Schorndorf Schorndorfer restauriert mit Leidenschaft Oldtimer

Alwin Fuchslocher hat sich für seine Leidenschaft, alte Autos zu restaurieren, eine 30-Quadratmeter-Werkstatt im Schock-Areal angemietet. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Bei der Mercedes-W113-Pagode, Baujahr 1965, strahlt der rote Lack mit den Chromteilen um die Wette, der Unterboden ist blitzblank, die Sitze sind aus feinstem Leder und das Fahrgefühl – einfach unvergleichbar. Eine schönere Freizeitbeschäftigung, als alte Autos wieder zum Laufen und zum Strahlen zu bringen, kann sich Alwin Fuchslocher nicht vorstellen.

Seit bald 36 Jahren arbeitet er bei Daimler und sitzt mittlerweile als Techniker in der Entwicklung die meiste Zeit im Büro. Doch seine freie Zeit verbringt er am liebsten beim Schrauben in seiner kleinen Werkstatt im Schock-Areal, wo immer ein Oldtimer auf der Hebebühne bereitsteht.

Zwei Dutzend alte Autos hat er bestimmt schon restauriert – seit der ersten Mercedes- S-Klasse mit Heckflosse aus dem Jahr 1962, die er zusammen mit seinem Bruder für 150 D-Mark als Schrottauto gekauft und ein Jahr lang auf Vordermann gebracht hat. Als Anfänger. Damals war Fuchslocher 17 Jahre alt, ging bei Ford in die Kfz-Mechaniker-Lehre und hatte als blutjunger Oldtimer-Besitzer vor allem dieses Problem: War er dran, den Riesentank zu befüllen, wurde das Geld knapp. Später wechselte er beruflich erst nach Sindelfingen und dann nach Untertürkheim, Mercedes-Oldtimer restauriert er – auch, weil er bequem an alle Daten kommt – immer noch mit Vorliebe.

Doch nicht nur: Einen VW Käfer, Baujahr 1971, der im Röhm-Areal vor sich hinrostete, hat Fuchslocher in ein schmuckes Hochzeitsauto verwandelt.

Im Hochglanzformat sind aus seiner Werkstatt außerdem schon ein NSU-Sportprinz-Coupé, Baujahr 1958, gerollt und ein Ford-Taunus-Transit aus dem Jahr 1963, der erst vom Feuerwehrauto zum Pkw aufgestiegen ist, dann fast 30 Jahre lang in einer Garage Rost ansetzte und heute in schönstem Blau-Weiß strahlt. In bester Erinnerung ist Alwin Fuchslocher natürlich auch der 124 Fiat Spider Cabrio, den er im Jahr 1988 als Hochzeitsgeschenk für seine Frau von einem Schrottplatz aus den USA hat kommen lassen, restaurierte, irgendwann dann doch weiterverkaufte – und zur Silberhochzeit noch einmal organisieren konnte, für eine Fahrt an die Mosel. Nur mit der BMW-Isetta, die er vor Jahren für einen Kunden restauriert hat, lief’s nicht ganz glatt: Mit seinen langen Beinen war eine Probefahrt einfach nicht drin.

Fürs ganze Jahr ausgelastet – auch ohne Werbung und Internetauftritt

Oldtimer sind Alwin Fuchslochers große Leidenschaft – und auch ein Mittel, um das kostspielige Schrauberhobby zu finanzieren. Als er nach der Familienpause, dem Hausbau und der Weiterbildung zum Maschinenbautechniker wieder mehr freie Zeit hatte, meldete er sich zu seinen ersten Oldtimer-Kursen an.

Heute macht der Mittfünfziger – mit viel Erfahrung und dem Können aus der Mechanikerlehre – alles, von der Karosserie über Motor- und Schweißarbeiten, nur beim Lack und den Sattlerarbeiten lässt er sich helfen. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen: Der Hobbyschrauber macht keine Werbung und verzichtet auf einen Internetauftritt, seine Kunden finden trotzdem zu ihm. „Ich bin fürs ganze Jahr ausgelastet“, sagt Fuchslocher und könnte noch deutlich mehr Aufträge annehmen, wenn er eine Werkstatt mit drei Hebebühnen und eine große Lagerhalle hätte. Doch bisher war die Suche nach einem Bauplatz in Schorndorf und Urbach erfolglos.

Andernfalls könnte auch der Sohn, der sich ebenfalls auf Oldtimer spezialisiert hat, einsteigen: G’schäft, ist sich Fuchslocher sicher, hätte er genug. Doch so, wie’s jetzt ist, mit der 30-Quadratmeter-Werkstatt, der einen Hebebühne und mehreren übers Stadtgebiet verstreuten Mietgaragen, lohnt sich’s nicht. Also schraubt er weiterhin, nach den Neun-Stunden-Tagen bei Daimler, nebenberuflich an alten Autos rum – und bleibt erfinderisch. Für den Fall, dass die Hebebühne belegt ist, hat er sich eine kleine Ausweich-Werkstatt eingerichtet: Zuletzt ist ein alter VW Käfer, Baujahr 1960, mit dem Lastenaufzug in die Tiefen des Schock-Areals gelangt. Und dort, auf einem gelb umrandeten Lagerplatz im Kellergeschoss, wird er gerade zum Schmuckstück in Himmelblau.

Jugendtraum: Ford Mustang Cabrio oder ein Chrysler-Pick-up

Und die nächste Herausforderung wartet schon darauf, auf die Hebebühne zu kommen: In Finnland hat Fuchslocher einen 190er-SL-Mercedes aus dem Jahr 1957 gekauft, der in 30 Kartons verpackt nach Schorndorf kam. Allerdings nur zur Hälfte, der Rest der Autoteile fehlt.

„Ein Jugendtraum“ ist für ihn auch ein Ford Mustang Cabriolet. Liebend gern würde er – zwar mit Gewissensbissen – mit dem spritfressenden Amischlitten durch die Gegend fahren. Oder „mit einem schönen alten Chrysler-Pick-up“. Dabei wären die Benziner nicht mal vom Fahrverbot betroffen. Doch keine Sorge, Fuchslocher ist auch klar: Um täglich nach Stuttgart zu fahren, dafür braucht er keinen Oldtimer.

Mit alten Autos fährt er sowieso am liebsten mit offenem Verdeck durch schöne Landschaften – an den Gardasee oder bei nächster Gelegenheit an den Tegernsee. Mehr als 3000 Kilometer im Jahr kommen da nicht zusammen. Im Alltag tut’s ein unspektakuläreres Gefährt: eine Mercedes-C-Klasse.

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