Schorndorf-Schornbach Zu Besuch in Madeleines Tiny House

Madeleine Krenzlin mit ihrem Vater vor dem Tiny House. Am Tiny House rechts ist ein Solarluftkollektor angebracht. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf-Schornbach. Bei steigenden Mietpreisen denken immer mehr Menschen darüber nach, ihren Wohnraum zu verkleinern. Eine Lösungsmöglichkeit: ein sogenanntes Tiny House, das auf einem Anhänger errichtet wird. Madeleine Krenzlin hat ein solches gebaut und berät Menschen, die ihre Zukunft in einem solchen Haus verbringen wollen.

Auf 18 Quadratmetern gibt es hier alles Erdenkliche: ein Bett, Dusche, Toilette, Küche, einen großen Essbereich, eine Leinwand zum Fernsehen und einen Schreibtisch. Madeleine Krenzlin hat ein kleines Raumwunder vollbracht. In dem kleinen Häuschen, das auf Rädern steht, hat sie zwei Ebenen aus Holz eingezogen. Unten sind Bad und Küche, darüber befindet sich auf der einen Seite das Bett, auf der anderen ein Bereich, wo Krenzlin ihren Arbeitsplatz hat. Mit den Ebenen kommt sie auf eine Wohnfläche von 25 Quadratmetern.


Wir haben Madeleine Krenzlin beim Bau ihres Tiny House begleitet - alle Folgen unserer Serie finden Sie hier


„Ein Tiny House erfordert kreative Lösungen“, erklärt sie. Man müsse sich darüber klar sein, was einem in einer Wohnung am wichtigsten sei. Die 36-Jährige etwa lädt gerne Freunde zum Essen ein, sie habe deshalb eine große Küche und einen großen Esstisch eingebaut.

Wer beispielsweise immer seine Lieblingsbücher bei sich haben will, der müsse eben ein großes Bücherregal einbauen. Je nach Vorlieben müssen die Häuslebauer ein Tiny House entsprechend anpassen. Alles, was die Bewohner nicht wirklich brauchen, dürfe nicht rein.

Tiny Houses gibt es ab 60 000 Euro zu kaufen

Doch ein Tiny House baut sich nicht von selbst und ist nicht umsonst. Krenzlin hat Materialien im Wert von 40 000 Euro verbaut, nicht mitgerechnet die vielen Arbeitsstunden. Fertig gebaute Häuser bekomme man ab etwa 60 000 Euro. Nach oben gibt es viel Spielraum, je nach Größe.

Eingerahmt steht an der Wand: „Today is a perfect Day to start living your Dreams“ (Heute ist der perfekte Tag, um damit zu beginnen, deine Träume zu leben). Ein Spruch, der zu Madeleine Krenzlin passt. Früher sei ein großer Teil ihres Gehaltes für die Miete draufgegangen. Das wollte sie so nicht mehr mitmachen. Sie kündigte ihren Job, machte sich selbstständig und begann im Februar 2018 mit dem Bau ihres eigenen Tiny House. In Haubersbronn hatte sie dafür eine Werkstatt gemietet. Im Moment steht es auf dem Grundstück ihres Vaters, einem ehemaligen Bauernhof.

Die 36-Jährige wohnt nicht dauerhaft im Tiny House. Sie nutzt es derzeit hauptsächlich für ihre Kundenberatungen. Ab und zu schlafe sie allerdings darin. In den nächsten Tagen will sie das mobile Haus in ein Dorf bei Bonn bringen, dort hat sie ein Grundstück gepachtet, wo es dauerhaft stehen kann.

Wer beim Tiny House an einen Wohnwagen denkt, liegt falsch

Die 36-Jährige will in Zukunft zwischen Schornbach und dem Dorf in der Nähe von Bonn pendeln. Sie habe vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg viele Kunden, die in Zukunft in einem solchen Haus wohnen wollen. Das ist kein Zufall, schließlich sei es vor allem in vielen Städten in diesen Bundesländern schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Große Unterschiede gibt es beim Transport solcher mobilen Häuser: Kleinere Tiny Houses werden auf einen Pkw-Anhänger gebaut, größere, wie das von Madeleine Krenzlin müssen von einem Lkw oder Traktor gezogen werden.

Wer bei einem Tiny House an einen Wohnwagen denkt, liegt falsch. Denn auch im Winter lasse es sich darin gut aushalten. Madeleine Krenzlin hat eine normale Zentralheizung und sogar eine Fußbodenheizung. Unter dem Boden ist die Anlage versteckt, die mit Campinggas oder Strom läuft. Darüber hinaus hat sie einen sogenannten Solarluftkollektor, der warme frische Luft nach innen pustet. Dieser braucht keinen zusätzlichen Strom, an der Wand des kleinen Häuschens ist ein Solarkollektor angebracht. Wie bei einem normalen Haus gibt es einen Zu- und Abwasserschlauch, der an die Kanalisation angeschlossen wird.

Statt Wasser kommen Sägespäne in Madeleines Toilette

Beim Bau ihres Tiny House verfolgte Krenzlin das Ziel, das ganze Projekt möglichst ökologisch umzusetzen. So verwendete sie Schafwolle zum Dämmen, Lehmfarbe für den Innenraum, und auf dem Dach brachte sie eine Fotovoltaikanlage an.

Außerdem hat sie eine sogenannte Trockentrenntoilette eingebaut. Sie hat keine klassische Spülung, stattdessen werden Sägespäne zu den Ausscheidungen gegeben. Der Urin läuft durch einen Schlauch ab.

Besonders schwierig sei es, ein geeignetes Grundstück für das Haus auf Rädern zu finden. Sie rät ihren Kunden, ein Baugrundstück zu pachten. „Leere Baugrundstücke gibt es überall, auch im Remstal“, sagt Madeleine Krenzlin. Auch die Eigentümer dieser Flächen könnten von Zusatzeinnahmen profitieren. Sie sieht darin eine optimale Lösung für Gemeinden, Grundstücksbesitzer und Menschen, die günstigen Wohnraum suchen. „Das ist eine Win-win-win-Situation“, meint sie.

  • Bewertung
    29

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!