Schorndorf Stadtmarkt: Mindestens 25 000 Menschen in der Stadt

Oben die bunten Gartenschau-Fahnen, unten das bunte und dicht gedrängte Volk der Stadtmarkt-Besucherinnen und -Besucher. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Mit dem Wetter ist’s wie mit den Schiedsrichterentscheidungen im Fußball: Wer heute benachteiligt wird, hat nächste Woche Glück. Oder, um auf den Stadtmarkt zu kommen, nächstes Jahr: „Verregnet, kalt und schlecht besucht“ hatte es vor Jahresfrist an dieser Stelle geheißen. Und diesmal das genaue Gegenteil: Es war trocken, es war frühlingshaft mild – und die Stadt war den ganzen Tag über voller Menschen.

Und zwar voller gut gelaunter Menschen, die sich die für so einen Markt typischen Düfte um die Nase wehen ließen und bei annähernd Biergartenwetter noch einmal ausgiebig Sonne und Wärme tankten und um für den Herbst, so er denn jetzt wirklich kommt, gewappnet zu sein. Und so hat denn inmitten all des Trubels auch der Weststadtverein die Gelegenheit genutzt, die Pflanzen, die während der Gartenschau die beiden Kräuterpavillons geziert haben, zu verschenken, um die Pavillons einmotten und – hoffentlich – im nächsten Jahr wieder auspacken und aufstellen zu können. Wie überhaupt an diesem Wochenende auch an anderer Stelle der große Gartenschau-Ausverkauf stattgefunden hat.

Was darf’s sein: Das Liebes-Tagebuch oder der Schmerzcode?

Fast etwas geschenkt bekommen haben auch alle die, die etwas abseits des größten Stadtmarkt-Trubels in der Neuen Straße durch die beiden Flohmärkte gebummelt sind. Den einen, den klassischen Flohmarkt, hatten – ganz unbürokratisch und stressfrei, weil ohne Anmeldung, Standgebühren und frühes Aufstehen – Kinder mit ihren Eltern (oder umgekehrt) bestückt, den anderen überwiegend erwachsene Menschen, die es an der Zeit gefunden haben, mal wieder ihre Bücherregale zu sortieren oder zu schauen, was sich im Lauf der Jahre in den Bücherkisten angesammelt hat und unters lesende Volk gebracht werden will. Ein solches Spektrum findet sich in keiner Buchhandlung, auch was die Erscheinungszeiträume angeht. Kinder-, Hör- und Kochbücher in allen Facetten und ein Themenspektrum, das vom Liebes-Tagebuch bis zum Schmerzcode und vom „Ende aller Diäten“ bis zur Erfahrung „Trotzdem ja zum Leben sagen“ zu können, reicht.

Der Stadtmarkt selber – kombiniert im Übrigen wie immer mit einem allem Anschein nach ebenfalls gut angenommenen verkaufsoffenen Sonntag – bot wieder all das, was die zahlreichen Besucher ganz offensichtlich erwarten.

Hier den neuen Duo-Schäler (was der wohl alles kann?), natürlich garantiert spülmaschinenfest, dort den guten alten Besen für die schwäbische Kehrwoche – und für ganz besondere Anforderungen auch noch die Spezialheizkörperbürste, damit auch drinnen kein Stäubchen aufwirbelt. Dort, weil’s ja vielleicht doch mal wieder Winter wird, die warmen Socken und die Fellmütze, dort, weil frau ja auch unter der warmen Mütze was hermachen will, die Ohrringe zum Sonderpreis – bezahlbar im Übrigen auch mit EC-Karte. Die Marktbeschicker sind halt auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und weil so ein Stadtmarkt auch ein bisschen internationales Flair braucht, locken hier Spezialitäten aus Kalabrien und dort Käse aus dem Bregenzer Wald.

Aber wer Zeit und Platz gefunden hat, sich für ein Schwätzchen oder einfach eine Pause niederzulassen, der war auch mit einer ganz gewöhnlichen heimischen Wurst und einem Schorndorfer Bier gut bedient. Derweil sich die Kinder ganz klassisch auf dem Karussell oder - etwas weniger klassisch - beim Trampoling-Bungee vergnügten. Jedem das Seine, wie es sich für einen solchen Bilderbuch- Stadtmarkt gehört.

25 000 Menschen

Ein Stadtmarkt wie dieser – da strahlen die beiden Organisatoren Uli und Andreas Fink um die Wetter. „Ein guter Tag für Schorndorf“, bemüht Centro-Geschäftsführer Uli Fink ein geflügeltes Wort des Oberbürgermeisters, um seiner Zufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Und der für die ganze technische Abwicklung zuständige Andreas Fink vermeldet „keine besonderen Vorkommnisse“.

Mindestens 25 000 Menschen dürften die Stadt an diesem Stadtmarkt-Sonntag bevölkert haben, schätzen die beiden. Wobei der Stadt im Übrigen die einzige derartige Veranstaltung ist, die das gesamte Stadtgebiet und – zumindest theoretisch – auch die Stadtteile einschließt – im Gegensatz etwa zum „Frühlingserwachen“ oder zum Siechenfeldfest, die jeweils nur einen bestimmten Bereich des Stadtgebiets abdecken.

Ein gewisser Austausch, berichtet Andreas Fink, hat bei den Marktbeschickern stattgefunden. Einige langjährige Beschicker seien nach den beiden zuletzt witterungsmäßig nicht gerade begünstigten Jahren weggeblieben, dafür seien aber einige neue hinzugekommen, so dass sich an der Gesamtzahl, die sich in den vergangenen Jahren bei 50 bis 60 eingependelt habe, nichts geändert habe.

Gleichzeitig hätten, so Uli Fink, immer mehr Einzelhändler erkannt, dass es sich auszahle, am verkaufsoffenen Sonntag nicht nur in den Geschäften auf Kunden zu warten, sondern auf die Straße zu gehen und die Kunden dort anzusprechen. Insgesamt hatte Uli Fink bei einem kurzen Rundgang den Eindruck gewonnen, dass auch die Einzelhändler während des Stadtmarkts gut zu tun hatten: „Keiner hatte Zeit, mit mir zu sprechen.“

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