwertangaben machen.“ Wo früher ein kleiner Aufkleber auf der Verpackung reichte, muss sie heute große weiße Zettel auf jedes verpackte Fleischstück kleben.

Beim Weihnachtsmarkt der Vereine auf dem Archivplatz hatten sich einige Betreiber kritisch gegenüber der Lebensmittelüberwachung geäußert (wir berichteten). Es gebe übertrieben viele und zu strenge Auflagen. Außerdem stand der Vorwurf im Raum: Die Kontrolleure hätten ein barsches Auftreten an den Tag gelegt.

Gegenüber den Ehrenamtlichen habe man keinen Druck ausgeübt

Gerhard Holzwarth, der die Abteilung im Landratsamt leitet, widerspricht dieser Darstellung. Bei den Kontrollen von Ehrenamtlichen seien er und seine Kollegin weniger streng als bei den kommerziellen. „Wir haben bei den Ehrenamtlichen noch nie Druck ausgeübt“, sagt er. Seinen Erfahrungen nach werde von den Standbetreibern umgesetzt, was es seitens der Kontrollen zu beanstanden gibt. Außerdem biete das Landratsamt vor Ort kostenlose Schulungen zum Thema an und stelle Infomaterial zur Verfügung. Das habe in der Vergangenheit Wirkung gezeigt. 2018 seien beim Weihnachtsmarkt der Vereine nur zwei geringe Abweichungen festgestellt worden, die direkt behoben werden konnten. Holzwarth betont, dass die Regeln, Vorgaben und Gesetze in dieser Sache nicht vom Landratsamt, sondern größtenteils von der Europäischen Union kommen. Seine Aufgabe sei, dafür zu sorgen, dass sie vor Ort umgesetzt würden.

Beim Stand „Edelheiss“, an dem Glühwein verkauft wird, gesteht der Betreiber gleich, dass es im Vorjahr Beanstandungen gegeben hatte. Er hatte damals kein den Vorgaben entsprechendes Waschbecken. Jetzt zeigt er Nadine Bader, die im Stand unterwegs ist, dass er der Forderung nun nachgekommen ist.

Insgesamt nur kleine Verstöße in Sachen Kennzeichnung

Verhältnismäßig streng, aber trotzdem freundlich wirken Bader und Holzwarth am Stand von Elina Leonard, die dort zum ersten Mal Produkte aus Kamelmilch verkauft. Bei ihr haben sie gleich mehrere Sachen zu kritisieren. Unter anderem hat sie auf ihre von Hand zugeschnittenen Seifen vor die Grammangaben ein „ca“ gesetzt. Doch die Verkäufer müssen konkrete Angaben machen. Außerdem bemängeln die beiden Kontrolleure, dass ihre Kamelmilch nicht dem deutschen Markt entsprechend gekennzeichnet sei. Doch wenn sie sich in Zukunft an die Vorgaben hält, hat auch sie nichts zu befürchten. Sie ruft den Kontrolleuren noch ein freundliches „Frohe Weihnachten“ hinterher. Insgesamt sind es auch hier nur Kleinigkeiten, die Holzwarth und Bader bemängeln.

Unterwegs an den anderen Ständen achten die Kontrolleure besonders auch auf die Zutaten, die angegeben sind. Beim Pizza-Stand Donato Stellato wirft Nadine Bader einen Blick in den Kühlschrank. „Ja, das ist echter Hinterschinken“, sagt sie und zeigt die Packung. Ein anderer Händler ist nicht ganz so vorbildlich unterwegs. Auf seinem Plakat wirbt er für Flammkuchen mit Parmesan, bei den Kontrollen stellt sich jedoch heraus: Es handelt sich um Grana Pardano, ein nicht ganz so hochwertiger Käse wie Parmesan. Der Händler bessert die Angabe mit einem Filzstift gleich aus und kommt noch mal mit einem blauen Auge davon.

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