Remshalden Eine moderne, helle, freundliche Schule

Remshalden-Geradstetten. Es war mit 11,1 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Gemeinde – eine aber, die Kosten und Mühen gelohnt hat. Und auf die man in Remshalden jetzt zurecht mit Stolz blickt. Zum Beginn des Schuljahres hat die neue Realschule ihren Betrieb aufgenommen. Am Samstag wurde sie nun offiziell und feierlich eingeweiht.

Zugegeben, der Neubau an der Friedensstraße sieht noch ein wenig nach Baustelle aus. Vor allem der Pausenhof, auf dem Bauzäune das Bild prägen. Doch Bürgermeister Stefan Breiter sagte in seiner Rede: „Es war mutig, aber auch richtig, den Umzug zum Schuljahresbeginn zu machen.“

Dies sei zwar ein „Kraftakt für alle“ gewesen. Für alle Anwohner, die seit März 2016 „ohne Klage und ohne Beschwerde die Baustelle ertragen haben“, für Rektorin Monika Behrend und ihre Schulgemeinschaft, die an der Planung mitgearbeitet und dann noch unter Baustellen-Bedingungen Anfang September ins neue Gebäude umgezogen ist. Den Gemeinderat, der trotz schwieriger Haushaltslage die Millionenfinanzierung (auch mit Hilfe von Fördermitteln in Höhe von 2,86 Millionen Euro) gestemmt habe. Und nicht zuletzt Jan Wölfl, Sachgebietsleiter Hochbau, bei dem „alle Fäden zusammenliefen“. Doch zusammen habe man nun in Remshalden eine „moderne, helle, freundliche Schule geschaffen.“

„Weiterer Schritt hin zur Neuen Mitte“

Dass die Hauptschule geschlossen und die ehemalige Ernst-Heinkel-Realschule nicht nur umbenannt, sondern auch auf dem einstigen Hauptschulgelände neu entsteht, habe sich als richtige Entscheidung erwiesen. Zumal das Gebäude in unmittelbarer Nähe zu Rathaus, Kinderhaus, betreutem Wohnen und der Wilhelm-Enßle-Halle stehe. Und damit als „weiterer Schritt hin zur Neuen Mitte“ verstanden werden darf.

Entscheidend, so Breiter, sei aber, dass dieser Bildungsort jetzt auch zum Wohlfühlort werde. Ob eine Schule gut sei, entscheide sich ja letztlich nicht am Gebäude, sondern an den Menschen, die das Gebäude mit Leben und Werten erfüllen. Im Rückblick auf seine Lehrer empfinde er heute noch Respekt und Dankbarkeit. Die Bedeutung der Schulbildung ist für Breiter, so viel darf unterstellt werden, keine politische Rhetorik, sondern ganz ehrlich und persönlich erlebte Überzeugung.

Zwei Herzenswünsche richtete der Bürgermeister an die Ministerin

Mit besonderem Stolz erfüllte den Bürgermeister darum auch die Anwesenheit von Susanne Eisenmann, Kultusministerin des Landes. Breiter nutzte Eisenmanns Besuch, um zwei Wünsche zu formulieren. Zum einen in Hinblick auf den Erhalt der klassischen Schulformen. Dass in diesem Jahr 79 Prozent der Fünftklässler im Südwesten auf Gymnasium und Realschule wechselten, spreche eine deutliche Sprache: „Halten Sie darum auch in Zukunft schützend die Hand über die Realschulen!“ Zum anderen der Wunsch nach Durchlässigkeit. Dies auch mit Blick auf seine eigene Bildungsbiografie, die mit schlechten familiären Voraussetzungen und einem Hauptschulabschluss begann und ihn mit Fleiß und Aufstiegswillen bis ins Schultesamt brachte. Schulischer Aufstieg müsse unabhängig von der sozialen Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern möglich sein, forderte Breiter. „Tragen Sie Sorge, dass das auch in Zukunft so bleibt!“

„Eine klasse Leistung!“

Dem konnte Eisenmann nur schlecht widersprechen: „Eine ganz starke Schulart waren, sind und werden auch künftig die Realschulen sein“, so die Ministerin. Keiner anderen Schulart gelinge es besser, Jugendliche in den Arbeitsmarkt oder in die höhere Bildung zu vermitteln. „Wir bauen daher auch in Zukunft auf euch!“ Berufliche und akademische Bildung sei ihrer Überzeugung nach gleichwertig, das habe sich in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt leider etwas verschoben. Umso mehr erfreute es die Ministerin, dass sie, was selten genug passiere, hier in Remshalden bei der Einweihung eines Realschulen-Neubaus zugegen sei. „Was Sie hier stemmen, davor habe ich großen Respekt. Eine klasse Leistung! Sie feiern sich heute zurecht selbst.“ Doch nicht nur für den Neubau fand sie anerkennende Worte. „Auch was inhaltlich-pädagogisch hier geleistet wird: weiter so. Macht ihr klasse!“

Stolz auf die neue Schule

Durchaus mit Wehmut hätten die Schüler die Ernst-Heinkel-Realschule verlassen, berichtete Rektorin Monika Behrend. Und ja, man habe in den letzten Wochen noch viel improvisieren müssen. „Dieser holprige Start gibt uns aber auch die Chance, langsam von der neuen Schule Besitz zu ergreifen.“ Und letztlich sei die Schulgemeinschaft ja „überaus stolz auf unsere neue, moderne, wunderschöne Schule.“ Die Bedeutung der Lernumgebung sei nicht zu unterschätzen. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, sagte Behrend, den italienischen Erziehungswissenschaftler Loris Malaguzzi zitierend. Zumal die Schule, Stichwort Ganztagesbetreuung, immer mehr zum zentralen Raum im Leben der Schüler werde. Umso dankbarer sei sie, dass die Gemeinde mit dieser Investition nicht nur die Bedeutung der Bildung hervorgehoben habe, sondern die Schule sich auch von Anfang an bei der Planung habe einbringen können. Behrend dankte nicht nur dem Bauamt für die enge Zusammenarbeit, sondern auch den Architekten für ihre „hervorragende Umsetzung unserer Ideen.“ Die Schule sei ein „rundum gelungenes Werk“ geworden.

Die beiden Schülersprecher führen souverän durch den Festakt

Dass schulische und berufliche Bildung in der Vergangenheit nicht immer eine Selbstverständlichkeit gewesen sei, betonte dann Elternbeiratsvorsitzende Ute Holz in ihrer kurzen Rede. „Unsere Kinder haben das Glück, in einer friedlichen Umgebung aufzuwachsen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, bemerkte schließlich Birgitta Meyer-Riedel, Zweite Vorsitzende des Schul-Fördervereins. Auch dieser habe sich im Rahmen des Umzugs einen neuen Namen geben müssen und heiße nun „Impuls“. Ansonsten sei aber alles beim Alten, Wohl und Förderung der Schüler nach wie vor oberstes Anliegen.

Schüler-Lehrer-Chor

Eine kleine Premiere gab es bei dem Festakt auch zu feiern: Schüler und Lehrer sangen erstmals gemeinsam auf einer Bühne im Chor. Robbie Williams’ „I love my Life“ und der Charity-Klassiker „We are the World“ rahmten die Veranstaltung musikalisch ein. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die Schulsprecher Niclas Wolf und Selina Illg. Die beiden Zehntklässler führten das Publikum souverän durch den Festakt in der Wilhelm-Enßle-Halle, standen den vielen Würdenträgern auf der Bühne dabei in nichts nach – und machten somit Lust auf das an den Festakt anschließende Schulfest.

Die neue Schule

Die neue Realschule hat 18 Klassenzimmer, zwölf Fachklassenräume und bietet Platz für insgesamt 540 Schüler.

Im gesamten Gebäude ist flächendeckend WLAN vorhanden. Acht Klassenzimmer und acht Fachklassenräume wurden mit interaktiven Whiteboards ausgestattet.

Das Gebäude wurde barrierefrei erschlossen.

Der Aufbau folgt dem Lehrerraumprinzip: Schüler kommen also zu den Lehrkräften – und nicht umgekehrt. Zwischen den Klassenzimmern gibt es zudem sogenannte Koppelräume, die als Lehrerarbeitsplatz oder für Gruppenarbeiten der Schüler genutzt werden können.

In zwei Schülerateliers können die Schüler zudem individuell oder im Team arbeiten, aber auch auf den gespendeten Sitzgelegenheiten „chillen“, wie Rektorin Behrend betonte.

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