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Schorndorf Übung: Umgekippter Bus und 24 Verletzte

Schorndorf. Das Szenario – ein Unfall mit einem umgekippten Bus und drei weiteren Beteiligten Fahrzeugen – auf der Westumfahrung war schrecklich, das Aufgebot an Rettungskräften entsprechend groß. Aber obwohl die Feuerwehrleute deutlich in Überzahl waren, standen bei dieser Übung andere im Mittelpunkt: Die Notärzte aus der Rems-Murr-Klinik, die es, so die Übungsannahme, mit insgesamt 24 verletzten Personen – von ganz schwer über mittelschwer bis leicht – zu tun hatten.

Yvonne Kempf ist Oberärztin in der Abteilung für Anästhesie an der der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf. Sie koordiniert bei diesem angenommenen Unfall die Arbeit ihrer insgesamt elf Kolleginnen und Kollegen, die insofern eine absolut realistische Situation antreffen, als ihre personellen Ressourcen bei so einer Vielzahl von Verletzten nicht ausreichen, um alle Verletzten gleichzeitig zu versorgen. Also muss zunächst einmal gesichtet, oder, wie es in der Fachsprache heißt, triagiert werden, um priorisieren zu können, wo medizinische Hilfe sofort und wo sie nachrangig gebraucht wird. Was an den jeweiligen Verletzten durch rote (für akute vitale Bedrohung und Sofortbehandlung), gelbe (für schwer verletzt und Überwachung) und grüne Umhängekarten (für leicht verletzt und spätere Behandlung) kenntlich gemacht wird. Was in diesem Fall schon mal vorab im Rahmen einer „Trockenübung“ passiert, ehe das Ganze unter regulären Übungsbedingungen, zu denen beispielsweise die Hilfeschrei der im umgekippten Bus eingeschlossenen Verletzten gehören, noch einmal durchexerziert wird.

Eine für die meisten Notärzte ungewöhnliche Konstellation

„Wir Ärzte sind es ja gewöhnt, individualmedizinisch zu behandeln“, sagt Yvonne Kempf und stellt fest, dass eine solche Situation, wie die Notärzte sie bei dieser Übung erleben, für ihre Kolleginnen und Kollegen erstens eine große Umstellung und zweitens etwas ist, was die meisten von ihnen in der Realität – „Gott sei Dank“ – noch nie erlebt haben. Gleichwohl müssen sie sich darauf einstellen, zumal es in der Realität so ist, dass kein Leitender Oberarzt vor Ort ist, sondern dass automatisch einer aus dem zuerst am Unfallort eintreffenden Notarztteam die Leitung des Einsatzes übernimmt. Darüber hinaus hat so eine Katastrophenübung aus übereinstimmender Sicht von Yvonne Kempf und dem Kommandanten, der an dieser Übung mit rund 40 Einsatzkräften der Feuerwehr beteiligten Abteilung Stadt, Peter Lämmle, aber natürlich auch insofern etwas Gutes, als sich die wenigstens schon mal gesehen haben, die auch im Ernstfall wieder vor Ort sein könnten. Und dazu gehören natürlich zwangsläufig auch das örtliche DRK-Team unter Führung von Bereitschaftsleiter Josef Herbert und der Rettungsdienst, der diesmal allerdings wegen anderer Verpflichtungen fehlt.

Feuerwehr: Brandbekämpfung war diesmal Nebensache

Der Feuerwehr kommt bei diesem Übungseinsatz weniger die Aufgabe der Brandbekämpfung zu – abgesehen von einem durch den angenommenen Unfall von der Straße abgekommenen Auto, das plötzlich in Brand gerät –, sondern die der technischen Hilfeleistung, also die Stabilisierung des in Schräglage befindlichen Busses, die Bergung der Verletzten und deren Abtransport. Letzteres natürlich jeweils in enger Abstimmung mit den Notärzten, die in einem solchen Fall innerhalb kürzester Zeit entscheiden müssen, wer sofort ärztliche Hilfe benötigt, wer möglicherweise etwas länger warten kann und wer schließlich eventuell sogar selber in der Lage ist, sich ins mittlerweile aufgebaute Versorgungszelt des DRK zu begeben.


Täuschend echt

Offensichtlich hat die auf der Westumfahrung arrangierte Übungsszenerie von Weiterem betrachtet so täuschend echt ausgesehen, dass schon am Samstagvormittag im Internet Fake News die Runde gemacht haben, in denen von einem schweren Unfall auf der Westumfahrung berichtet wurde. Die wegen der Aufbau- und Aufräumarbeiten den ganzen Tag über andauernde Straßensperrung – die ersten Helfer waren schon um 6 Uhr morgens vor Ort – könnte da ein Übriges getan haben.

Aber nicht nur das Unfallszenario wirkte täuschend echt, auch die vom Schminkteam des DRK Rems-Murr behandelten Verletzten sahen aus, als seien sie wirklich blutüberströmt oder als hätten sie gerade wirklich einen Arm verloren. Kommentar von Oberärztin Yvonne Kempf zu dieser Schminkorgie: „Abartig gut.“

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