Schorndorf Schulhund Panya bringt Ruhe rein

Ines Held und Panya haben für die Zertifizierung eine Prüfung abgelegt. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf. Hunde bellen, machen Lärm, wuseln unruhig in der Gegend rum und riechen muffig. Therapiehündin Panya ist anders: Sie wirkt sogar besonders beruhigend auf die Schülerinnen und Schüler, sagt Ines Held. Die Lehrerin unterrichtet mit dem Hund an der Grafenbergschule.

Schulhund Panya trottet gemütlich neben Frauchen Ines Held durch den Schulgang und hat dabei ein kleines Täschchen im Maul. Darin hat sie ihr Hundefutter. Angekommen in einem Besprechungsraum lässt die Lehrerin die Hundeleine einfach fallen. Für den Hund das Zeichen, an Ort und Stelle zu bleiben.

Ines Held hat Panya fest im Griff. „Ein Schulhund darf während des Unterrichts und in der Schule auf keinen Fall andauernd bellen“, sagt die Lehrerin. Zuhause und wenn sie mit der Hündin raus geht, dann weiß sie, dass sie bellen darf, erklärt die Pädagogin, die normalerweise in sogenannten „AV-dual-Klassen“ (Ausbildungsvorbereitung dual) unterrichtet. Dort werden unter anderem Jugendliche unterrichtet, die einen zusätzlichen Förderbedarf haben und auf dem Weg in eine Ausbildung begleitet werden müssen. Besonders in Schulen mit sonderpädagogischen Ansatz findet Held den Einsatz von Schulhunden sinnvoll. Aber auch in anderen Schulen könne er sehr hilfreich sein, sagt sie.

Auch auf die Lehrerin Ines Held wirkt der Hund disziplinierend

Vor allem auf unruhige Schülerinnen und Schüler mit ADHS wirke der Hund beruhigend, sagt sie. Die Jugendlichen konzentrierten sich besser in der Gegenwart des Hundes. Die Wirkung des Hundes im Schulalltag stellt sie auch an sich selbst fest: „Auf mich wirkt der Hund am disziplinierendsten, ich rege mich nicht so schnell auf und versuche, möglichst ruhig zu bleiben, da ich andernfalls den Hund mit meiner Unruhe anstecke“, sagt sie.

Aber auch im Unterricht darf der Hund manchmal mitmachen. Ines Held bindet ihn ab und zu in einen Versuchsaufbau mit ein. Der Hund betätigt beispielsweise ein Katapult und schleudert damit ein Leckerli in sein Maul. Den Vorgang müssen die Jugendlichen dann im Unterricht beschreiben. „Da arbeiten die Schülerinnen und Schüler gleich viel besser mit“, berichtet Held aus dem Schulalltag.

Sie ist Feuer und Flamme für das Thema: „Ich brenne für das Konzept Schulhund.“ Sie glaubt, dass der Mehrwert einens Schulhundes noch immer unterschätzt wird. Diejenigen, die dem Konzept noch etwas skeptisch gegenüberstehen, versucht sie zu überzeugen und wird nicht müde zu betonen, dass sie den Hund nicht zu ihrem Privatvergnügen hat, sondern dass er im Unterricht wirklich nützlich sein kann. „Er war sogar schon Streitschlichter zwischen Schülern“, erzählt die 49-Jährige begeistert. Der Hund soll sich zu zwei sich Streitenden gesetzt haben und sich zwischen ihnen bewegt haben, bis die beiden schließlich zu streiten aufgehört hätten, erzählt die Lehrerin. Ihren Namen hat die Hündin nicht zufällig: Panya ist thailändisch und heißt klug.

Die Ausbildung zum Therapiehund dauerte mehrere Jahre lang

Doch solche Fähigkeiten muss ein Hund erlernen, das geht nicht von heute auf morgen. Beim Verband der Therapiehunde haben Panya und Ines Held eine Prüfung abgelegt. Bei einer praktischen Hundeprüfung setzen die Prüfer den Hund beispielsweise unter Druck, um zu überprüfen, wie der Hund mit Stress umgeht. Neben dem Hund legte auch die Lehrerin eine Prüfung ab. So musste sie sich etwa mit der Anatomie von Hunden beschäftigen und mit dem Thema Tierschutz, schließlich soll Panya im Schuleinsatz keinen Schaden nehmen. Außerdem musste sie eine ausführliche Facharbeit über den Hund und seinen Einsatz schreiben. Mit Erfolg: Seit kurzem darf sich Panya Therapiehund nennen.

Seitens der Schulbehörden gibt es so gut wie keine Regelungen für Schulhunde. Die Entscheidung, etwa über den konkreten Einsatz, überlässt man den Schulen und deren Leitung. Hier wird den Schulen viel Eigenständigkeit gestattet. An der Grafenbergschule wurde, bevor Panya vor vier Jahren angeschafft wurde, eine Gesamtlehrerkonferenz abgehalten, in der beraten wurde, ob ein solcher Hund an die Schule kommen soll. Ines Held überzeugte ihre Kollegen, keiner von ihnen war gegen ihn. „Ich bin froh, dass ich den Rückhalt meiner Kollegen habe“, sagt Held. An der Schule entschied man sich bewusst für einen Airedale-Terrier, eine Hunderasse, die auch für Menschen mit Tierhaarallergie unproblematisch ist. „Das liegt am speziellen Fell der Tiere“, erklärt Held. Positiver Nebeneffekt: Die Hunde riechen kaum.

Während des etwa einstündigen Gesprächs mit seinem Frauchen bleibt Panya artig an Ort und Stelle und bellt kein einziges mal. Zwischendrin hört man lediglich mal ein tiefes Seufzen des Hundes.

Kultusministerin Eisenmann über Schulhunde

Der Einsatz von Schulhunden wird seitens des baden-württembergischen Kultusministeriums nicht gefördert. Auf Anfrage teilte die Kultusministerin Susanne Eisemnann lediglich mit: „Wir wissen, dass viele Schulen mit einem solchen Schulhund sehr positive Erfahrungen machen.“

Zahlen über den Einsatz von Schulhunden in Baden-Württemberg gibt es keine.

Schulen müssen die Hunde beim Ministerium nicht melden, geschweige denn genehmigen lassen. Das Ministerium empfiehlt nur, das Mitbringen eines Hundes mit der Schulleitung abzusprechen. Zum speziellen Einsatz von Schulhunden gibt es keine Regelungen.

In der Praxis werde aber darauf geachtet, dass ein Wesenstest durchgeführt werde und sich der Hund für den Einsatz im Unterricht eigne, erklärte das Kultusministerium. „Ebenfalls beachtet wird, dass der Hund gesund ist und die notwendigen Impfungen des Hundes vorliegen“, teilte ein Mitarbeiter mit.

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