Schorndorf Remsbrücke muss neu gebaut werden

Schorndorf. Wie alt die Remsbrücke bei der Wasenmühle ist, lässt sich nicht genau ermitteln. Älter als 75 Jahre auf jeden Fall. Es spielt auch keine große Rolle, denn Fakt ist, dass der Zahn der Zeit so sehr an ihr genagt hat, dass ein Neubau hermuss. Der kostet nach derzeitigem Stand rund 610 000 Euro brutto inklusive der Planung, die der Urbacher Gemeinderat jetzt vergeben hat.

Die Entscheidung fiel einstimmig. Das deshalb, weil die Begründung der Verwaltung, warum der Neubau unumgänglich ist, wohl schlüssig war. Bereits 2014 wurde die Brücke über die Rems bei der Wasenmühle bei der Bauwerksprüfung wie folgt bewertet: „Das Bauwerk ist in einem ungenügenden Zustand. Die Standsicherheit ist augenscheinlich noch gegeben, wird jedoch durch die Schäden an den Unterbauten, an den Längsträgern des Überbaus und den Brückenlagern beeinträchtigt. Die Verkehrssicherheit wird durch die nicht ausreichende Schrammbordhöhe und die mangelhaften Geländer im Böschungsbereich vor den Widerlagern beeinträchtigt. Die Dauerhaftigkeit ist durch Schäden langfristig nicht mehr gegeben. Die Fugenausbildung, insbesondere der Raumfugen, ist mangelhaft, wodurch es zu den massiven Folgeschäden an Unterbauten, Lagern und am Überbau kommt. Die Betonüberdeckung am Überbau ist ungenügend, die Tragbewehrung liegt größtenteils im karbonisierten Bereich und ist korrodiert. Im Bereich der Schadstellen zeigt die Tragbewehrung starke Korrosion mit Blattrostbildung und signifikanter Querschnittsschwächung.“

Was sind die Ursachen für den schlechten Zustand?

Maßgeblich für den schlechten Bauwerkzustand ist die fehlende Entwässerung in Verbindung mit schadhaften Fugen, Übergangskonstruktionen und Belägen. Durch diese Fehlstellen konnten Wasser und Chloride über Jahrzehnte ungehindert in die Konstruktion eindringen. Weiter verursachte eine vor vielen Jahren aufgebrachte Beschichtung, dass das eingedrungene Wasser in der Konstruktion zurückgehalten wurde und nicht austrocknen konnte.

Hindernis bei Hochwasser der Rems

Das Urbacher Ortsbauamt mit Leiter Markus Baumeister an der Spitze empfiehlt einen Ersatzneubau wegen des Ablaufs der wirtschaftlichen Nutzungsdauer und Tragfähigkeitsverlust. Außerdem liege eine Gewichtsbeschränkung von sechs Tonnen vor und die Brücke sei ein Hindernis im Abflussquerschnitt bei Hochwasserfall der Rems (dies ist in der Hochwassergefahrenkarte ebenfalls verzeichnet). In der mittelfristigen Planung der Haushaltsplanung wurden für das Jahr 2018 insgesamt 550 000 Euro für den Ersatz vorgesehen.

Abflussquerschnitt der Rems darf nicht eingeengt werden

Der Gemeindeverwaltung lag ein Honorarangebot des Ingenieurbüros für Bauwesen und Umwelttechnik GmbH Klinger und Partner – Niederlassung Urbach vor. Dieses Büro hat die Bauwerksprüfungen der Brücken für Urbach durchgeführt. Es ist ein Ersatz der Dreifeldbrücke als Einfeldbrücke vorgesehen, um den Abflussquerschnitt der Rems nicht einzuengen. Weiter wird empfohlen, die nutzbare Breite zwischen den Schrammborden auf 3,50 Meter aufzuweiten (derzeit drei Meter). Das ist der Mindestwert für einstreifige Wirtschaftswegbrücken. Für den Brückenneubau werden auf Grundlage von vergleichbaren Bauwerken Baukosten von 535 000 Euro brutto angesetzt. In diesem Betrag sind der Abbruch der alten Brücke und die Anpassungsarbeiten enthalten.

Gesamtmaßnahme kostet insgesamt 607 000 Euro brutto

Das Honorarangebot enthält die Leistungen der Objektplanung Ingenieurbauwerke und die Leistungen der Tragwerksplanung. Die Honorierung nach HOAI ist nach der Honorarzone III einzuordnen. Daraus ergibt sich ein Honoraranspruch für die Maßnahme von etwa 72 000 Euro brutto für die Gesamtmaßnahme, die dann also insgesamt 607 000 Euro brutto kostet.

Verwaltung: Jetzt planen, damit 2018 ausgeschrieben werden kann

Die Planungen sollten nach Ansicht der Urbacher Verwaltung jetzt angegangen werden, da für die Brücke noch eine wasserrechtliche Genehmigung notwendig wird, damit die Arbeiten rechtzeitig im Jahr 2018 ausgeschrieben werden können.

Es wird vorgeschlagen, die Ingenieurleistungen stufenweise, vorerst bis zur Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung) zu beauftragen. Dem folgte der Urbacher Gemeinderat ohne Aussprache.


Sprengung versucht

1945 wurde versucht, die Brücke zu sprengen. Die Schäden wurden 1947 soweit möglich behoben, jedoch wird aufgrund der versuchten Sprengung und der vorgenommenen Reparatur eine Überlastung des Mittelpfeilers in früheren Bauwerksprüfungen als Schadensursache angenommen. Die Schäden an der Brücke sind nach Angaben des Urbacher Ortsbauamtes „sehr zahlreich und eine Reparatur ist nicht wirtschaftlich beziehungsweise nicht mehr nach dem Stand der Regeln der Technik durchführbar“.

  • Bewertung
    5
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!