Schorndorf SchoWo: Gelöste Stimmung im Jubiläumsjahr

Schorndorf. SchoWo, das bedeutet – in diesem Jubiläumsjahr – nicht nur sechs Tage Partystimmung. Im großen Stadtfest steckt auch eine Menge Arbeit und Organisationsaufwand. Jürgen Dobler, Sprecher der Vereinsgemeinschaft (VG), ist an den Festtagen ständig unterwegs und regelmäßig in der Sicherheitszentrale im Rathaus. Er hat vor allem die Lautstärke auf den Plätzen im Blick – und stellt am Samstagabend fest: Die Entscheidung, Cassandra & the Boyz auf dem Marktplatz spielen zu lassen, war genau richtig.

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Fünf Jahre lang haben Cassandra & the Boyz den Marktplatz am Sonntagabend auf der SchoWo gerockt. Der Schorndorfer Band im Jubiläumsjahr die Marktplatzbühne am Samstag zu überlassen, darin sieht Jürgen Dobler nicht nur ein Privileg und eine Ehre für die Musiker, es ist seine Art, „sich vor der einzigen Schorndorfer Band zu verneigen“. Und mögen die Musiker auf der Mega-Bühne, die zur Gartenschaueröffnung im Mai schon einmal vor dem Rathaus aufgebaut war und für die Lichtshow des Pink-Floyd-Reloaded-Konzerts am Donnerstagabend gebraucht wird, anfangs etwas verloren gewirkt haben, von halb acht bis zum Zapfenstreich um Mitternacht haben Cassandra Acker und ihre Boyz den Marktplatz mit bestem Rock, Pop und Blues zum Schwingen gebracht. Die „Luxus-Band“, die in den Vorjahren aggressiver für Stimmung und einen proppenvollen Marktplatz gesorgt hat, mag für manchen gewaltiger rübergekommen sein. Für eine gelöste Stimmung, darin ist sich Dobler mit Philip Werner vom SOW-Sicherheitsdienst einig, war die Entscheidung aber genau richtig.

Sicherheitszentrale: Aufregung um eine vermisste Sechsjährige

Und tatsächlich kann am Ende des zweiten SchoWo-Tages ein entspanntes Fazit gezogen werden. Auseinandersetzungen gab es nicht. Einzig ein sechsjähriges Mädchen, das von 22.16 bis 22.23 Uhr von ihren Eltern vermisst war, hat für Aufregung gesorgt. Werner, der in der im großen Sitzungssaal im Rathaus eingerichteten Sicherheitszentrale sitzt, hat das SchoWo-Geschehen bis nachts um zwei Uhr im Blick.

Auf drei Bildschirmen verfolgt der Geschäftsführer des Benninger Sicherheitsdienstes wie an allen SchoWo-Tagen das große Stadtfest: Der erste Monitor zeigt – über die Webcam der Stadt – das Geschehen vor dem Rathaus sowie mögliche Unwetterwarnungen, auf dem mittleren Bildschirm führt Werner ein Einsatztagebuch und der dritte zeigt den Standort der GPS-überwachten Einsatzkräfte auf einem Stadtplan. Immer wieder kommen über Funk Meldungen in die Zentrale, auf die Philip Werner und Einsatzleiterin Antje Hermann reagieren. So werden gegen halb neun auf dem Schlosswallschulhof junge Männer mit Glasflaschen weggeschickt: Würden Scherben in den Rindenmulch unter den Spielgeräten geraten, müsste der komplett ausgetauscht werden.

Zusammenarbeit mit Sicherheitsdienst "der richtige Weg" 

Während der Gartenschaueröffnung erprobt, ist die Zusammenarbeit mit dem Benninger Sicherheitsdienst für Dobler der richtige Weg auch für das große Stadtfest: Für die VG als weisungsbefugter Auftraggeber absolut transparent, bietet die Sicherheitszentrale „maximalen Informationstransport“ – und erfüllt die Forderungen des Sicherheitskonzeptes: In der Vergangenheit patrouillierten, unterstützt von der Polizei und Bunk-Citystreifen, die Mitglieder des VG-Organisationsteams selbst über die SchoWo. „Wir haben uns“, sagt Dobler, „aber als Laien gefühlt und nicht als rechtlich relevante Ordnungskräfte“. Und dabei berufen sich die Profis im Grunde auch nur auf Jedermannsrecht: Jeder, der eine Straftat begeht, erklärt Werner, dürfe festgehalten werden, bis die Polizei kommt. Mit der – und dem DRK – arbeitet der Sicherheitsdienst zusammen. Der Schorndorfer Sicherheitsdienst Bunk indes kann sich wieder auf seine Kernkompetenz konzentrieren: Er übernimmt bei der Nachtwache den Objektschutz.

Ständig unterwegs in der Stadt

Dobler selbst ist während der SchoWo – wie jeweils zwölf Mitglieder des VG-Organisationsteams – in seiner olivgrünen Jacke ständig in der Stadt unterwegs. Am Samstagabend führt ihn seine Runde nach der Sicherheitsbesprechung als erstes zum FOH-Platz in der Marktplatzmitte. Dort wirft er einen Blick auf das Lärmmessgerät bei den Mischpulten. 95 Dezibel – das ist für Dobler mit der Selbstverpflichtung der VG, im Tagesschnitt bei 90 Dezibel zu liegen – vereinbar. Da es zu diesem Zeitpunkt nicht regnet, können die großen Schirme geschlossen bleiben, der Schall wird also auch nicht noch direkt über die Schirme hinweg in die Wohnzimmer der Marktplatzanwohner getragen.

Auf dem Weg zur Stadtkirche, wo die Remstalkellerei trotz aller interner Unsicherheiten auch weiterhin bewirtet, registriert Dobler mit einigem Ärger, dass im Café Hallo, obwohl es eine andere Vereinbarung mit den Wirten gibt, Caipirinha und Aperol Spritz zum Mitnehmen in Plastikbechern ausgeschenkt werden. Doch bei der Stadtkirche herrscht wieder Zufriedenheit: „Hier fühlen sich die Leute wohl, die mit der SchoWo sonst nichts anzufangen wissen.“ Es folgt ein Abstecher auf den Oberen Marktplatz, wo es nicht zu voll werden darf: „Das muss man im Blick behalten“, sagt Dobler. Die Sicherheitskräfte, die regelmäßig Meldung an die Sicherheitszentrale abgeben, müssen hier gegebenenfalls die Rolle von Entfluchtern einnehmen.

Zehn bis 13 Kilometer durch die Stadt

Auf zehn bis 13 Laufkilometer kommt Dobler an jeden SchoWo-Einsatztag. Der Weg zum Schlosspark, wo am Samstagabend „Loisach Marci“ die Orangerie zum Beben bringen, liegt eigentlich nicht auf seiner Route. „Das ist eine Gartenschauveranstaltung“, sagt Dobler. Und tatsächlich sitzen Oberbürgermeister Matthias Klopfer und seine Frau Anni Betz am Eingang des Schlossparks und kassieren von den Gästen ohne Dauerkarte vier Euro Eintritt. Voll ist’s in der Orangerie trotzdem. Und das Kulturforum, das jedenfalls signalisiert Joe Saling, ist trotz aller Unstimmigkeiten im Vorfeld zufrieden: Gäste unter 20, die bisher an den SchoWo-Veranstaltungen des Kulturforums vorbeigelaufen und hängengeblieben sind, fehlen im einzigen Bezahlbereich an diesem Wochenende. Bei der Salsanacht am Freitag waren’s dennoch fast 200 Gäste. Und die waren froh, dass sie beim Tanzen in der Orangerie ein Dach über dem Kopf hatten. „Open Air“, ist sich Saling sicher, „wär’ niemand da gewesen“.

Nach diesem Abstecher geht’s für Dobler, der sich mit seinen 56 Jahren manchmal „etwas müde“ fühlt und die „körperliche und psychische Belastung“ spürt, weiter auf den Archivplatz. Hier sorgt die Takanaka-Club-Band aus Frankfurt, die vorige Woche beim Brunnenfest in Winterbach schon im Remstal war, für beste Stimmung. Dobler ist von der Show so begeistert, dass er im Pausengespräch zur Freude von Schlagzeuger Marcus Demuth gleich eine Option fürs kommende Jahr ausspricht. Doch als es dann um halb elf zu tröpfeln beginnt, steht erst mal eine ganz andere Entscheidung an: Bleiben die großen Schirme auf dem Marktplatz zu oder werden sie geöffnet? Zwei-, dreimal öffnet Dobler seine Wetter-App (siehe Infokasten: Regen-Radar), dann teilt er seinen Kollegen von der VG mit: Der Regen ist nur ein kleiner Schauer, die Schirme bleiben zu: „Ich will“, erklärt Dobler dieses Abwägen, „die Anwohner nicht zu sehr belasten“.

Für die Anwohner viel Lärm

Eine gewaltige Lärmbelastung ist die SchoWo für die Anwohner dennoch. Fünf Tage Party direkt vor dem Wohnzimmerfenster – das zehrt an manchen Nerven. Und in der Höllgasse ist, es lässt sich nicht besser beschreiben, die Hölle los. Um die DJs auf der Baum-Bühne zwischen Eclat, Pfauen und Santa Lucia sammeln sich dicht gedrängt die Partygäste. Durch diese Menge schiebt sich Dobler, wechselt mit den unzähligen Bekannten immer wieder ein paar Worte und macht sich auf den Weg zur Sicherheitszentrale. Dort bestätigt sich um kurz vor elf, dass die Entscheidung für Cassandra & the Boyz auf dem Marktplatz goldrichtig war: „Die Stimmung“, sagt Sicherheits-Profi Philip Werner, „ist gut“.

Der Festplatz unter der Arnoldbrücke, wo Jugendliche während der SchoWo „Under the Bridge“ feiern können, ist streng genommen gar nicht mehr Teil des von der Vereinsgemeinschaft organisierten Stadtfestes, sondern eine Extra-Veranstaltung der Stadt. Und dort sind am Samstag kurz vor Mitternacht dann auch nicht nur Revierleiter Markus Jatzko, jede Menge Polizisten und der Winterbacher Sicherheitsdienst WSD präsent, sondern auch Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich, Jörn Rieg vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung sowie Jugendreferent Peter Komhard.

Und gab’s am Freitagabend – allerdings außerhalb des Partygeländes – durchaus ein kleineres Gerangel zwischen zwei Jugendgruppen und, wie es Bürgermeister Hemmerich formuliert, „ein Geknister“, blieb der Samstagabend „entspannt“. Das schlechte Wetter und ein schnelles Eingreifen der Polizei freilich hatten auch am Freitag eine mögliche Eskalation im Keim erstickt. Doch die große Polizeipräsenz wirkt auch am Samstag abschreckend. Dazu kommt eine Taschenkontrolle im Eingangsbereich: Gläser, Glasflaschen, branntweinhaltige Getränke und Waffen haben auf dem Festgelände nichts zu suchen. Und die 800 Jugendlichen, die hier am Samstagabend bis Mitternacht feiern konnten, haben sich nach Ende der Veranstaltung den Festplatz auch tatsächlich ohne Gestöber verlassen. Die Jugendparty, die in der Vergangenheit traditionell im Schlosspark stattfand, war im Jahr 2017 bekanntermaßen mit randalierenden Jugendlichen ja gehörig aus dem Ruder gelaufen.

„Under the Bridge“ kann jetzt aber nicht nur am Wochenende, sondern bis einschließlich SchoWo-Dienstag, 23 Uhr, gefeiert werden.

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