Schorndorf Schorndorferin stellt Seifen aus Kamelmilch her

Elina Leonard ist mit ihren Kamelmilchprodukten in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt zu finden. Aktuell verpackt sie noch ihre Schätze aus Kamelmilch. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf.
Elina Leonard ist aufs Kamel gekommen. Schon im Studium fing’s an mit ihrem Interesse an den Wiederkäuern aus dem Orient. In einer Projektgruppe erarbeitete sie zusammen mit anderen Studenten, wie nützlich die Wüstenschiffe in jeglicher Hinsicht sind: Sie geben Milch, ihre Haare lassen sich zu Wolle verarbeiten, ihr Fleisch schmeckt und sie sind extrem genügsam. Selbst dornige Büsche schmecken den Riesen in der Wüste. Temperaturen zwischen minus 30 und plus 40 Grad sind für sie kein Problem. Sie kommen zwei Wochen ohne Wasser aus und geben so lange noch immer Milch. Die Erderwärmung aufgrund des Klimawandels stecken sie besser weg als andere Tiere, und ihr Lebensraum verbreitert sich aufgrund der zunehmenden Trockenheit ohnehin. Warum also nicht die eigene geschäftliche Zukunft auf den widerstandsfähigen Tieren aufbauen? „Kamele gewinnen mehr und mehr an Beliebtheit“, weiß die junge Frau.

Von der Geschenkidee zur Geschäftsidee

Was ihre Kommilitonen in Hohenheim damals als Luftschloss abtaten, hat Elina Leonard vor zwei Jahren in die Realität umgesetzt: Aus Kamelmilch stellt sie seither Seife her. Lange hat sie in der heimischen Küche getüftelt und experimentiert. Sie schenkte ihren begeisterten Freunden wieder und wieder Seifen, bis diese schließlich auch abseits von Geburtstagen und Weihnachten nach den duftenden Waschstücken fragten. Die Absolventin der Bioökonomie an der Uni Hohenheim konnte ihre ersten Seifen verkaufen. Schließlich gaben Freunde der Freunde Sammelbestellungen auf, es entwickelte sich ein kleiner, feiner Nebenerwerb. Die Schorndorferin professionalisierte sich immer mehr, gab ihrem kleinen Unternehmen den Namen „KAMELina“, entwickelte Banderolen, erstellte eine Webseite. Seit vier Monaten läuft der Laden so richtig.

Die Kamelmilch bezieht sie aktuell von holländischen Kamelfarmen. Die Frischmilch wird in Tiefkühlcontainern geliefert. Deutsche Kamelzüchter dürfen ihre Milch aktuell nicht mit der Post verschicken. Leonards Traum wären deshalb eigene Kamele. Allerdings, die passende Farm dazu bräuchte es auch. Immerhin, die gelieferte Milch funktioniert in der Verarbeitung bestens. Vermengt mit Ölen und Lauge in Lebensmittelqualität sowie Wasser entstehen Seifen, die der Haut richtig guttun. Der Milch wird antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung zugesprochen. Gerade Menschen mit juckender oder problematischer Haut könnten von der besonderen Seife profitieren. Der hohe Fettanteil pflegt die Haut zusätzlich. Im Gegensatz zu Flüssigseife aus Plastikflaschen sind in der Kamelseife keine Tenside, sondern ausschließlich natürliche Stoffe enthalten. Außerdem rührt Elina Leonard je nach Sorte Ringelblumenblüten, Lavendelblüten, Zitronengras und vieles mehr hinein.

Zum ersten Mal ein Stand auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt

Wer bei der Seifensiederin unten ins Haus hereinkommt, muss unweigerlich vor sich hinschnuppern. Es duftet nämlich ganz außerordentlich fein hinter der schweren Holzeingangstür. Im Keller lagern in den Regalen Seifenstücke um Seifenstücke. In den vergangenen Wochen ist die Schorndorferin in Massenproduktion gegangen. Schließlich ist sie ab Samstag das erste Mal auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt mit am Start. Wie ihre Stimmung aktuell ist? „Aufgeregt, total aufgeregt“, erklärt sie freudestrahlend. Sie kann es kaum erwarten, an ihrem Stand mit der Kundschaft ins Gespräch zu kommen. Bisher war sie nur auf kleineren eintägigen Märkten, jetzt sind’s drei Wochen am Stück. Eine Herausforderung – eine spannende.


Kamelmilch – cremig und recht salzig

Elina Leonard verkauft an ihrem Stand auch pasteurisierte Kamelmilch in umweltfreundlichen Dosen. Die Milch schmeckt der Ziegenmilch ähnlich, allerdings cremiger und salziger. Menschen mit Laktoseintoleranz können sie problemlos trinken. Zudem wird ihr eine positive Wirkung auf den Magen-/Darmtrakt nachgesagt.

Trinkschokolade hat die Schorndorferin außerdem hergestellt. Sie kann in warmer Kuh- oder Kamelmilch aufgelöst und getrunken werden.

Und weil sie außerdem gut und gerne strickt, gibt’s an ihrem Stand auch Mützen, Stirnbänder, Pulswärmer und Schals.

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