Schorndorf Remshaldener wegen Geldwäsche verurteilt

Der 39-Jährige hat das Geld an einem Geldautomaten in Weinstadt abgehoben, Symbolbild. Foto: Gaby Schneider

Schorndorf. Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ist ein Mann aus Remshalden verurteilt worden. Der Vorwurf: Er habe über 20 000 Euro aus illegaler Herkunft über sein Girokonto fließen lassen und an einen Bekannten in bar wieder ausgezahlt. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, nichts von den Hintergründen des Geldes gewusst zu haben.

Die angeblich günstigen Flugtickets in den Kosovo entpuppten sich für die Käuferinnen und Käufer als betrügerische Masche. Sie hatten über einen Messenger-Dienst die Flüge angeboten bekommen und Geld auf das Konto des Mannes überwiesen, der sich an diesem Tag dem Vorwurf der Geldwäsche stellen muste. Die Tickets haben sie nie bekommen.

Der angeklagte 39-Jährige will nicht gewusst haben, dass es sich um illegal erlangtes Geld handelte. Der Bekannte habe ihn gebeten, eine Transaktion über sein Konto machen zu können, der Remshaldener willigte ein. Dass es nachher nicht nur eine, sondern mehrere Überweisungen waren, sei ebenfalls nicht abgesprochen gewesen. Den Namen des Bekannten wollte er trotzdem vor Gericht aber nicht nennen.

Vor Gericht sagte der Anwalt des Angeklagten für ihn aus

Wegen Geldwäsche wurde der 39-Jährige vor dem Amtsgericht verurteilt. Er muss den Geschädigten das Geld zurückzahlen, bekam eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro auferlegt und eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Vor Gericht sagte der Angeklagte, der als Lagerarbeiter tätig ist, nicht aus. Sein Anwalt schilderte für ihn die Geschehnisse. Lediglich über seine Person machte er Angaben.

Sowohl die Geschädigten als auch der Angeklagte und offenbar auch dessen Bekannter haben ihre Wurzeln im Kosovo. Der derzeit in Remshalden Wohnende wurde 1980 dort geboren, hat aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Als Vierjähriger sei er nach Deutschland gekommen. Vor Gericht sprach er kurz über seine schwere Kindheit: Seine Mutter habe immer wieder vor seinem Vater ins Frauenhaus fliehen müssen, er habe als Jugendlicher zeitweise in einem Heim gelebt.

Der 39-Jährige hätte wissen müssen, dass er sich strafbar macht

Er habe für die Transaktionen kein Geld bekommen, so der Anwalt des Mannes. Später habe der Bekannte ihm Geld angeboten, das der Angeklagte nach eigenen Angaben jedoch ablehnte.

In seinem Plädoyer erklärte der Anwalt, dass es in den Kreisen des Angeklagten nicht unüblich sei, sich auf diese Art und Weise zu vertrauen.

Während der Anwalt das Verhalten seines Mandanten verteidigte, erklärte der Staatsanwalt, dass der 39-Jährige hätte wissen müssen, sich auf diese Weise strafbar zu machen, schließlich sei dieser bereits „justizerfahren“.

Der Angeklagte ist bereits mehrfach vorbestraft

Tatsächlich hat sich der Mann in den vergangenen Jahren einiges zuschulden kommen lassen. Unter anderem wegen Diebstahl, Drogenhandel, Hehlerei, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt wurde er verurteilt. Bereits in den 1990er Jahren hatte er mehrere Straftaten verübt.

Die Kriminalpolizei war im Sommer 2018 einer Verdachtsmeldung einer Bank nachgegangen. Sie hatte auffällige Überweisungen an die Behörden gemeldet. Schließlich durchsuchten die Polizeibeamten die Wohnung des Angeklagten, wo sie in einer Küchenschublade einen Schlagring fanden, wie ein Polizist vor Gericht aussagte. Deshalb wurde der Mann außerdem wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt und verurteilt. Unterlagen, die als Beweis in Sachen Geldwäsche hätten herangezogen werden können, wurden bei dem Angeklagten allerdings keine gefunden.

Richterin begründete ihr Urteil auch mit der Liste an Vorstrafen

Die Staatsanwaltschaft beantragte in dem Verfahren eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Anwalt hingegen argumentierte, die Richterin solle von einer Freiheitsstrafe absehen, schließlich habe der Angeklagte nicht gewusst, woher das Geld stammte. Außerdem habe er zu dem Zeitpunkt der Geldwäsche andere Sorgen gehabt. Kurz vor den Überweisungen sei seine Lebensgefährtin vergewaltigt worden.

Trotzdem schloss sich die Richterin Doris Greiner der Argumentation des Staatsanwaltes an. Es hätte sich ihm aufdrängen müssen, dass mit dem Geld etwas nicht stimme. Außerdem hätte der Angeklagte die Chance gehabt, nach den ersten Bewegungen auf seinem Konto zu reagieren. Auch mit der Liste an Vorstrafen begründete sie ihr Urteil.

Neben der Strafe muss der Remshaldener die Prozesskosten tragen

Für sie und die beiden anwesenden Schöffen sei es am schwierigsten gewesen, zu entscheiden, ob die Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird oder nicht, erklärte sie. Da das letzte Vergehen des Angeklagten bereits vier Jahre zurückliegt, entschied das Gericht, die Strafe auf Bewährung auszusetzen.

Mahnend blickte Richterin Greiner den Mann während der Urteilsverkündung an. Neben der Strafe muss der Remshaldener die Prozesskosten tragen. Eine Woche hat er Zeit, um Einspruch gegen das Urteil einzulegen.

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