Schorndorf SchoWo-Krawalle: Polizei legt Zahlen vor

Schorndorf.
Die Polizei hat am Mittwoch Abend in einer Pressemitteilung ausführlich Bilanz zur SchoWo gezogen und ihre erste Meldung vom Sonntag zu den Ausschreitungen im Schlosspark teilweise korrigiert. Diese erste, „summarisch“ gehaltene Zwischenbilanz habe „für Fehlinterpretationen“ gesorgt und den Eindruck vermittelt, als seien tausend junge Leute in die Schlosspark-Ausschreitungen verwickelt gewesen. Schorndorf sei nicht mit Köln vergleichbar - die SchoWo 2017 sei allerdings schon von deutlich mehr Gewalt und sexuellen Belästigungen geprägt gewesen als in den vergangenen Jahren.

Vorab das Allerwichtigste

- In die Krawalle im Schlossgarten in der Nacht zum Sonntag waren etwa hundert Personen verwickelt, die Mehrzahl mit Migrationshintergrund. Unter den Flaschenwerfern waren aber auch Deutsche. Ein 20-jähriger Deutscher widersetzte sich der Festnahme durch die Polizei, was zur Eskalation entscheidend beitrug.

- Beim harten Kern der 100 sei die Gewaltbereitschaft hoch gewesen – die deutliche Mehrheit der Besucher im Schlosspark habe sich aber friedlich verhalten.

- Insgesamt wurden bei der SchoWo dieses Jahr 53 Straftaten angezeigt, im vergangenen Jahr waren es nur 28.

- Die Polizei geht von insgesamt neun Sexualdelikten aus.

Übersicht der Straftaten

Nach derzeitigem Ermittlungsstand ereigneten sich von den insgesamt 53 Straftaten 28 in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 14 am Freitag und 11 an den anderen Tagen. Im einzelnen:.

9 Sexualdelikte
7 gefährliche Körperverletzungen
10 einfache Körperverletzungen
10 Sachbeschädigungen
3 besonders schwere Fälle des Diebstahls
6 einfache Diebstahlsdelikte
3 Beleidigungen
1 Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte
4 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Geprüft wird derzeit noch, ob bei den Vorfällen im Schlossgarten die Straftatbestände „Landfriedensbruch“ und „Versuch einer Gefangenenbefreiung“ erfüllt waren.

Ereignisse im Schlossgarten in der Nacht zum Sonntag

Im Bereich Schlosspark, deutlich abseits des eigentlichen SchoWo-Festgeländes, hielten sich in der Nacht zum Sonntag phasenweise bis zu etwa 1000 junge Leute auf, größtenteils friedlich. Allerdings hätten manche „intensivem Alkoholkonsum“ gefrönt. Ab 22 Uhr warfen einzelne Feiernde Flaschen in die Menge und gegen die Schloss-Fassade.

Mit einem dieser Würfe traf ein 16 Jahre alter Deutscher einen 19-jährigen Syrer am Kopf, der dadurch leichte Verletzungen erlitt und vom Rettungsdienst versorgt werden musste.

Als daraufhin mehrere Einsatzkräfte der Polizei eintrafen, mussten sie sich zunächst wieder zurückziehen und Körperschutzausstattung anziehen, um sich vor Verletzungen durch Flaschenwürfe zu schützen. Die Beamten forderten Verstärkung an. So habe sich die Zahl der eingesetzten Polizisten „verdoppelt“.

Kurz nach 1.00 Uhr wollte die Polizei einen 20 Jahre alten Deutschen festnehmen, der einen anderen Besucher bei einer Auseinandersetzung verletzt hatte. Der 20-Jährige aber „widersetzte sich massiv seiner Festnahme“ – und mit ihm „solidarisierte sich eine größere Gruppe von ungefähr 100 Personen, überwiegend mit Migrationshintergrund“. Dieser Pulk versuchte, die Einsatzkräfte körperlich anzugehen. Die Beamten mussten den Einsatz von Pfefferspray und Einsatzstock „androhen“. Dabei flogen weitere Flaschen, mehrere Polizisten wurden getroffen, aber dank der Schutzkleidung nicht verletzt.

Die eingesetzten Beamten „berichteten von einem hohen Gewaltpotential dieser etwa 100 Personen umfassenden Gruppe, während die übrigen Personen im Schlosspark weitgehend friedlich waren“. Erschwert wurde der Polizeieinsatz dadurch, dass die Täter in der Anonymität der Masse und in der Dunkelheit leicht untertauchen konnten. „Inwiefern im Schlossgarten bei den Auseinandersetzungen bestimmte Gruppierungen eine Rolle spielten, kann nach derzeitigem Ermittlungsstand noch nicht verlässlich bewertet werden“. Sprich: Die Gerüchte um zwei rivalisierende Großcliquen, die aneinandergeraten seien, lassen sich bislang nicht belegen.

Bei diversen Rangeleien haben Festbesucher im Bereich Schlossgarten und Busbahnhof einander gegenseitig attackiert, mehrere Beteiligte wurden leicht verletzt und mussten teilweise vom Rettungsdienst versorgt werden. Hingegen wurde kein einziger Polizist verletzt.

Beschädigung von Polizei-Autos

Insgesamt sechs Einsatzfahrzeuge wurden durch Schmierereien, Flaschenwürfe und Kratzer beschädigt, auch Kennzeichen wurden abgerissen und gestohlen. Sachschaden: insgesamt 2400 Euro.

Ungesichertes und Gerüchte

Mehrere Zeugen haben berichtet, dass „eine zahlenmäßig nicht zu beziffernde Gruppe“ nach der Schlossgarten-Schlägerei zum Bahnhof gezogen sei. Einzelne von ihnen sollen Messer dabeigehabt haben. „Hierzu konnten bis heute keine weiteren Erkenntnisse gewonnen werden.“

Weiterhin meldeten Zeugen, gegen 1:30 Uhr seien im Bereich Alter Friedhof Schüsse gefallen, „vermutlich aus einer Schreckschusswaffe“. Auch dazu hat die Polizei seither nichts Näheres herausgefunden.

Sexuelle Belästigungen

Am Freitagabend wurde eine 33 Jahre alte Frau aus der Region im Bereich des Marktplatzes um 22 Uhr und erneut um 23 Uhr von unterschiedlichen Unbekannten  angegangen. Im ersten Fall berührte der Täter die Frau am Gesäß. Im zweiten Fall fasste ein anderer Fremder der 33-Jährigen „intensiv an den Intimbereich“. Schlimmeres konnte die Frau verhindern, indem sie sich losriss und dem Mann eine Ohrfeige verpasste. Als die Frau die Polizei rufen wollte, wurde sie vom Täter und dessen Begleiter daran gehindert. 

Ebenfalls am Freitag wurde gegen 23:45 Uhr eine 25 Jahre alte Frau aus Ingolstadt im Bereich Marktplatz mehrmals am Gesäß angefasst. Als Tatverdächtiger konnte ein 20 Jahre alter Flüchtling aus dem Irak mit Wohnsitz in Schorndorf ermittelt werden. Er war zur Tatzeit leicht alkoholisiert. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde er nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wieder auf freien Fuß entlassen.

In der Nacht zum Sonntag wurde kurz nach Mitternacht eine 17 Jahre alte Österreicherin am Bahnhof am Gesäß angefasst. Der Tatverdacht richtet sich gegen einen von drei afghanischen Flüchtlingen aus Schorndorf im Alter von 17 beziehungsweise 18 Jahren. Entgegen den ersten Gerüchten wurde die junge Frau von den Tatverdächtigen nicht festgehalten. 

Am Samstag um 0.30 Uhr wurde eine 42 Jahre alte Frau aus dem Raum Schorndorf auf dem Weg zum Auto in der Schlichtener Straße von einem Unbekannten an der Brust angefasst.

In der Nacht zum Sonntag wurde um Mitternacht eine 19 Jahre alte Frau aus dem Raum Schorndorf auf dem Weg vom Marktplatz zum Schlosspark von hinten intensiv durch einen Unbekannten begrapscht.

Die Polizei ermittelt damit in vier Fällen gegen Unbekannt, in zwei Fällen sind die mutmaßlichen Täter bereits festgestellt. „Die Voraussetzungen für einen Haftbefehl waren in keinem der Fälle gegeben.“

Fazit

Diverse Medien verglichen die Schorndorfer Ereignisse mit den Exzessen in der Kölner Silvesternacht, vor allem auf Plattformen der Rechtsextremen war von einem tausendköpfigen islamischen Sex-Mob die Rede. Dazu stellt die Polizei klar: Köln und Schorndorf seien, was die Zahl der Delikte und der Tatbeteiligten betrifft, keineswegs „vergleichbar“.

Allerdings: Sexuelle Belästigungen im Rahmen der SchoWo seien „in den vergangenen Jahren“ nicht oder selten angezeigt worden – 2017 sei ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Auch die Gewaltbereitschaft gegen Polizisten und die Attacken gegen Einsatzfahrzeuge habe es so „noch nie in Schorndorf gegeben“.

Zeugen gesucht

SchoWo-Besucher, die etwas beobachtet oder gar via Handy aufgenommen haben, werden gebeten, sich beim Polizeirevier Schorndorf zu melden, Telefon 07181/204-0, 2Mail schorndorf.prev@polizei.bwl.de

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