Schorndorf Schon wieder S-Bahn-Chaos

Schon wieder S-Bahn-Chaos. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Quod erat demonstrandum: Es war, als wollte die DB den Beweis liefern, dass der Verkehrsclub Deutschland recht hat mit seiner Kritik – der VCD hatte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärt, das S-Bahn-System gehe regelmäßig während der Hauptverkehrszeit in die Knie, und am Donnerstagabend und gestern früh geschah mal wieder genau das.

Die S-Bahn ist pünktlich – aber nur außerhalb der morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeit. Immer wenn sie am nötigsten gebraucht wird und am meisten Leute unterwegs sind, nämlich zwischen 6 und 9 Uhr und zwischen 16 und 19 Uhr, ist sie am wenigsten verlässlich. Das hat der VCD am Mittwoch erklärt – und tags darauf geschah dies:

Donnerstag, abendliche Hauptverkehrszeit: Signalstörung im Hauptbahnhof (tief). Um 19.30 Uhr meldete die Bahn, dass das Problem behoben sei, aber da war die Katze schon den Baum rauf. Gegen 19 Uhr war fast die Hälfte aller S-Bahnen, die sich im Netz tummelten, mehr als sechs Minuten hintendran. Auf der Schorndorfer S2-Strecke fielen zwei Züge ganz aus, andere gerieten in Verzug. Krassester Fall: Ankunft in Stuttgart um 14 Minuten verspätet. Auf der Backnanger S3-Strecke sah es ähnlich aus – Rekord: 16 Minuten Verzug.

Gestern um 7.41 Uhr kam es am Knotenpunkt Schwabstraße zur nächsten Signalstörung. Zwar war der Schaden um 8.22 Uhr behoben – das System aber lag schon wieder darnieder. Erneut Verspätungen. Erneut Zugausfälle. Alle Linien waren betroffen. Krassester Fall auf der Schorndorfer S2-Linie: Ankunft in Stuttgart um 22 Minuten verspätet. Krassester Fall auf der Backnanger S3: Ankunft in Stuttgart um 22 Minuten verspätet.

Entsprechend drastisch fielen die Kommentare auf Twitter und in den sozialen Netzwerken aus – stellvertretend nur ein Spruch: „Kann doch nicht sein, dass jeden zweiten Tag das Signal an der Schwabstraße verreckt! Deutsche Bahn, gebt euch beim Pfuschen mehr Mühe!“

Wir haben auf www.zvw.de am Donnerstag abends, Freitag früh und auch Freitagabends aktuell berichtet – ein Leser schrieb: „Bei der S-Bahn Stuttgart gehört die ganze Technik runderneuert. Wann werden endlich die ganzen Signal-, Weichen-, Fahrzeug-, Tür-, Oberleitungs- und Stellwerkstörungen beseitigt?“

Auch der Verkehrsclub Deutschland hat am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz betont, ein Hauptproblem sei die vernachlässigte Infrastruktur. Unbestreitbar, es gibt auch Suizidfälle, Jugendliche, die unbedacht auf dem Gleis rumturnen, Notarzteinsätze, weil jemandem schlecht geworden ist, oder Verzögerungen schlicht deshalb, weil im auf Kante genähten Takt die Leute nicht eilig genug ein- und aussteigen. Aber all das zusammen ist bestenfalls die halbe Wahrheit.

Auf der Seite s-bahn-chaos.de läuft ein Tickerband mit Twittermeldungen – ein interessantes Dokument: S-Bahn-Kunden teilen hier mit, wenn sie auf dem Bahnhof via Durchsage erfahren, woran es gerade wieder klemmt. Die Auskünfte dort sind bestimmt nicht vollständig - aber auch so ergeben sie ein beeindruckendes Bild. Montag, 3. Februar: Technische Störung an der Strecke Uni-Hauptbahnhof, Signalstörung im Bereich Hauptbahnhof-Schwabstraße. Sonntag, 2. Februar: Technische Störung an einem Zug auf der Linie S1. Samstag, 1. Februar: Signalstörung im Bereich der S60, technische Störung an einem Zug der Linie S6, technische Störung an einem Zug der Linie S1. Freitag, 31. Januar: Signalstörungen und technische Störung an einem Zug. Donnerstag, 30. Januar: Weichenstörung in Korntal, Signalstörung in Stuttgart Nord, technische Störung an einem Zug. Mittwoch, 29. Januar: Technische Störungen an mehreren Zügen.

Zum Abschluss ein kurzer Erfahrungsbericht eines freien Mitarbeiters dieser Zeitung: Er wollte die S2 um 9.48 Uhr von Schorndorf nach Waiblingen kriegen. Sie fiel aber aus. Er fuhr mit dem Regionalexpress um 10.14 Uhr und musste damit 26 Minuten Verspätung fressen. Nichts davon taucht in der offiziellen Pünktlichkeitsstatistik der Bahn auf – komplett gestrichene Züge werden dort nicht eingepflegt.

Aufwachen, aktiv werden! Es kommentiert Peter Schwarz

Sehr geehrter Herr Landrat, geschätzte Ober- und Normal-Bürgermeister von Schorndorf bis Waiblingen, hochlöbliche Regionalparlamentarier aller Parteien aus dem Rems-Murr-Kreis, werte Landtagsabgeordnete aus dem Verbreitungsgebiet dieser Zeitung: Der VCD hat in einer Pressekonferenz am Mittwoch schlagend dargelegt, dass die Zustände auf der S-2-Linie während den Hauptverkehrszeiten nicht mehr hinnehmbar sind. Die Bahn hat darauf wenigstens durch die Blume geantwortet: Sie hat am Donnerstag und gestern anschaulich demonstriert, wie recht der VCD hat. Jetzt sollten auch Sie sich regen – es ist Ihre Aufgabe, verdammt noch mal Druck auf allen Ebenen zu machen, dass es so nicht weitergeht.
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