Urbach Ladenöffnung als ein Stück Normalität

Eine lange Schlange hat sich am Eröffnungstag von "Hali´s Lädle" an der Kasse gebildet Foto: ZVW / Gabriel Habermann

Urbach. Nur einen Steinwurf weit entfernt von dort, wo am Freitag ein verheerendes Feuer gewütet und ein Menschenleben gefordert hat, hat es am Samstagvormittag etwas zu feiern gegeben: Halise Ahmetcakiroglu hat in der Beckengasse 17 ihren neuen Laden eröffnet und damit die Versorgungslücke geschlossen, die sich in Urbach-Nord nach der Schließung des Bonus-Marktes an gleicher Stelle aufgetan hatte.

Während die Feuerwehrleute, die in der Nacht von Freitag auf Samstag am Brandort Nachtwache gehalten haben, die letzten Schläuche zusammenrollen und zwei ältere Frauen die tragischen Ereignisse des Vortags rekapitulieren und erzählen, dass am Freitagabend gegen 21.30 Uhr noch der ganze Platz voll war mit teils schaulustigen, teils mitfühlenden Menschen, werden vor „Hali’s Lädle“, wie der neue kleine Einkaufsmarkt offiziell heißt, die Sektgläser gefüllt.

Und die ersten Kunden können es kaum erwarten, bis Punkt 9 Uhr die Ladentür aufgeht. „Noch zwei Minuten“, läutet die 28-jährige Chefin den Countdown ein und gibt zu, dass auch ihr der Schreck in die Glieder gefahren ist, als sie am Freitagmorgen darüber informiert worden ist, dass es in der Beckengasse in unmittelbarer Nähe ihres Ladens brennt. Und weil den ganzen Tag über alles abgesperrt war, war es logistisch nicht ganz so einfach, die Ware für den Eröffnungstag in den Laden zu bringen.

Einen Sektkorken knallen lassen: „Ich habe so was noch nie gemacht“

Jetzt, kurz vor Eröffnung ihres Lädles, in dem sie ihren Kunden jeden Tag frisches Obst und Gemüse sowie Fleisch, Fisch, mediterrane Spezialitäten und türkische Backwaren und auch sonst noch ein paar Dinge des täglichen Bedarfs anbieten will, ist Halise Ahmetcakiroglu ganz schön aufgeregt. „Aber wir kriegen das schon hin“, sagt sie, bevor sie sich der Herausforderung („Ich habe so was noch nie gemacht“) stellt und einen Sektkorken knallen lässt. Und dann ist’s so weit: „Hali’s Lädle“ hat zum ersten Mal geöffnet, und wenn der Andrang am ersten Tag repräsentativ ist, dann haben die Menschen in Urbach-Nord nur darauf gewartet, dass es wieder so eine Einkaufsmöglichkeit gibt.

Anneliese Fischle zum Beispiel, die erst seit rund einem Dreivierteljahr ganz in der Nähe und überhaupt in Urbach wohnt, hat sich fest vorgenommen, regelmäßig bei Halise Ahmetcakiroglu, die sich zunächst einmal selber an die Kasse setzt, einzukaufen. „Wo sollen die älteren Menschen denn sonst hin?“, fragt sie – zumal, wenn sie nicht mehr in der glücklichen Lage sind, noch Auto fahren zu können. „Ich kann das Gott sei Dank noch“, sagt Anneliese Fischle und verzichtet an diesem Tag großzügig auf den Euro, den sie im Einkaufswagen vergessen hat und den ihr eine freundliche Verkäuferin zurückgeben will. Aber natürlich haben auch Anneliese Fischle und eine Bekannte, mit der sie vor dem Laden ins Gespräch kommt, noch die Bilder des Vortages vor Augen und im Kopf. „I han so viel heula missa“, sagt die Frau, ehe sie sich verabschiedet.

Derweil herrscht drinnen im Lädle schon Hochbetrieb, auf den auch Kerstin Illner mit Wohlgefallen schaut. Sie ist keine Kundin, sondern die Repräsentantin der Firma Utz Lebensmittel Großhandel in Ochsenhausen, von der sich Halise Ahmetcakiroglu regelmäßig mit allen deutschen Lebensmitteln beliefern lässt. „Wir beliefern viele Dorfläden“, sagt Kerstin Illner, die vom Konzept von „Hali’s Lädle“ voll überzeugt ist und die gleich zu Beginn eingeführte Rabattkarte als „super Form der Kundenbindung“ lobt.

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