Schorndorf Poetry-Slam im Traumpalast

Voll in seinem Element: Der Sieger des Poetry-Slams Daniel Wagner. Foto: Büttner / ZVW

Schorndorf. „Brie – geil, Brie – geil“, ruft der ganze Kinosaal im Traumpalast. Was hier los ist? Der Auftritt von Daniel Wagner beim fünften Poetry-Slam in Schorndorf. Er trat mit einem Text über die „Patriotischen Käsefaschisten gegen die Salamisierung des Abendbrotes“ auf.
Nachdenkliche Texte über Freundschaft, lustige Texte über Online-Dating oder anstößige Texte über Weihnachten und das Rentier Rudolf – diese wilde Mischung ist das Besondere eines Poetry-Slams, sagt Johannes Elster, der diese und viele andere Slams in Südwestdeutschland organisiert und moderiert.

Dichter und Texter, die hier meist Slammer genannt werden, tragen Texte vor. Drei Regeln gibt es zu beachten: Es gibt ein Zeitlimit von sechs Minuten, die Künstlerinnen und Künstler dürfen keine Requisiten benutzen und die Texte müssen sie selbst geschrieben haben. Am Ende entscheidet der Applaus des Publikums darüber, wer gewinnt.

Daniel Wagner, der bereits Deutscher Vize-Meister und Baden-Württembergischer Meister im Poetry-Slam ist, überzeugt auch in Schorndorf das Publikum und gewinnt den Wettbewerb.

Nachdem Elster die Spielregeln erklärt hat, kann es losgehen. In der ersten Runde treten Lisa Heubach, Valerio Moser, Saskia Münch und Marvin Suckut gegeneinander an. Die beiden jungen Frauen, Lisa Heubach, die über Heimat spricht, und Saskia Münch, die als Studentin der Ernährungswissenschaftlerin über den Alltag mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen herzieht, scheiden in der ersten Runde aus.

Sie bekommen weniger Applaus als Valerio Moser, der in seinem Text die Vorzüge von Wasser präsentiert, und Marvin Suckut, der mit seiner lustigen Geschichte für besonders viele Lacher sorgt. Darauf folgt die zweite Runde, in der Kai Bosch, Daniel Wagner und Leonie Prévot auftreten. Prévot ist die einzige Künstlerin aus dem Rems-Murr-Kreis. Die 19-Jährige kommt aus Korb und geht in Waiblingen zur Schule. Vor ihrem Auftritt ist sie sehr aufgeregt, es ist ihr erster Poetry-Slam. Zur Unterstützung hat sie ihren Freund, eine Freundin und ihre Eltern mitgebracht. Sie trägt einen kurzen, nachdenklichen und gereimten Text vor, für den sie viel Applaus bekommt.

Auch Kai Bosch trägt gekonnt einen lustigen Text über seine Erfahrung mit der Dating-App Tinder vor und darüber, wie er sein Herz an „Carolin“ verlor. Sein Fazit jedoch nach seiner Online-Dating-Odyssee: „Tinte statt Tinder“.

Gegen den Profi Wagner können sich die beiden jedoch nicht durchsetzen. Er hat in seinem neuen bizarren Text die Themen Astronomie und männliche Vorhaut behandelt, das kommt beim Publikum gut an.

Der 34-jährige Heidelberger, der sich mit den Slams seinen Lebensunterhalt verdient, sagt, dass es „weniger um den Wettbewerb als um den Spaß bei der Sache“ geht. Viele der Künstlerinnen und Künstler kennen sich schon lange von diversen Veranstaltungen dieser Art und sind untereinander teils sehr gut befreundet, erzählt er. Ein hohes Preisgeld gibt es ohnehin nicht zu gewinnen, dem Gewinner wird eine Glückwunschkarte überreicht, die eine Frau im Publikum während der Show eigenhändig bemalt.

Das Finale startet mit einem politischen Mitmachtext von Wagner, bei dem die Zuschauer auf Handzeichen von ihm „geil“ rufen und in dem es um die „Patriotischen Käsefaschisten gegen die Salamisierung des Abendbrotes“ geht. Er nimmt Trump, Pegida und andere auf den Arm und beendet seinen Slam schließlich mit den Worten „Faschismus ist Käse!“. Auch dafür bekommt er viel Applaus und gewinnt schließlich gegen Marvin Suckut und den Schweizer Valerio Moser, die ebenfalls tolle Texte abliefern. Moser redet sich bei seinem Auftritt wahrhaft in Rage und schreit irgendwann nur noch „Kleinfamilie“ von der Bühne. Sein Text handelt von seiner erotischen Fantasie beim Anblick einer Frau, die er in der Uni-Bibliothek sieht.

Die Zukunft des Poetry-Slams in Schorndorf ist ungewiss

Zum Schluss richtet der Moderator Elster, der die Veranstaltung unterhaltsam begleitete und auch selbst für einige Lacher sorgte, ein paar ernste Worte an das vorwiegend junge Publikum. Die Zuschauerzahl hat seit dem ersten Slam, der im Dezember 2017 stattfand, massiv abgenommen.

Die Stimmung ist gut, obwohl an diesem Abend nur etwa 120 Personen in den Kinosaal, der bis zu 300 Plätze fasst, gekommen sind. „Das geht sich nicht aus“, sagt Elster. „Bringt nächstes Mal eure Freunde und Feinde mit“, fordert er das Publikum auf. Wenn die Zuschauerzahlen bei dem nächsten Slam ähnlich schlecht sein sollten, dann kann die Veranstaltung in Zukunft so wohl nicht mehr stattfinden.


Nächster Slam steht

Am Valentinstag, 14. Februar, um 20 Uhr findet im Traumpalast wieder ein Poetry-Slam statt.

Wer selbst gerne textet oder dichtet, kann beim Poetry-Slam auch selbst mitmachen und sich für die offene Liste über die Facebook-Gruppe „Poetry Slam Schorndorf“oder per Mail an elster.hannes@gmail.com anmelden.

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