Schorndorf und Umgebung Neuer Einschulungs-Stichtag: Kita-Plätze werden knapp

Sollte die neue Regelung kommen wie angekündigt, brauchen viele Gemeinden mehr Kita-Plätze als geplant. Foto: Pixabay (CCO Public Domain)

Rund um Schorndorf. Als Reaktion auf eine Elterninitiative will die Landesregierung den Stichtag für die Einschulung vom 30. September auf den 30. Juni vorverlegen. Kommen soll die neue Regelung voraussichtlich schon ab 2020/2021. Für die geplante kurzfristige Umsetzung der neuen Regelung hagelte es Kritik aus vielen Gemeinden. Auch im Umkreis kann es zu Engpässen kommen.

Allerdings sind die Gemeinden rund um Schorndorf unterschiedlich aufgestellt, was die Kapazitäten in ihren Kindergärten betrifft. In Urbach ist die Situation zum Beispiel vergleichsweise entspannt, während die Verwaltung in Plüderhausen schon die Suche nach einem bestehenden Gebäude, in dem zumindest vorübergehend ein oder zwei zusätzliche Kindergartengruppen untergebracht werden könnten, begonnen hat.

Unglückliche Kombination: Viele Geburten und die neue Regelung

„Wir sind jetzt schon an der Grenze“, sagt Pascal Schill, Sachgebietsleiter für Kindergärten, Schulen und Vereine in Plüderhausen. „Die Jahre 2017 und 2018 waren bei uns sehr geburtenstark.“ Die ersten Kinder, die 2017 geboren wurden, kommen nächstes Jahr schon in den Kindergarten. Gleichzeitig soll die Gemeinde jetzt wegen der neuen Regelung zusätzliche Plätze für Kinder vorbehalten, die im Zeitraum zwischen Juni und September Geburtstag haben.

Wenn die betroffenen Plüderhäuser Eltern sich entscheiden, ihre Kinder nicht einzuschulen, sondern sie ein Jahr länger den Kindergarten besuchen lassen, kommt es in der Gemeinde, die die zusätzlichen Plätze nicht in ihren Bedarf eingeplant hat, zu Engpässen.

„Bei uns sind 18 Kinder betroffen“, gibt Pascal Schill Auskunft. Die zusätzliche Belastung verschärfe das Problem der sowieso geburtenstarken Jahrgänge. „Aus pädagogischer Sicht befürworte ich den geänderten Stichtag“, so Pascal Schill. „Aber wir haben jetzt ein punktuelles Problem, das nächsten Sommer aufschlagen wird.“ Wenn das überstanden sei, rechne er aber damit, dass sich die Lage wieder einpendelt.

Kommunen haben noch mit dem alten Stichtag geplant

In Rudersberg wird im Moment die alte Erlöserkirche im Steinhaldenweg zu einem neuen Kinderhaus umgebaut, um neue – und notwendige – Plätze für die Kinderbetreuung zu schaffen. „Der veränderte Stichtag bringt uns schon vor gewisse Herausforderungen“, sagt der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens. „Besonders in Zeiten, in denen die Plätze knapp sind.“

Als die Gemeinde die Kindergartenbedarfsplanung gemacht hat, haben die Mitarbeitenden in Rudersberg wie in den umliegenden Kommunen noch mit den alten Stichtagen geplant. Die neue Regelung führt dazu, dass Kindergartenplätze, die sonst frei geworden wären, weiterhin belegt sein könnten. „Jetzt müssen wir schauen, wie wir die Nachfrage befriedigen können“, sagt Raimon Ahrens.

Änderung würde zu kurzfristig kommen

Die Kritik der Kommunen im Land und in der Umgebung richtet sich mehrheitlich nicht gegen die neue Regelung, sondern die kurze Zeit, die die Gemeinden haben, um sie umzusetzen, wenn sie wirklich schon für 2020/2021 in Kraft tritt.

„Die Erfahrung zeigt, dass gerade im betroffenen Zeitraum viele Kinder zurückgestellt werden“, sagt Katrin Leitlein, die bei der Gemeinde Winterbach unter anderem für Kindergartenangelegenheiten zuständig ist. Sie findet die Idee, den Stichtag auf den 30. Juni vorzuverlegen, an sich gut – nur eben nicht so kurzfristig. „Bei uns wären es zwölf Kinder, die mit der neuen Regelung nicht mehr schulpflichtig wären“, sagt sie. „Das bringt uns schon ein bisschen in die Bredouille.“

Sollten im kommenden Jahr tatsächlich alle Kindergartenkinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, nicht eingeschult werden, würden in Remshalden nach Auskunft von Hauptamtsleiterin Christine Kullen rund 40 Kita-Plätze für die Neu-Aufnahme von Kindern über drei Jahren fehlen. Aktuell seien in der Gemeinde nahezu alle Plätze in den insgesamt 13 Kindertagesstätten belegt. „Die geplante Stichtagsverlegung würde unsere angespannte Situation mit den knappen Kita-Plätzen weiter verschärfen“, sagt Christine Kullen deshalb.

Auch Urbach müsste stellenweise auf Maximalbelegung hochgehen

In Urbach ist die Situation günstiger als in den Nachbargemeinden. „Wir haben wahrscheinlich nicht den meisten Druck, weil die Platzsituation bei uns bis jetzt relativ entspannt war“, sagt Melanie Rottweiler, die bei der Gemeinde für Kindergärten, Kindertagesstätten und Kindergartenanmeldungen zuständig ist. Im Moment stelle sich noch die Frage, wie viele zusätzliche Kapazitäten tatsächlich auf die Gemeinde zukommen.

Abstriche wird aber auch Urbach mit dem neuen Stichtag nächstes Jahr machen müssen: „Wir versuchen gerade eigentlich, in den Einrichtungen die Regelbelegung einzuhalten“, so Melanie Rottweiler. Das sei dann besonders im Jahr nach der Umstellung nicht mehr überall möglich. Stattdessen müsse die Gemeinde stellenweise auf die Maximalbelegung hochgehen. „Es wäre schon optimal gewesen, wenn die Kommunen mehr Planungszeit bekommen hätten“, findet Melanie Rottweiler.


Der Stichtag

  • Kinder, die nach dem geltenden Stichtag für die Einschulung sechs Jahre alt werden, sind erst im Folgejahr schulpflichtig.
  • Der 30. September galt in Baden-Württemberg seit 2007/2008 als der Stichtag für die Einschulung.
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