Schorndorf Pfusch am Bau im Oskar-Frech-Seebad

Schorndorf. Von „Pfusch am Bau“ hat niemand gesprochen. Aber genau das ist’s, was im Oskar-Frech-Seebad seit einiger Zeit zu begutachten ist: Fliesen in den Becken und im Bereich der Umgänge lösen sich an vielen Stellen und teilweise großflächig ab und durch den undichten Saunaboden tropft ständig Wasser in den Keller. Dauerhaft behoben werden können die Schäden nach Einschätzung der Stadtwerke nur durch eine Generalsanierung. Die ist mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt und würde die Schließung des Bades für etwa ein halbes Jahr erforderlich machen.

Gerade noch rechtzeitig, bevor am 17. März dieses Jahres die Gewährleistungsfrist des – angeblich insolventen – Fliesenlegers abgelaufen ist, haben die Stadtwerke als Betreiber des Oskar-Frech-Seebades beim Landgericht Stuttgart die Eröffnung eines Beweisverfahrens beantragt. Mittlerweile wurde ein Antrag auf Beschleunigung des Verfahrens nachgereicht. Zuvor waren, wie Stadtwerke-Chef Andreas Seufer jetzt im Gemeinderat erläuterte, verschiedene Versuche mit allen an diesem Teil der Baumaßnahme Oskar-Frech-Seebad Beteiligten – Ingenieurbüro, Fliesenleger, Fliesen- und Kleberhersteller – unternommen, Ursachenforschung zu betreiben und einvernehmlich eine Lösung der Probleme zu finden. „Keiner will’s gewesen sein“, fasste Seufer das Ergebnis dieser Besprechungen zusammen, als deren Ergebnis immerhin festgehalten ist, „dass die Hohlstellen und das Ablösen des Belages als Mängel zu bezeichnen und zu bewerten sind“. 

Ratsmeinungen

Darüber herrschte Einigkeit im Gemeinderat: dass die im Oskar-Frech-Seebad aufgetretenen Mängel keinem Versäumnis der Stadtwerke oder der Stadt geschuldet sind. Also müssen andere schuld sein, und weil da mehrere infrage kommen, ist die beim Gericht eingereichte Klageschrift so abgefasst, dass alle an den fraglichen Baumaßnahmen Beteiligten „mit im Boot“ sind.

Auseinander gingen die Meinungen im Gemeinderat darüber, ob auch, wie von Grünen-Fraktionschef Werner Neher angeregt, eine Sanierung in einzelnen Abschnitten und eine nur teilweise Schließung des Bades möglich und sinnvoll seien. Neher dachte bei diesem Vorschlag eigenem Bekunden zufolge vor allem auch an die im Bad beschäftigten rund 50 Mitarbeiter und an den Pächter des Restaurants.

Die Gegenposition vertrat CDU-Stadtrat Matthias Härer, der meinte, da die Attraktivität des Oskar-Frech-Seebads, an der sich bislang alle erfreut hätten, erhalten bleiben solle, müsse möglichst schnell und deshalb in einem Zug saniert werden. Eine Schließung über fünf oder sechs Monate sei auf jeden Fall besser, als ein Dreivierteljahr lang eine den Badegästen teilweise zugängliche Baustelle zu haben.

Ein eigenes Gutachten, um die richtigen Fragen stellen zu können

Dabei hat nach der Eröffnung des Bades im Jahr 2008 alles zwar sehr bald, aber noch vergleichsweise harmlos angefangen. Im Bereich der Beckenumgänge und im Erlebnisbecken wurden einzelne Fliesenablösungen registriert, die im Rahmen der jährlichen Revision im Juli 2010 repariert wurden. Als es bald danach erneut zu Fliesenablösungen kam und diese auch großflächiger auftraten, wurden erste Besprechungen anberaumt, zu denen als Sachverständiger seitens der Stadtwerke der Schornbacher Ortsvorsteher Markus Hoppe in seiner Eigenschaft als Bauplaner zugezogen wurde. Dass aus der Sauna Wasser in den Keller abläuft, wurde erstmals im Februar 2011 festgestellt. Ein Versuch, diesen Schaden durch eine komplette Erneuerung des Fußbodenbelags einschließlich der Abdichtung zu beheben, brachte nur kurzfristig Entwarnung. Das Fliesen-Fiasko hat die Stadt im September 2011 bewogen, einen eigenen Gutachter einzuschalten, der an 21 Stellen Bohrkerne entnommen hat, die an der Bauhaus-Universität in Weimar untersucht worden sind. Zu den seit kurzem vorliegenden Ergebnissen wollte Andreas Seufer im Gemeinderat zumindest öffentlich nichts sagen. Das Gutachten diene vor allem dazu, im Gerichtsverfahren die richtigen Fragen stellen zu können, sagte der Stadtwerke-Chef auf Frage von CDU-Stadträtin Sabine Becker-Rapp, die sich als erfahrene Juristin durchaus vorstellen kann, dass die Stadtwerke am Ende „ein tolles Urteil, aber kein Geld“ bekommen, weil beim Schuldigen nichts (mehr) zu holen ist. So weit will Andreas Seufer noch nicht denken, aber auch ihm ist klar, dass es passieren kann, dass die Stadtwerke im Falle einer Generalsanierung, die für die Sommermonate 2013 angedacht ist, in finanzielle Vorleistung treten müssen und dass möglicherweise auch auf Dauer finanziell etwas an den Stadtwerken „hängenbleibt“.

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