Schorndorf SchoWo: Zum Jubiläumstag steppte der Bär

Schorndorf. Was für ein toller SchoWo-Plus-eins-Tag! Was für eine begeisternde musikalische Zugabe, die zuerst die Barbara- Künkelin-Halle und danach den Oberen Marktplatz mit gleich drei grandiosen Konzerten zum Ort eines ausgelassenen Sommerabend-Volksfestes machte. Besonders während der beiden Open-Air-Auftritte zeigte sich Schorndorf noch einmal von seiner besten Seite und mit internationalem Flair – ein buntes Völkchen tanzte, sang mit und genoss!

Den Auftakt in der voll besetzten Künkelinhalle machte eine feurige Revue der großen Hits aus 50 Jahren Popgeschichte. Präsentiert wurde die von Videoprojektionen begleitete Show unter dem Motto „Classic Rock meets Brass“ von der Cover-Band „Risk“ und dem Großen Blasorchester Schorndorf. Fette Bläser, zarte Streicher und der harte Beat einer Rockband – ob das wohl zusammenpasste? Aber ja. Und wie!

Etwa gleich zu Beginn mit „Child’s Anthem“ (1978) von Toto und danach „Saturday in the Park“ (1972) von Chicago. Mit Druck, Power und einem groovenden bläsersatten Sound rissen das Orchester unter der Leitung von Mathias Mundl und die Band gemeinsam das Publikum zu begeistertem Jubel hin.

Brandender Applaus nach Deep Purples „Child in Time“

Und so sollte das bleiben, nein, sich noch steigern. Tolle Stimmung im Saal bei John Farnhams „You’re the Voice“ (1987), das zum warm pulsierenden Orchester von nicht wenigen im Saal erinnerungsselig mitgesungen wurde. „Bohemian Rhapsody“ von Queen lud zum Rock-Arien-Schwelgen und „The Sound of Silence“ (1964) von Simon & Garfunkel, gefühlvoll im Duett von Cherry Gehring und Stephanie Fitzon vorgetragen, geht halt immer noch zu Herzen. Die Kracher aber waren „Nothing else matters“ (1991) von Metallica, mit großer Stimme von David Stolzmann vorgetragen. Und dann natürlich das großartige „Child in Time“ von Deep Purple, das von „Risk“ ohne Orchester gespielt wurde und bei dem Bassist Michael Ott die berühmten Kehlschreie so authentisch rüberbrachte wie im Original, stechende Gitarrensolo-Orgie inklusive. Brandender Applaus!

Szenenwechsel auf den Oberen Marktplatz, wo kurz darauf die Überraschung des Abends mit der jungen Boy-Band „Mozah“ auftrat. Deren Mischung aus knackigen Bläserriffs (sieben Hörner!), wuchtigen Beats und Hip-Hop-Gesang gelang es im Nu, das Publikum zum Tanzen und Mitmachen zu animieren. Das ging sofort in Becken und Beine und verwandelte den Marktplatz in eine ausgelassene Party.

Man schaute ringsum in vergnügt lächelnde Gesichter. Man sah Mütter mit ihren Kindern tanzen, Girlgroups hüpfen, Pärchen sich sanft wiegen und Singles sich drehen. Dazu freute man sich über ein internationales Publikum aus allen möglichen Ländern, das mit seiner eigenen Freude Farbe auf den Platz brachte.

Das Publikum freute sich über die Instant-Lyrics des Sängers, der reimte „Geh mir nicht auf die Eier / Ich steh hier bei Carl Max Meyer“. Auch die Palm’sche Apotheke fand sich in einem spontan erfundenen Rap wieder. Es gab ein umwerfendes Scat-Drum-Duett zu hören und die allerfeinsten Instrumental-Soli!

Was für ein gelungenes Volks-Fest der Vielfalt und Freude

Dazu war das Publikum dann noch zu einer rhythmischen Gymnastik-Übung mit tief brummender Tuba-Begleitung eingeladen. Ein toller Spaß für Jung und Alt! Was für ein gelungenes, schönes Volks-Fest der Vielfalt und Freude! Ein farbenfrohes Wimmelbild. Ja, es steppte der Bär!

Der Marktplatz war schließlich rappelvoll, als der Haupt-Act des Abends, die Pink-Floyd-Cover-Band „Floyd Reloaded“ mit dem von Kassenklingeln durchsetzten „Money“ ihr Konzert eröffnete. Mit üppigem Sound, dicht am Original, vielleicht nicht ganz so bösartig, wusste die Band ihr Schorndorfer Publikum in Bann zu ziehen.

Und sicher ein Höhepunkt des ganzen Konzertabends war das bejubelte und mitgesungene „Just another Brick in the Wall“. Dazu traten, wie schon zuvor in der Künkelinhalle, die Chor-Kids von der „Emmaus Company“ unter der Leitung von Lara Dobler auf die Bühne. Mit Eton-Hütchen im Trampelmarsch, als aufbegehrende Zuchtanstaltskinder, die wütend im Chor rufen: „We don’t need no Thought Control / Teacher, leave us Kids alone!“

Mit Pink Floyd wurde der Marktplatz zum kollektiven Ort des Protests

Spätestens da aber wurde einem klar, dass Pink Floyd mit ihren düster-dystopischen Songtexten nun nicht gerade eine Spaß- und Tanz-Band sind. So etwa bei „Welcome to the Machine“, ein Stück über das zum eingepassten Schräubchen in unserer Wohlstandsmaschinerie Gedrechseltwerden. Oder auch „Time“, das vom Enteilen vertaner Lebenszeit handelt.

Das tat der guten Stimmung im Publikum aber keinen Abbruch. Eigenartigerweise verwandelte sich der Marktplatz damit sanft zu einem kollektiven Ort des Protestes. Die Musik wurde zum Medium der Reflexion und Hoffnung auf einen Wandel. Mitgesungen im Chor. Auch das kann Mut machen und war dann doch ein denkwürdiger Abschluss dieses wunderbaren Konzertabends.

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