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Schorndorf Spektakuläre Kranaktion bei Löffelhardt

Spektakuläre Kranaktion bei Löffelhardt. Foto: Büttner/ZVW

Schorndorf. 28 Meter ist das neue Hochregallager der Firma Löffelhardt hoch. Gleich lang ist das 10,9 Tonnen schwere Regalbediengerät, das der Kran vorsichtig in dieses Hochregallager hievt. Eine spektakuläre Aktion am Mittwochnachmittag auf dem großen Areal in der Gottlob-Bauknecht-Straße, wo nach den Worten von Rainer Rommel „immer mehr Löffelhardt in das ehemalige Bauknecht-Gelände reinkommt“.

Rainer Rommel ist Geschäftsführer der Firma Löffelhardt, die es seit 111 Jahren gibt und die seit 60 Jahren ihren Sitz in Fellbach hat. Vom kommenden Jahr an ist aber vieles grundlegend anders. Dann wird rund die Hälfte der rund 620 Beschäftigen in Schorndorf arbeiten – dort, wo früher Waschmaschinen hergestellt wurden. Rommels Schwester Sabine Bachmann, Geschäftsführerin von Löffelhardt, berichtete bei der Kranaktion, ehemalige Bauknechtler beobachteten die Aktivitäten an ihrem früheren Arbeitsplatz wohlwollend, „sie sagen: Schön, dass es hier weitergeht.“

Vom Grafenberg aus ist das Hochregallager gut zu sehen

Das Regalbediengerät, das jetzt seinen Platz im neuen Hochregallager hat, ist nicht das einzige. Sieben weitere werden noch in das Gebäude integriert, das im Übrigen laut Rainer Rommel nur unwesentlich höher ist als das höchste frühere Bauknecht-Haus – wenn überhaupt. Markant ist es aber allemal, wie der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Kranaktion, der zusammen mit Gabi Koch, der Leiterin der Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr bei der Stadt Schorndorf, von einem Termin auf dem Grafenberg zur Kranaktion eilte, feststellte: Von eben diesem Grafenberg sehe man die Stadtkirche, „den Turm, in dem oben eine Bar ist“ (gemeint ist natürlich der Postturm), das Rathaus und eben dieses Hochregallager, das künftig Platz bietet für 17 520 Paletten.

Das Hochregallager ist eines der modernsten automatisierten seiner Art in Deutschland, wie Rainer Rommel ausführte. Zum Umzug von Löffelhardt nach Schorndorf meinte er, es gebe „kaum eine Entscheidung, die gravierender ist als die Verlegung eines Unternehmens“. Er sprach von einem „Meilenstein“ und wertete den vor zwei Jahren getroffenem Entschluss „als Zeichen, dass wir auf die Zukunft setzen“. Seine Schwester meinte: „Man hat im Unternehmerleben nicht oft die Möglichkeit, an einem neuen Standort zu bauen.“ Wobei anzumerken ist, darauf wies Rainer Rommel hin, dass ehemalige Bauknecht-Gebäude auch revitalisiert werden. Er freute sich sehr darüber, „dass wir voll im Zeitplan sind“. Es laufe hier „nicht wie ein Schweizer, sondern wie ein schwäbisches Uhrwerk: Alle Zahnräder greifen ineinander.“ Ende 2018 werde das Löffelhardt-Stammhaus samt Hauptlager in die teilweise neu errichtete beziehungsweise von Grund auf renovierte neue Zentrale in Schorndorf ziehen. Dann, so Rainer Rommel, „sind die vielen Schmerzen, die wir am bisherigen Standort haben, vorbei“.

Rommel weiß, dass Hochregallager „immer umstritten sind“

Rommel ist auch klar, dass „Hochregallager immer umstritten sind“. Manche „empfinden sie als störenden Kubus auf dem Gelände“. Die Firma Löffelhardt werde aber nicht nur auf die automatisierte Logistiktechnik setzen, sondern sie in den sanierten Bauknecht-Hallen um eine manuelle Lagerhaltung ideal ergänzen.

Sabine Bachmann betonte ausdrücklich, dass der Firma Löffelhardt eine „gute Nachbarschaft“ und die „Begegnung auf Augenhöhe“ wichtig seien. Beides funktioniere von Anfang an mit der Stadt Schorndorf gut, die Zusammenarbeit laufe partnerschaftlich. Ihr Bruder und sie würden auch großen Wert auf die Sozialräume für die Mitarbeiter am neuen Standort legen, „sie können ihre Wünsche äußern“. Sicher könnten aber nicht alle erfüllt werden. Schon jetzt arbeiten laut Sabine Bachmann 20 Löffelhardt-Leute in Schorndorf, „wir nehmen unsere Verantwortung als Arbeitgeber hier also bereits jetzt wahr“. Nach und nach würden auch etwa 25 Auszubildende in die Daimlerstadt kommen. Bachmann wies besonders darauf hin, dass die Firma Löffelhardt viele langjährige Mitarbeiter habe. Sie und alle anderen, so ihr Wunsch, sollen sich in Schorndorf wohlfühlen. Denn wenn dem so sei, würden sie produktiver und kreativer arbeiten.

Klopfer lobt die gute Zusammenarbeit

OB Klopfer erinnerte daran, dass vor knapp zwei Jahren in Schorndorf Wirtschaftsförderung der ganz besonderen Art betrieben worden sei, „am 23. Dezember, einen Tag vor Heiligabend“. Da seien die Pflöcke eingeschlagen worden dafür, dass die Firma Löffelhardt den allergrößten Teil des ehemaligen Bauknecht-Geländes kauft. Wie Bachmann lobte auch das Stadtoberhaupt die gute Zusammenarbeit und die Augenhöhe, auf der man sich von Anfang an begegnet sei und heute noch begegne. Klopfer hieß vorab schon alle Löffelhardt-Mitarbeiter willkommen in der Daimlerstadt und sagte zu den beiden Geschäftsführen Rommel und Bachmann, wenn sie nach Schorndorf ziehen wollten – „gerne“.

„Unheimlich stolz“ war Geschäftsführer Philipp Hahn-Woernle von der Firma viastore, „dass wir das mit Ihnen machen dürfen“. „Das“ ist das „topmoderne“ (Hahn-Woernle) Hochregallager, das derzeit entsteht. Auch Hahn-Woernle sprach von „Augenhöhe“, auf der man sich begegne. Er regte – augenzwinkernd – an, „zum nächsten Projektschritt zu schreiten, damit wir im Zeitplan bleiben“. Was folgte, war die spektakuläre Kranaktion.

„Hochregalhochzeit“

Was am Mittwochnachmittag auf dem Gelände der Firma Bauknecht passiert ist, nennt man „Hochregalhochzeit“. „Was das ist, wusste ich bis letzte Woche auch nicht“, gab Löffelhardt-Geschäftsführer Rainer Rommel unumwunden zu.

Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der auch Standesbeamter ist und in dieser Funktion Ehen schließt beziehungsweise beurkundet, dachte über die „Hochregalhochzeit“ laut und nicht ganz Ernst nach: Ist es Ihr freier Wille, mit dem Hochregallager die Ehe einzugehen? Oder so ähnlich.

Wohl unfreiwillig gab Philipp Hahn-Woernle, Geschäftsführer der Firma viastore, die für Löffelhardt das automatische Hochregallager in Silo-Bauweise liefert und installiert, einen Tipp in die richtige Richtung, als er sagte: „Mit Löffelhardt wollten wir fürs Leben gern zusammenarbeiten.“ Allerdings: „Hochregalhochzeiten“ gibt es offenbar immer dann, wenn – wie am Mittwochnachmittag geschehen – etwas Besonderes an einem Bau dieser Art passiert. Schließlich braucht man ja einen Grund zum Feiern.

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