Schorndorf Siechenfeldfest lockt Besucher

Schorndorf. Trotz eher frühlingsferner Temperatur: Die Leute wollten raus. Und „raus“ heißt beim Siechenfeldfest: hinein ins Getümmel zu Crêpes, Chili-Mandeln und Currywurst, zu Bagger „Benno“, Baumarkt-Aktionen und Biene Remsi.

Menschenmengen schauen, stöbern und schieben sich im Angebot der Betriebe, Geschäfte und Flohmarkthändler. Das Remstal-Maskottchen Remsi ist umlagert, ebenso wie die Show-Sauna eines örtlichen Saunabauers, in der es dampft und zischt.

Die Besucher tragen warme Jacken, so ganz ist dem Wetter ja nicht zu trauen. Nur einer steht in kurzen Hosen und barfuß in Schlappen mittendrin: „Bobby“ Schacherl, Saunameister aus dem Oskar-Frech-Bad. Sein Arbeitsplatz ist heute die Trockensauna mit Ganzglasfront, in der er zwei Damen in Bikini und Bademantel ins Schwitzen bringt. Das Publikum schaut zu, wie er das Handtuch wedelt. „Ich mache Show-Aufgüsse mit Pfefferminz, Holzaromen und auch mit fruchtigen Papayadüften“, sagt er. Nebenan „heizt“ die Schorndorfer Metalband „Methotic“ den Besuchern ein.

Die düsteren Gitarrenriffs sind der Soundtrack zur vorderen Gerade und zu Kopfhaken – den Grundtechniken im Kickboxen. Auf blauen Matten zeigen Sportschulleiter Hans-Jürgen Heinen und seine Schüler im Alter von sechs bis 14 „Grundtechniken für Schläge, Haken und Kicks“, untermalt von kraftvoller Wummermucke.

Schlange vor dem Baumarkt: Jagd auf Pflanzenschnäppchen

Eine zweite bodenebene Glasscheibe ist für Besucher von großem Interesse: Vor dem Baumarkt bildet sich schon eine halbe Stunde vor Eröffnung eine lange Schlange. Die Wartenden lauern und kauern im Eingang, bis sie sich auf die Jagd nach reduzierten Pflanzen machen können oder haben es auf einen Strohhut abgesehen, den es ab einem bestimmten Einkaufswert dazu gibt. Auch „Remsile“, die kleine Remstal-Gartenschau-Biene, lockt zum Spontan-kauf. „Das ist unsere Eigenkreation, von einem regionalen Schreiner aus Buchenholz gemacht“, informiert Geschäftsführer Christoph Sugg. Als er die Drucketse sieht, hüpft sein Händlerherz: „Die bisher eher verhaltene Pflanzfreude hat ein Ende, heute wird das Frühjahr eingeläutet, jetzt wird’s Wetter schön.“

Noch ein Glaskasten zieht die Blicke an: Im ausgestellten gläsernen Event-Pavillon vor dem Hundesalon können Hochzeiten gefeiert werden. Hundefriseurin Sabine Fänder hat „fast eine ganze Woche“ alles vor dem Laden und innen umgeräumt und ihn in ein gemütliches Café mit Bar verwandelt. Außer Hundeleinen gibt es von ihr auch aktuelle Stylingtrends für den Vierbeiner: „Zu mir kommen viele Naturburschen, sportlich und pflegeleicht darf es für sie sein.“ Pflegeleicht ist der Sonntag für Besucherin Karin Thaler: „Wir sparen uns das Daheimkochen“, erklärt sie, warum sie aufs Siechenfeldfest geht. Wer aus Essensgründen das Industriegebiet ansteuert, kann sich’s gut gehen lassen mit Maultaschen, Würsten und speziell schwäbischer Currywurst. „In Maultaschenteig gewickelt, dazu eine Currysoße ohne Ketchup, von der Kochschule selbst gemacht“, sagt der Mann am Stand.

Mit 22 Kuchen und einem handgemalten Plakat, das den Weg zur dazu passenden dampfenden Kaffeetasse weist, haben sich Achtklässler der Albertville-Realschule aus Winnenden auf den Großandrang vorbereitet. „Sie sparen für die Klassenfahrt nach Berlin“, sagt Elternbeirätin Bettina Wilhelm.

Emissionsfrei: Gokarts mit Elektromotor

Ehepaar Bahr schiebt die Fahrräder durchs Gedränge. Ihr Ziel: „Autofrei geht’s ins Autohaus, wo wir uns die neue B-Klasse anschauen wollen.“ Den Flohmarkt finden sie „immer ganz nett“, wie sie sagen. „Und wir kommen raus und mal in eine Ecke, wo wir sonst selten sind“. Emissionsfrei auch die elektrobetriebenen Gokarts, die ein Elektromotor auf die Höchstgeschwindigkeit von sieben Stundenkilometer bringt. Manch ein kleiner „Fahranfänger“ kurvt routiniert durch den Parcours aus umgeklappten Bierbänken und Autoreifen. Andere sind froh, dass Papa oder Mama hinten auf dem Soziussitz mitsteuern. „Es ist ein tolles Angebot auch für kleine Kinder, weil ein Erwachsener mitfahren kann“, freut sich der Vater eines Dreijährigen.

Etwas mehr Geräusche gibt „Benno“ von sich: So heißt der Bagger des THW, wie Jürgen Baumgärtner von der Fachgruppe Räumen verrät. Auch „Benno“ ist auf Kinder-Eltern-Gespanne eingestellt. Das Kind auf dem Schoß probieren Väter das feinfühlige Arbeiten, das mit dem großen schweren Haken möglich ist: „Die kleine Mutter hängt an einer Angelschnur und muss auf den Pylon gesetzt werden“, beschreibt Baumgärtner die Geschicklichkeitsaufgabe für ruhige Hände – ein Spaß für Groß und Klein.

Im Glück ist auch die dreijährige Frieda, deren Turnschuhe Spuren der Kinderbaustelle zeigen: „Die Matschburg zum Schatzsuchen war für sie der Hit“, meint Mutter Susanne aus Winterbach. Die Großen gehen auf dem Flohmarkt auf die Suche nach Schätzen, finden Eierschneider, historische Holzski, Schwarzwaldpuppen mit rotem Bommelhut – und eine alte Taschenlupe: „Ich geb’s Ihnen für zwei fünfzig“, rückt eine Händlerin aus Rommelshausen vom höheren Ausgangspreis ab – und begründet prompt den Preisnachlass:. „Ich bin eigentlich kein Flohmarkttyp, will aber ein paar Sachen loswerden, die zum Wegwerfen zu schade sind.“

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