Schorndorf Sommerzeit: Wenn Katzen „lästig“ werden

Schorndorf. Sommer, Ferien... gute Laune? Bei vielen Menschen herrscht Vorfreude auf die heißersehnte Urlaubszeit. Haustiere hingegen haben weniger Grund zur Freude – werden sie doch verstärkt in den Sommerferien abgegeben.

Wir haben den internationalen Katzentag zum Anlass genommen und beim Tierschutzverein in Schorndorf nachgefragt, wie es den Samtpfoten in dieser Zeit ergeht.

Vor dem Kauf ausführlich beraten lassen

Das wichtigste vorweg: Katzen, wie auch Tiere im Allgemeinen, sind keine emotionslosen Wesen, sagt Steffen Töllner, Leiter des Tierschutzvereins Schorndorf. Man legt sie sich nicht einfach mal so zu und entledigt sich ihrer wieder, als seien sie ein nutzlos gewordener Gegenstand. Wer eine Katze will, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Denn auch Tiere empfinden Trauer oder Trennungsschmerz.

Steffen Töllner rät daher zu einem ausführlichen Beratungsgespräch vor dem Kauf. Interessenten sollten sich darüber Gedanken machen, ob ein Haustier zu einem bestimmten Zeitpunkt zu den eigenen Lebensumständen passt. Wer etwa einen längeren Auslandsaufenthalt plane, solle sich vorerst keine Katze zulegen.

Verschiedene Gründe können eine Haltung unmöglich machen

Ein Problem sei auch, dass viele unterschätzen, wie lange man ein Haustier hat, erklärt Töllner. Katzen können „gut und gerne 16, 17, 18 Jahre alt werden“. Andere Tiere, wie Schildkröten, werden weitaus älter. Den Menschen müsse bewusst sein, dass sie eine Verpflichtung auf lange Sicht eingehen und nicht nur auf ein bis zwei Jahre.

Wichtig vor der Anschaffung sei deshalb, einen Plan B zu haben. Nicht nur der Sommerurlaub ist ein Grund für eine zeitweise oder dauerhafte Trennung. Auch Krankheit oder veränderte Lebensverhältnisse können eine weitere Haltung unmöglich machen.

Sich frühzeitig über die Betreuung Gedanken machen

Das ist aktuell bei Kitty der Fall. Die 14-jährige Katze ist seit Anfang Juli dieses Jahres im Tierschutzverein untergebracht, weil ihr Besitzer im Krankenhaus ist. Besonders bitter: Obwohl Kitty sehr umgänglich und kerngesund ist, ist sie wegen ihres Alters schwer vermittelbar.

Frühzeitig zu planen, wer im Ausnahmefall die Vierbeiner betreuen oder aufnehmen kann, erspart dem Mensch Probleme und der Katze viel Leid. Da Katzen sich in ihrer gewohnten Umgebung am wohlsten fühlen, ist beim Urlaub die optimale Lösung, sie zu Hause zu lassen. Verwandte, Freunde oder Nachbarn können regelmäßig nach dem Rechten schauen. Weitere Optionen sind: einen Katzensitter zu engagieren oder die Katze in einer Katzenpension unterzubringen. Wer nicht weiß, wohin mit den Katzen, dem helfen Steffen Töllner und sein Team gerne weiter.

Eine gern genommene Ausrede ist eine Katzenallergie

Doch gerade bei einer bezahlten Betreuung scheuen viele die Kosten. Steffen Töllner findet es besonders traurig, wie leicht es Besitzern fällt, die Katze einfach auszusetzen oder abzugeben. Eine gern genommene Ausrede ist dabei eine plötzlich auftretende Katzenallergie, weiß Töllner zu berichten. Das sei aber eher unwahrscheinlich.

Häufig behaupteten Besitzer auch, es handle sich um eine Fundkatze. So wie bei Sissi. Ihr Herrchen brachte sie Anfang Juli beim Tierschutzverein vorbei und behauptete, die Katze mit dem schwarz-braunen Fell sei irgendwann in seinem Garten herumgetollt. Über Dritte erfuhr Töllner, dass es sich bei dem Mann wohl um den Besitzer handle. Der Leiter des Tierschutzvereins vermutet, dass er Sissi aus Kostengründen abgeben hat. Denn zu dem Zeitpunkt war sie trächtig. Mittlerweile hat Sissi sechs Jungen geworfen. Alle sind wohlauf und haben vor wenigen Tagen zum ersten Mal die Augen geöffnet.

Bleibt zu hoffen, dass sie bald ein liebevolles Zuhause finden.

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