Plüderhausen In wechselvoller Historie dem Gesang treu geblieben

Plüderhausen. In Stuttgart saß der liberale König Karl auf dem Thron, im Deutschen Krieg wurde die württembergische Armee geschlagen, man schrieb das Jahr 1866, als in Plüderhausen ein Herr Eckert den Gesangverein gründete. Also begeht die heutige Sängervereinigung ihr 150-jähriges Bestehen. Durch die Zeiten und die wechselvolle Geschichte ist die Freude am Chorgesang geblieben. Spaß am Singen und ein stolzes Jubiläum: wenn das kein Grund zum Feiern ist.

Video: Sängervereinigung Plüderhausen feiert ihr 150-jähriges Bestehen, unter der Leitung von Chorleiter Martin Torwarth haben die Sänger eigens ein Geburtstagständchen einstudiert.

Das tut die Sängervereinigung und widmet ihr Jubiläumsjahr speziell dem Chorgesang. Ein Höhepunkt steht nun bevor mit „Plüderhausen singt“, einem Abend, der mit einheimischen Sängern aus verschiedenen Formationen die große Vielfalt des Chorgesangs in Plüderhausen vor Augen führt.

Das gemeinsame Singen hat eine lange Tradition. In Schwaben schlossen sich bereits 1849 die Männergesangvereine im Schwäbischen Sängerbund zusammen. Auch in Plüderhausen pflegten Männer gemeinsam im Chor zu singen. Im Jahr 1866 wurde ein entsprechender Verein aus der Taufe gehoben. „Ein Mann namens Eckert gründete den Gesangverein“, heißt es dazu in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Sängervereinigung. Unter den Namen der ersten Mitglieder finden sich bekannte Plüderhäuser Familiennamen. „Diese Männer, deren Enkel zum Teil wieder dem heutigen Chor angehören, wurden von Lehrer Ramsauer dirigiert“, vermerkt die Festschrift von 1966. Nach dem Ende des sogenannten „Siebziger Kriegs“, des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, in dem auch Württemberger kämpften, schlossen sich die verbliebenen Sänger dem Militärverein an. 1887 war die Sängerabteilung im Militärverein so angewachsen, dass ein eigener Verein nahelag. Er wurde auf den Namen „Frohsinn“ getauft.

Mitglieder des „Vorwärts“ kamen aus der Arbeiterbewegung

Der junge Verein zählte im Jahr 1894 in seinem Männerchor 20 Sänger und trat dem Schwäbischen Sängerbund bei. 1913 wurde die erste Vereinsfahne geweiht.

1922 wurde ein zweiter Gesangverein in Plüderhausen ins Leben gerufen. Er erhielt den Namen „Vorwärts“, die Mitglieder kamen aus der sozialistischen Arbeiterbewegung. „Diese Vereinsgründung gab dem Sängerleben in Plüderhausen weiteren Auftrieb, eine anspornende Rivalität entstand“, hält das Büchlein zum 100-jährigen Bestehen der Sängervereinigung fest. Die Vereinsfahne des Gesangvereins „Vorwärts“ wurde 1925 geweiht. Aus politischen Gründen wurde dieser Gesangverein 1933 aufgelöst. Er wurde in den „Frohsinn“ überführt, vermerkt die alte Festschrift. 1935 übernahm Hugo Mack, der die „Vorwärts“-Sänger dirigiert hatte, die Stabsführung im Gesangverein „Frohsinn“.

Der Zweite Weltkrieg entbrannte, auch Sänger kehrten nicht zurück.

Im September 1945 wurde der Singstundenbetrieb wieder aufgenommen. Im Dezember des schicksalhaften Jahres ist die erste Ausschuss-Sitzung nach dem Krieg vermerkt. Mit dem Wahlspruch „Vereine und versöhne, was sich getrennt“ wurde aus den Vereinsnamen „Frohsinn“ und „Vorwärts“ die „Sängervereinigung Plüderhausen“ gebildet. Ein Jahr später genehmigte die amerikanische Militärregierung den Verein, die Sängervereinigung gab im Saalbau Diez das erste Nachkriegskonzert.

1950 wurde ein Gemischter Chor vorläufig gegründet. Die Frauen wirkten nur bei Konzerten mit.

Wahlspruch: „Vereine und versöhne, was sich getrennt“

Ein Jahr später wurde das 75-jährige Bestehen nachträglich gefeiert. Eigentlich wäre das 1941 zu begehen gewesen, das war aber kriegsbedingt nicht möglich. Dabei wurde auch eine neue Fahne geweiht. Diese wurde aus den Fahnen der beiden Vorgängervereine gefertigt. In die Fahne eingestickt war der Wahlspruch „Vereine und versöhne, was sich getrennt“. Der Satz bildete 1966 die Grundidee für ein Vereinswappen. Auf diesem ist der Druck zweier Hände zu sehen, Symbol der Versöhnung.

Ein Gemischter Chor wurde 1961 endgültig gegründet. Stabswechsel folgten, unter anderem ging Hugo Mack nach 46 Jahren als Chorleiter 1973 in den Ruhestand.

Die Sänger setzten auch auf die Jugend. 1974 wurde ein Jugendchor ins Leben gerufen, der seit 1983 „Junger Chor“ genannt wurde. Auch in technischer Hinsicht machte die Sängervereinigung von sich reden: 1980 wurde die erste Schallplatte mit dem Titel „O Täler weit, o Höhen“ produziert.

Ein weiterer Höhepunkt und eine gewaltige Aufgabe folgten: Die Sängervereinigung organisierte 1982 das zwölfte Chorfest des Silcher-Gaus, der aus mehr als 100 Gesangvereinen bestand. Mehr als 3000 Sängerinnen und Sänger wurden im Ort begrüßt.

Am kulturellen Leben in Plüderhausen wirkte die Sängervereinigung auch in jenen Jahren rege mit, bei Veranstaltungen der Gemeinde etwa, anspruchsvolle Chorkonzerte wurden gegeben. Seit die „Plüderhäuser Festtage“ aus der Taufe gehoben wurden, gehört die Sängervereinigung zur Arbeitsgemeinschaft der verantwortlichen Vereine.

Nicht nur beim Liedgut, auch im Theaterfach waren die Sänger bald nicht wegzudenken. Theaterbegeisterte Chormitglieder und andere gründeten 1986 das „Plüderhäuser Theaterbrettle“. Dank Fleiß und Ehrenamt gab’s bald ein eigenes Theaterhaus. Enge Beziehungen und viele Doppelmitgliedschaften der Mitglieder bewirkten 1988 die Verlegung der Chorproben der Sängervereinigung in den Saal des „Theaterbrettles“.

Kinderchor und Jugendchor ins Leben gerufen

Mit der Aufführung des Oratoriums „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn als Jubiläumskonzert wurde 1991 das 125-jährige Bestehen der Sängervereinigung gefeiert.

Im gleichen Jahr allerdings trennte sich ein Teil des Jungen Chors von der Sängervereinigung und gründete mit dem späteren Namen „TonArt“ einen eigenen Chor. Ein Jahr später übernahm Hans Jorda die Chorleitung und hatte sie bis 2015 inne.

Die Nachwuchsarbeit wurde weiterhin groß geschrieben bei der Sängervereinigung. Die Gründung des Kinderchors „confetti“ 2007 und des Jugendchors „confetti grande“ 2014 zeugen davon.

Ein feierlicher Moment im Jahr 2016 wird ebenfalls in die Vereinsgeschichte eingehen: Im Juli erhielt die Sängervereinigung vom Land Baden-Württemberg die Conradin-Kreutzer-Tafel zum 150-jährigen Bestehen.

„Plüderhausen singt“

Als Jubiläumsabend zum 150-jährigen Bestehen und als eine der Veranstaltungen ihres Jubiläumsjahrs lädt die Sängervereinigung auf Samstag, 15. Oktober, zu einem besonderen Chorabend unter dem Motto „Plüderhausen singt“ ein. Die Idee ist, viele Gesangsformationen von Plüderhausen für einen gemeinsamen Chorabend zu gewinnen und die große Vielfalt des Chorgesangs im Ort zu präsentieren.

Zehn Chöre und Gesangsgruppen bringen ab 19 Uhr ihr Können in der Staufenhalle zu Gehör. Mit dabei sind der „1. Sahnechor“, die Gruppe „Cantores“, der Chor der Herz-Jesu-Kirche, das „Doppelquartett“, „Li-Chörle“ als Chor der katholischen Kirchengemeinde, die Sängervereinigung Plüderhausen mit Gemischtem Chor, Kleinem Chor, Männerchor, dem Kinderchor „confetti“ sowie dem Jugendchor „confetti grande“, das Musikteam der evangelischen Kirchengemeinde „Sela“, „TonArt Plüderhausen“ und die VM-Band, die Lobpreisband der Volksmission. Jede Gruppe präsentiert sich in einem Auftritt, alle gemeinsam singen das Abschlusslied. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

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