Schorndorf/Stuttgart Erdrückende Beweise gegen Dealer

Symbolbild Justitia Foto: Mogck/ZVW

Schorndorf/Stuttgart. Abgehörte Telefongespräche deuten auf einen schwunghaften Handel mit Drogen hin. Das Trio aus Schorndorf, angeklagt wegen Drogenhandels im großen Stil, muss sich vor dem Landesgericht Stuttgart verantworten.

Wie berichtet, hatten die Angeklagten zunächst zu den Vorwürfen der Anklage geschwiegen. Je früher sie ihre Geständnisse ablegten, mahnte die Vorsitzende Richterin mehrere Male, desto höher falle gewöhnlich der Strafrabatt aus. Nach einer Verhandlungsunterbrechung gaben die drei über ihre Verteidiger jeweils eine Erklärung zur Person und zur Sache ab.

Telefonüberwachung seit Januar 2018

Sie räumten die Anklagepunkte ein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio bandenmäßigen Handel mit Drogen vor. Zwischen Oktober 2017 und April 2018 hatten sie kiloweise Marihuana sowie Amphetamine vertickt sowie einer der drei Angeklagten, ein 32-Jähriger, auch zum Eigenverbrauch Kokain gekauft.

Die Frage ist, ob es sich um eine Bande handelt, wie die Staatsanwaltschaft vermutet, oder bloß um drei Freunde, die mit Drogen handelten, um ihren Rauschgiftkonsum zu finanzieren. Gespräche mit einer Gutachterin, um die Frage einer Rauschgiftsucht abzuklären, lehnten die Angeklagten ab. Ins Visier der Kripo war das Trio im Oktober 2017 bei der Observation eines anderen Drogendealers in Schorndorf geraten. Seit Januar 2018 wurden Telefone überwacht.

Belastende Telefongespräche

Die wichtigsten Beweismittel am zweiten Verhandlungstag waren diese Aufzeichnungen unzähliger Telefongespräche, abgehört von mehreren, meist auf falsche Namen angemeldeten Mobiltelefonen. Richterin Manuela Haußmann spielt diese im Gerichtssaal vor: Der Inhalt ist belastend. Die Gespräche, geführt von den Angeklagten, zeugen von Drogenkäufen und -verkäufen. Einen potenziellen Kunden aus Winnenden verweist ein Angeklagter an einen „Kollegen“ in Backnang.

Ein Polizeibeamter, der bei der Durchsuchung der Wohnung des 40-jährigen Angeklagten maßgeblich beteiligt war, berichtet im Zeugenstand von seinen Entdeckungen. Der nur über die Wohnung des Angeklagten zugängliche Bühnenraum sei zur einen Hälfte ein Partyraum, zur anderen ein Lager- und Verpackungsraum für Marihuana mit leeren Vakuumverpackungen, Foliermaschine und Abfülltütchen.

Ein Finanzermittler hatte die Bankkonten der drei gründlich unter die Lupe genommen. Beim Partyraumbesitzer konnte er nichts allzu Auffälliges feststellen, dieser ist auch der einzige Erwerbstätige des Trios. Der zweite Angeklagte, ein arbeitsloser 32-Jähriger aus Schorndorf, hat zwar keine auffälligen Einzahlungen auf seinem Konto, allerdings wundert der Ermittler sich, wovon der Angeklagte überhaupt lebt, so niedrig sind seine offiziellen Einkünfte.

Tausende Euro auf den Konten

Noch schlechter sieht es für den dritten Angeklagten aus. Das Konto des momentan arbeitslosen 34-Jährigen zeugt von vermehrten und regelmäßigen Bareinzahlungen in Höhe von mehreren Tausend Euro und mehreren Überweisungen auf drei rumänische Konten. Ein Geldtransfer zwischen den drei Angeklagten ließ sich laut Zeuge nicht nachweisen.

Die Verhandlung wird am 18. Oktober fortgesetzt.

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