Schorndorf Umlaufgitter: Gefahr für Radler?

 Foto: Peter Winter

Schorndorf.
Das ist typisch fürs Schorndorfer Radwegenetz: Anstatt Radfahrern eine lückenlose Verbindung von Ost nach West und von Nord nach Süd zu ermöglichen, zwingen Zebrastreifen und Unterführungen immer wieder zum Absteigen. Über ein neues Hindernis am neuen Radweg Richtung Au ärgert sich Peter Winter, der sich jahrelang in der Schorndorfer Fahrradwerkstatt für Asylsuchende engagiert hat, aber nicht nur aus diesem Grund, er hält die am Bahnübergang Heinkelstraße vom Hammerschlag in Richtung Rems beziehungsweise Innenstadt für „lebensgefährlich“: Die Rede ist von den dort angebrachten Umlaufgittern, die den Radweg von der Straße trennen. Für Winter alles andere als zeitgemäß: „Kann man 2019 wirklich noch solche Radwege bauen?“

Entsetzt ist Winter aber vor allem deshalb, weil er in Kassel eine Familie kennt, deren Sohn mit dem Rad über ein ähnliches Hindernis gestürzt, seither von den Halswirbeln abwärts gelähmt ist und zu 100 Prozent gepflegt werden muss. „Diese Schlagzeilen“, betont Winter, „möchte ich Schorndorf gerne ersparen: Deshalb weg mit dem lebensgefährlichen Hindernis am Radweg!“

Gitter statt Hubsignal, das nur die Anwohner stört

Doch die Stadt Schorndorf denkt gar nicht daran, das Umlaufgitter wieder abzumontieren. Auf die Situation am Radweg angesprochen und um eine Stellungnahme gebeten, wies Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich jede Fehlplanung von sich: „Wir kommen auch nicht auf der Brennsupp’ dahergeschwommen.“ Tatsächlich habe es im Juni einen Vororttermin mit dem Straßenbauamt, dem Polizeipräsidium Aalen und der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) gegeben, in dem vor allem die Vertreter der Bahn strikte Sicherheitsmaßnahmen gefordert haben.

Zu groß, bestätigt auch der Eisenbahnbetriebsleiter Oliver Arnhold aus Waiblingen, sei hier die Gefahr, dass Radfahrer vom Radweg schräg an der geschlossenen Halbschranke vorbei über die Gleise fahren und von der Wieslauftalbahn erfasst werden könnten. In Rudersberg, erinnert Arnhold, sei es vergangenes Jahr wegen einer ähnlichen Situation zu einem tödlichen Unfall mit einem Radfahrer gekommen. „Es muss sicher sein“, betont Arnhold und hält die vorher geltende Regelung, dass die Lokführer an dieser Stelle ein Hubsignal geben müssen, für keine geeignete Alternative – auch wegen der Anwohner. Für ihn ist klar: Die Radfahrer müssen zum Absteigen gezwungen sein.

Radfahrer fahren über den Grünstreifen

Da für Peter Winter aber vor allem in der Dunkelheit Gefahren für Radfahrer lauern, weil das Umlaufgitter für ihn schlecht zu sehen ist, will Hemmerich jetzt zumindest doch prüfen lassen, ob das Umlaufgitter ausreichend ausgeleuchtet ist – und gegebenenfalls nachbessern.

Warum aber die gleiche Absperrung, die auf dem kombinierten Fußgänger-/Radweg, der von der Brücke Richtung Media-Markt an der Heinkelstraße führt, ein paar Hundert Meter weiter abmontiert wurde, versteht Peter Winter nicht. Auf Anfrage erklärt Edgar Hemmerich, dass das Gitter „im Zuge der Zertifizierung unserer Radwege“ entfernt wurde. „Auch wir“, führt Hemmerich weiter aus, „folgen natürlich der Tendenz, diese Sperren/Gitter möglichst zu reduzieren. Nur dort, wo es aus Gründen der Verkehrssicherheit unabdingbar ist, werden Gitter angebracht beziehungsweise verbleiben.“ An der bemängelten Stelle am neuen Radweg im Hammerschlag haben die Radfahrer allerdings schon einen besseren Weg gefunden: rechts am Umlaufgitter vorbei über den Grünstreifen.

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