Schorndorf-Oberberken Schülerinnen kritisieren Busanbindung

Stefanie Gellner und Jana Schneider sind abhängig von den Bussen, die nach Oberberken fahren. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf. Samstags fährt der letzte Bus um 16.50 Uhr nach Oberberken. Für Jugendliche aus dem Teilort, die sich am Abend mit Freunden in der Stadt treffen wollen, ist das ein Problem. Die 16-jährige Stefanie Gellner und die 13-jährige Jana Schneider, die im SOS-Kinderdorf leben, fordern, dass bis mindestens 21 Uhr Busse fahren.

„Ich bin ein wandelnder Busfahrplan“, sagt Stefanie Gellner. Die 16-Jährige kann auswendig aufzählen, wann der Bus 260 von Schorndorf nach Oberberken fährt. Ihre Termine, Treffen und Erledigungen richtet sie nach dem Bus. Denn sonst kann es schnell passieren, dass sie über eine Stunde warten muss. Unter anderem am Mittag zwischen 13.50 und 15.20 Uhr fährt kein Bus von Schorndorf in den Stadtteil.

Mehr als von der Taktung am Mittag ist Stefanie Gellner empört über das Angebot am Wochenende. Am Samstag fährt der letzte Bus kurz vor 17 Uhr, freitags ist um 20 Uhr Schluss. Sich mit Freunden auch mal am Abend treffen, ist für sie nur möglich, wenn sie ausnahmsweise bei ihnen übernachten kann. Während andere Jugendliche ab und zu von ihren Eltern abgeholt werden, ist sie auf den Bus angewiesen, denn sie lebt im SOS-Kinderdorf. Die Betreuer dort hätten nicht die Kapazitäten, sie abends abzuholen. Die selbstbewusste Stefanie Gellner erzählt, dass auch die anderen Kinder und Jugendlichen aus dem Kinderdorf genervt von der Situation seien. Unterstützt wird sie unter anderem von der 13-jährigen Jana Schneider, die sich mit ihr an die Schorndorfer Nachrichten wandte.

„Denken die überhaupt nicht nach?“, fragt Stefanie Gellner in Richtung der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker. Sie kann den Zustand nicht nachvollziehen. Laut überlegt sie, wer eigentlich dafür verantwortlich ist: die Gemeinderäte oder sogar die Bundestagsabgeordneten?

Niemand fühlt sich für den Bus wirklich verantwortlich

Nicht nur die 16-Jährige weiß nicht so genau, wer für das Thema eigentlich zuständig ist. Auch in den Behörden ist man sich nicht einig in dieser Frage. Die Stadt Schorndorf verweist auf Anfrage an das Landratsamt Göppingen, da der Bus von Oberberken weiter dorthin fährt und das entsprechende Busunternehmen in der Stadt seinen Sitz hat. „Man muss jetzt mal aus den Puschen kommen“ meint Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht. Er macht den Landkreis Göppingen dafür verantwortlich, dass es nicht vorwärtsgeht. Nach Schlichten etwa fahre freitags um 21 Uhr noch ein Bus, dafür sei allerdings der Landkreis Esslingen zuständig, sagt er.

Wer ist überhaupt zuständig?

Im Landratsamt Göppingen verweisen die Verantwortlichen ebenso weiter. Grundsätzlich sei zwar der Landkreis Göppingen verantwortlich, doch wenn zusätzliche Busse, die für das Busunternehmen nicht wirtschaftlich sind, kommen sollen, dann müssten die Kosten vom Landkreis Rems-Murr und der Stadt Schorndorf mitgetragen werden. Offenbar haben alle ein Wörtchen mitzureden.

Auch Jörg Walter vom Fachbereich Öffentlicher Personennahverkehr beim Landratsamt Rems-Murr weiß von dem Problem: „Die Bereitschaft, ein zusätzliches Angebot zu schaffen, ist da“, erklärt er. Man führe in dieser Sache Verhandlungen mit dem Landkreis Göppingen und dem betreffenden Busunternehmen. Aber vor dem Spätsommer sei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen, erklärt er.

Eine Alternative zum Bus seien die Ruftaxis, die nur bei Bedarf fahren und bis zu einer Stunde vorher gerufen werden müssen. Nach Oberberken fahren sie aber derzeit ausschließlich samstags um 22.45 Uhr und um 0.45 Uhr. Ursprünglich seien zusätzliche Ruftaxis geplant gewesen. Doch die Angebote, die auf die Ausschreibung des Landkreises Göppingen hin kamen, hätten alle Beteiligten für zu teuer erachtet, erklärt Jörg Walter.

Jugendliche, die nachts durch den Wald nach Hause laufen

Stefanie Gellner würde gerne freitags ehrenamtlich im Jugendcafé Hotspot, das kürzlich eröffnet hat, helfen. Aber die Schichten dort gehen immer bis um 21 Uhr. „Da kann ich wegen der Busverbindung nicht mitmachen“, ärgert sie sich. In einzelne Teile der Stadt fahren später am Abend Busse. „Aber ausgerechnet dahin, wo man nicht so leicht zu Fuß gehen kann, fahren keine mehr“, ärgert sich Stefanie Gellner. Sie kenne Jugendliche, die nachts durch den Wald nach Hause laufen, wohlgemerkt über eine Stunde lang. Das erscheint ihr allerdings unvernünftig.

Unterstützung bekommen die beiden Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf von der Jugendinitiative Schorndorf (JiS). „Mobilität und ÖPNV ist eines der großen Themen, die uns bei der Jis beschäftigen“, sagt Jessica Unser. Die 19-Jährige unterstützt die Forderung der beiden nach Bussen, die bis mindestens 21 Uhr fahren, und nach Ruftaxis, die zusätzlich freitags fahren. Sie verweist darauf, dass es auch anders geht: „Nach Haubersbronn ist die Anbindung recht gut, dank Wieslauftalbahn.“ Sie fährt bis 1 Uhr nachts.

Auch Jessica Unser kann nicht nachvollziehen, was die Politik und Verwaltung sich bei solchen Planungen denkt, etwa hinsichtlich der klimatischen Folgen des vielen Autoverkehrs. „Einerseits versucht man, die Leute zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen, anderseits gibt es aber solche Fahrpläne.“


Mobilität ist Teilhabe

Ein Kommentar von Volontärin Lea Krug

Ein Bus, der auch am Abend noch fährt, sollte kein Luxus, sondern Teil der Grundversorgung eines Ortes sein. Denn wer kein eigenes Auto hat, ist sonst aufgeschmissen. Für die Mädchen aus Oberberken bedeutet der Busfahrplan im Alltag, dass sie vom sozialen Leben in der Stadt teilweise abgeschnitten werden. Anstatt sich der Mobilität vor Ort und damit der sozialen Teilhabe anzunehmen, schieben die Stadt Schorndorf und die Landkreise Rems-Murr und Göppingen die Verantwortung hin und her. Doch besonders bei dieser Problematik könnten die verantwortlichen Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerinnen zeigen, dass der ländliche Raum nicht nur ein nettes Thema für Sonntagsreden ist, sondern auch in der Realität eine Rolle spielt.

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