Schorndorf und Umgebung „Kulti“ – eine unglaubliche Geschichte

300 zum Teil weltberühmte Bands nach Winterbach geholt / Ehrenamtliche Kulturarbeit – und kein bisschen müde

Winterbach. Schulturnhalle Winterbach, 28. April 1991. Steve Gibbons steht auf der Bühne und unten im Saal sind sie selig. Was sie vor wenigen Wochen noch spinnert geträumt hatten, war Wirklichkeit geworden: ein Rockkonzert mit einer internationalen Größe in ihrem Dorf. Der Beginn einer unglaublichen Geschichte, in deren Verlauf diese ehrenamtlichen Musikverrückten der „Kulti“ reihenweise Weltstars, Bluesgrößen, lokale Künstler und zig Tausende Besucher nach Winterbach geholt haben.

Es hat fast eineinhalb Jahre gedauert, bis sich die Idee zu verstetigen begann: Im September 1992 startete mit dem Auftritt der hiesigen Bands „Hard Drivin’ Mama“ und „Smiling Faces“ eine bis heute andauernde furiose Serie von Konzerten – mal in der Schulturnhalle, später Lehenbachhalle genannt, mal in der größeren Salierhalle, wo um die 1500 Besucher Größen wie Eric Burdon, Colosseum, Peter Frampton zujubelten – und bei der legendären 30er-Feier des Mabluesers „Gaz“ Brodbeck mit den local heroes der Blues- und Rockszene feierten. Schon sechsmal wurde im großen Zirkuszelt gerockt und einmal im Lindwurm der Bluesparade, bei der 39 Bands auf Trucks durch die von Tausenden gesäumten Straßen Winterbachs zogen. Glorreiche Glanzpunkte, einer nach dem anderen – gesetzt mit Hilfe einer zusammengeschweißten Mannschaft aus Aktiven, die immer wieder große Anteile ihres Jahresurlaubs für Großveranstaltungen der „Kulti“ hergeben und die im laufenden Konzertbetrieb nach Feierabend anrücken, um die Hallen konzertfertig und spät in der Nacht besenrein zu machen. Kein Hauptamtlicher dabei, der Geld verdient. „Einzigartig“ sei das, betont Steffen Clauss, Vorsitzender der Kulturinitiative seit rund 15 Jahren und schon zu Zeiten seines Amtsvorgängers Thomas Bächner dank fundierter Kenntnisse des Musikmarkts und der Bluesrock-Szene Programmchef der Kulti, die in den 20 Jahren gut 300 Bands zu Gast hatte (genaue Aufzählung im Internet: www.kulturinitiative.de, unter Verein, KiR-Geschichte).

Steffen Clauss erinnert sich: In den ersten fünf Jahren habe die Kulturinitiative „den Ball ziemlich flach gehalten“. Vier, fünf Konzerte pro Jahr – eine überschaubare Angelegenheit. Man habe sich dann aber „sukzessive gesteigert“. Die Ansprüche der „Kulti“ und die ihres Publikums sind sukzessive mitgestiegen. Heute hat die Kulturarbeit dieses Vereins ein Niveau erreicht, das nicht nur der Gemeinde zum beneideten Aushängeschild gereicht, sondern auch eine weit über Winterbach hinaus wirkende Ausstrahlung besitzt. Hinzu kommt, dass die „Kulti“ wegen ihres respektvollen Umgangs und ihrer sensiblen Rundumversorgung in der Künstlerszene einen hervorragenden Ruf genießt. Werte, für die man sich in der heutigen Zeit freilich immer weniger kaufen kann.

Sich behaupten in einem immer brutaleren Markt

Der Markt ist brutal geworden, wie Steffen Clauss zu berichten weiß. Gagen, die Veranstalter an den Rand des Ruins treiben, Agenturen, die knallharte Bedingungen diktieren. Und mittendrin die „Kulti“, nach wie vor bestrebt, diesen gewaltigen Druck so gut es geht von ihrer Kundschaft fernzuhalten und erträgliche Kartenpreise zu kalkulieren. So muten die Eintrittspreise beim Zeltspektakel im Juli manchen vielleicht hoch an, aber Clauss betont, dass die „Kulti“ auch hier antritt mit dem „Anspruch, die Karten so günstig wie möglich zu verkaufen“. Mit Erfolg: Tickets für die gleichen Künstler kosten andernorts um einiges mehr, wie Clauss weiß.

Als Veranstalter ist die Kulturinitiative mittlerweile in einer „schwierigen Zwickmühle“ (Clauss). Soll sie mithalten auf dem immer hitziger werdenden Markt? Oder soll sie sich von den Großveranstaltungen verabschieden und den reizvollen kleineren Herausforderungen zuwenden? Eine Diskussion, die aktuell geführt wird im Verein mit seinen inzwischen fast 400 Mitgliedern. Welches Ergebnis auch immer am Ende dieses Denkprozesses steht: Steffen Clauss brennt darauf, weiter dabei zu sein. Er ist überzeugt, dass die „Kulti“ noch eine lange Strecke vor sich hat: „Solange es Künstler gibt, die sich anzuhören lohnen, so lange gibt es bei uns Motivation.“

Motivation kommt auch von innen: Der Ausschuss sowie der Vorstand mit Steffen Clauss, der zweiten Vorsitzenden Luise Christmann, Kassier Alex Bihler, Wirtschaftsführer Walter Bärlin und Schriftführer Mathias Nachtrieb fördern den innerbetrieblichen Zusammenhalt mit Angeboten wie Stammtisch, Helferfeste, Fackelwanderung, legendäre Ausflüge.

 

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