Schorndorf Skybar am Ende, Wechsel im Café Mack

Taos Skybar in Schorndorf. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Schorndorf.
Sie haben Ende April 2013 am selben Wochenende eröffnet und werden wohl auch zeitgleich schließen: die „Taos Skybar“ im Postturm und das Café Mack am Marktplatz. Nach sechseinhalb Jahren steht damit an zwei markanten Stellen in der Schorndorfer Gastro-Szene eine gewaltige Veränderung an. Aus unterschiedlichen Beweggründen – und mit anderen Aussichten: Ist die Zukunft in der im Jahr 2016 mit dem Deutschen Gastronomiepreis ausgezeichneten Skybar noch ungewiss, gibt es für das Café an prominenter Marktplatz-Lage bereits einen Nachfolger.

Aus Café Mack wird Ama-Deli

Mathias Simon und seine Frau Elke Simon-Rommel, die in Stuttgart seit 2004 das „Amadeus“ im ehemaligen Waisenhaus am Charlottenplatz betreiben, werden das Café mit den 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernehmen – und in Richtung Feinkost-Tagesrestaurant (Deli) ohne Bäckereitheke weiterentwickeln. In Anlehnung an ihren Stuttgarter Betrieb wird aus dem Café Mack nach einer für Januar und Februar geplanten Umbaupause im März 2020 das Ama-Deli.

Dass es in ihrem Café, das sie bis 2012 selbst betrieben hat, mit der Familie Simon gastronomisch weitergehen kann, darüber ist nicht zuletzt auch Petra Weiler-Trölsch „erleichtert“. Nicht den x-ten Optiker wollte sie im ehemaligen Wohnhaus der Barbara Künkelin haben, sondern am liebsten wieder ein Café mit Konditorei – oder eben eine Tagesgastronomie. „Uns war’s wichtig, dass das Haus komplett vermietet werden kann“, sagt Weiler-Trölsch und hofft sehr, dass das Ama-Deli einschlagen wird. Dabei, bekennt die 56-Jährige, habe sie selbst kurz geliebäugelt, den Café-Betrieb wieder zu übernehmen. Doch an den Gründen, warum sie vor sieben Jahren einen Schlussstrich zog, hat sich eigentlich nichts geändert: Sie will für ihre Tochter da sein, die die achte Klasse im Gymnasium besucht, und ihren Mann in der Firma unterstützen.

Andreas Mack sucht neue Aufgaben 

Für Oberbürgermeister Matthias Klopfer, auf den Wechsel angesprochen, war das Ende des Café Mack indes „absehbar“ – nachdem Ende 2018 öffentlich wurde, dass die Weinstädter Traditionsbäckerei Mack mit der Übergabe der Geschäfte an Sohn Andreas Mack im Februar nicht nur die Produktion aufgegeben hat, sondern mittlerweile auch die Cafés in Endersbach und die Filiale in Rommelshausen. Für Andreas Mack ist es eine „Familienentscheidung“: Seine Eltern Rolf und Dorothea Mack gehen in Rente und er möchte sich „anderen und neuen Aufgaben stellen“.

Dass mit Mathias Simon und Frau zum Jahreswechsel Gastro-Profis am Schorndorfer Marktplatz übernehmen, kommt nicht von ungefähr: Simon, gelernter Koch und Hotel-Betriebswirt, verbindet eine Freundschaft mit Andreas Mack. Bereits 2013, als die Endersbacher Familie das Café Weiler übernommen hat, war Simon unterstützend tätig – und springt jetzt gerne ein. Schorndorf, sagt der Stuttgarter Wirt mit Wohnsitz im Remstal, „ist für uns kein unbekanntes Pflaster“. Er schwärmt: „Das ist eine tolle Lage und ein schönes Gebäude.“ An seinem Stuttgarter Engagement wird das zweite Standbein in Schorndorf nichts ändern: „Das Amadeus wird weiterbetrieben.“

Was für den Investor in der Skybar im Argen liegt

Dafür ist im neunten und zehnten Stockwerk des Postturms Ende des Jahres Schluss. Zumindest für Betreiber Alexander Dohnt. Am Ende scheint auch die Freundschaft zwischen ihm und Flex-Fonds-Geschäftsführer Gerald Feig, der das Postturm-Carré als Investor finanziert hat und dann an den von ihm gemanagten Fonds verkauft hat. Von Feig bereits auf 31. Oktober 2019 fristlos gekündigt und mit einer Räumungsklage bedacht, hat Dohnt sich seinerseits juristischen Rat geholt und strebt nun eine Feststellungsklage gegen den Hauseigentümer an. Beide haben damit – wie sie es unabhängig voneinander formulieren – „die Reißleine gezogen“.

Weil Dohnt der Zahlung seiner Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen sei und die Bar nicht wie vereinbart geführt habe, hat Feig gekündigt. Anfangs hochzufrieden mit dem Pächter, dem er zwischenzeitlich sogar den im vergangenen Jahr an die Wohninvest-Gruppe verkauften „Pfauen“ mitsamt dem Hotelbetrieb anvertraut hatte, lässt Feig kaum mehr ein gutes Haar an Dohnt. Obwohl er selbst zweimal die Woche in der Skybar zu Gast sei, habe er den Pächter seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Und dabei sei die Fläche im neunten und zehnten Stockwerk des Postturms „hochattraktiv“ und das Konzept für Schorndorf stimmig. Obwohl er die Kündigung bis dato nicht öffentlich gemacht habe, seien bereits zehn Bewerber bei ihm vorstellig geworden. Darunter, so Feig weiter, „ein paar Hochkaräter“. Dohnt, so Feigs Vorwurf, habe die Skybar „runtergewirtschaftet“ und zu wenig Leidenschaft gezeigt.

Alexander Dohnts Version klingt ganz anders 

Zu den von Feig erhobenen Vorwürfen wollte sich Alexander Dohnt zunächst gar nicht äußern – und hat es unserer Zeitung gegenüber dann doch getan: Wegen zahlreicher Baumängel habe er schon vor geraumer Zeit erst eine Mietminderung vorgenommen und dann – „als es ganz massiv wurde“ – die Mietzahlungen eingestellt. Bei Gericht hat er mittlerweile eine Feststellungsklage eingereicht. Und nicht ohne Grund: Größtes Ärgernis ist für ihn der Aufzug, der nicht nur die Gäste und Beschäftigten in die Skybar bringen soll, sondern auch für den Transport der Getränke unerlässlich ist. Mehr als hundertmal, schätzt Dohnt, sei der Aufzug in den vergangenen Jahren ausgefallen. Höhepunkt war dann Anfang September 2019, als der Aufzug wegen eines gerissenen Seils eine ganze Woche ausgefallen sei. Mit der Folge, dass Dohnt eine Woche gar keinen Umsatz machen konnte und fortan die Öffnungszeiten auf drei Tage am Wochenende reduziert hat. Ein großes Ärgernis im Postturm – das hört man auch von anderer Stelle – sind offenbar immer wiederkehrende Wasserschäden: Aktuell, das bringt Gerald Feig selbst zur Sprache, musste die Barmer Ersatzkasse wegen eines Wasserrohrbruchs vom zweiten in den dritten Stock ziehen. Schon im Eingangsbereich sind Wasserspuren zu sehen, nass ist es auch immer wieder im Keller, und im neunten Stockwerk – also in der Skybar – ist der Boden aus diesem Grund aufgerissen. Neueste Schadensmeldung im Postturm: Aktuell funktionieren die Jalousien nicht.

Doch trotz aller Klagen und etlicher Treffen mit Feig, geändert habe sich nichts, klagt Dohnt und sagt: „Ich habe mich geduldig gezeigt.“. Doch jetzt ist für ihn am 31. Dezember in Schorndorf endgültig Schluss. Und leicht, versichert Dohnt, falle ihm dieser Schritt nicht: „Es ist schade, ich habe die Bar eingerichtet. Das ist ein emotionaler Verlust.“ Dass er gar nicht mehr in Schorndorf zu sehen gewesen sei, diesen Vorwurf weist er zurück. Doch anderswo läuft’s für ihn, der jahrelang mit dem „Ciba Mato“ eine angesagte Cocktailbar am Wilhelmsplatz Stuttgarts hatte, deutlich besser: In Stuttgart betreibt er mittlerweile erfolgreich die „Taos Weinbar by Lausterer“ in der Bärenstraße beim Breuninger. Ein wichtiges Standbein ist für Dohnt auch die „Taos Lodge“ im Dinkelackerzelt auf dem Volksfest. Und im März 2020 wird er im Büroturm „iLive-Tower“ am Burgstallkreisel in Aalen eine „Taos Rooftop-Bar“. Und in Schorndorf war Dohnt ja auch sehr erfolgreich: 2016 wurde er für die Skybar im Postturm in Berlin mit dem Deutschen Gastronomiepreis in der Kategorie „Beverage“ ausgezeichnet. Und auch für OB Klopfer war die Skybar immer „was ganz Besonderes in Schorndorf“. Dass Alexander Dohnt die Daimlerstadt verlassen wird, findet Klopfer „sehr bedauerlich“. Er lobt die Professionalität des Pächters und „bewundert nach wie vor den Mut von Gerald Feig“.

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