Plüderhausen Laternenumzug mit Feuerkünstlerin

Plüderhausen.
Nach und nach treffen sie ein: Einhörner, Drachen, Fische und andere leuchtende Tiere und Objekte, die die Kinder – und erstaunlich oft auch Eltern oder Großeltern – am Stab vor sich hertragen. In manchen Lampions steckt eine Kerze, andere setzen auf den Elektro-Stab mit Glühbirne. Keine Glühbirne, sondern Glühwein gönnen sich nach dem Laternenumzug des Handels- und Gewerbevereins und des Citymarketings die Erwachsenen. Die Glühwein-Saison wurde feurig eingeleitet.

Denn Gemeinde und HGV hatten für Freitagabend eine Feuerkünstlerin engagiert. „Tanz und Feuer treffen aufeinander“, hieß es verheißungsvoll am frühen Abend. Leider steht auch eine feurige Tänzerin im tristen Stau. Doch als die Kinder ihren Laternenumzug beendet hatten und der leuchtende Lindwurm wieder Richtung Marktplatz zog, hatten Künstlerin Lydia aus Augsburg und die Freiwillige Feuerwehr bereits alles vorbereitet. Es blieb noch Zeit, sich mit Brezeln und Kinderpunsch zu versorgen, die gab’s für die Kinder umsonst, bis sich die Kleinen – und Großen – um die Absperrung stellten und auf den Auftritt der Feuertänzerin warteten.

War es gegen halb sieben noch nicht gänzlich dunkel, als sich der bunte Zug langsam in Bewegung setzte, angeführt von den Fackelträgern der Feuerwehr, gingen schließlich auch am Firmament die Lampen an. Das muss ja auch so sein, schließlich weiß jedes Kind, dass da oben die Sterne leuchten und unten sie mit ihren bunten Laternen. Und herrlich bunt sind die Lampions. Entweder hatten Eltern, Kindergartenpersonal oder Lehrer ihre Hände im Spiel, denn viele Leuchten waren liebevoll in Eigenarbeit entstanden; manche waren allerdings auch liebevoll eingekauft. Eine Oma führt mit ihrem Enkelkind einen zahmen Dino aus, „selbst gemacht!“ Der Bauch leuchtet, Beine und Schwanz baumeln herab. Auffällig sind auch die illuminierten PET-Flaschen, kunstvoll zu Libellen umgebaut. Da wurde vorab gezaubert. Auch Uwe Schuler, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins, freut sich, wenn die Kinder mit selbst gemachten Laternen losziehen. Das Basteln erzeuge eine Vorfreude. „Feuer und Licht“ sei das Motto des Umzugs. Dann stellt sich die Jugendfeuerwehr auf. Der Musikverein Hohberg legt los. Gemeinsam setzt sich der Umzug in Bewegung.

„Wenn man es ordentlich macht, sieht es so aus“

Der Zug mit Oma, Opa, Mama, Papa und dem Nachwuchs, mitunter schlafend im Kinderwagen, zieht Richtung Altenzentrum am Brunnenrain. Dort gibt es ein Ständchen. „Da ist Biene Maja“, ruft ein kleines Mädchen. „Du hast aber eine schöne Laterne, selbst gemacht?“, fragt der Redakteur, und zeigt auf die schimmernden Laubblätter, die auf dem Lampion zu sehen sind. „Wenn man es ordentlich macht, sieht es so aus“, sagt das Mädchen stolz. Von Glühbirnen hält sie wenig. Eine Kerze sorgt bei ihr für Licht. Die Kleine listet nach und nach auf, welche Motive sie sieht. Biene Maja summt hier, eine Kuh muht dort und ein Gespenst huscht durch die Reihen. Ein komplettes Piratenschiff hat ein Junge ausgeleuchtet. Eine Frau trägt keine Laterne, sondern ihren Hund – unbeleuchtet.

Zaghaft singen einige zu den Tönen der Kapelle. Als die Runde wieder zum Marktplatz kommt, legt nun endlich die Feuerkünstlerin los. Ihr assistieren die Helfer der Feuerwehr, sie löschen jede Fackel. Ein Kamerad übergibt ihr zum Ende der Show, die immer heißer wird, je spektakulärer die brennenden Utensilien sind, einen Hula-Hoop-Reifen. Ein Mädchen dreht sich mit großen Augen zu ihrem Vater um, als Feuertänzerin Lydia den an mehreren Stellen brennenden Reifen um ihren Hals kreisen lässt. Zuvor hatte sie im Takt ihrer Musik brennende Kugeln an Ketten durch die Luft gewirbelt, mit brennenden Stäben balanciert und schließlich auch brennende Bänder durch die Luft kreisen lassen, so dass es aussah, als wüchsen der Feuerkünstlerin brennende Flügel. Nicht nur die Kinder staunen. Wie ein leuchtender Hubschrauber sieht es aus, als Lydia die Stäbe über ihren Kopf schwingen lässt. Sie malt kleine Feuerkreise in den Nachthimmel. „Ist das echtes Feuer“, fragt das Mädchen ihren Vater. Der nickt. „Die hat bestimmt Handschuhe an, die nichts durchlassen“, denkt das Mädchen laut nach. Dann geht die Musik aus, und zu hören ist nur noch das Rauschen, als die Künstlerin den Hola-Hoop-Reifen kreisen lässt. Dann geht auch das letzte feurige Licht aus – und die Kinder gehen nach Haus. Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

Glühwein-Saison

Die Kinder haben ihren Spaß mit den vielen tollen Laternen, die in der Dunkelheit schimmern. Und die Eltern? Mit dem Laternenumzug beginne ja irgendwie auch die Glühwein-Saison, freut sich Uwe Schuler vom HGV, der den traditionellen Umzug vor einigen Jahr wieder reaktiviert hat.

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