Schorndorf und Umgebung Strickstopp: Pinguinpullis türmen sich

Angelika Regenstein posiert mit Maschen-Pinguin Robert vor dem Pulli-Berg. Foto: ZVW

Plüderhausen/Antarktis. Stand Montagvormittag sind’s 15 658 Pinguinpullover, die sich in Angelika Regensteins Reisebüroschaufenster stapeln. Darunter auch die Plüderhäuser Strickschläuche. Gedacht sind sie für die von Öl verschmierten Zwergpinguine von Phillip Island. Dass der Aufruf, mit dem sie Tierschützer weltweit unterstützen wollte, zu solch einem Erfolg werden würde, hätte die Hamburgerin nie für möglich gehalten.

Jeden Tag, wenn der Paketbote um die Ecke biegt, schlägt Angelika Regenstein die Hände über dem Kopf zusammen. Sie ist begeistert von der Hilfsbereitschaft und der Strickwut ihrer „Stricklieseln“, wie sie die ehrenamtlichen Handarbeiterinnen liebevoll nennt. Allerdings: Inzwischen wächst ihr die Liebe der Pinguinfreunde beinahe über den Kopf. „Jetzt muss Schluss sein mit der Strickerei“, fleht sie beinahe ins Telefon.

Nachdem die Lokalzeitung über Regensteins Engagement berichtet hatte, übernahm eine Art mediales Schneeballsystem das Kommando. Das Ergebnis: In aller Herren Länder berichtete man über die sympathische Hamburgerin, die eigentlich ein Reisebüro führt und nur hobbymäßig strickt. Die Redaktionen dieser Welt reagierten Schlag auf Schlag. Inspiriert von der Niedlichkeit der Aktion wurde eine Geschichte nach der anderen veröffentlicht: in Tageszeitungen, Wochenmagazinen, im Fernsehen und im Internet. Angelika Regenstein wurde über Nacht zum Medienstar.

Pullover-Berg versperrt Aussicht nach draußen

Mehr als hundert der kleinen Pullover gehen täglich bei ihr ein: geringelt, mit Rippenmuster, mit Rollkragen, im Isländermuster oder einfach quietschbunt – aber immer mit viel Liebe gestrickt. „Ich bekomme aus ganz Europa Post“, berichtet sie am Telefon. Und so haben nicht nur die Leser unseres Verbreitungsgebietes – nach einer Aufforderung der engagierten Plüderhäuserin Tanja Spachmann – zu Nadeln und Wolle gegriffen. Aus Island, Belgien, Luxemburg, Österreich, der Schweiz, Spanien, Teneriffa und der Türkei gelangten die wolligen Schutzanzüge ins Reisebüro nach Hamburg. Im Schaufenster stapelt sich nun ein Großteil der inzwischen 15 657 Pullis. Nach außen gucken können Angelika Regenstein und ihre Mitarbeiterinnen schon lange nicht mehr. Und ja, sie gibt zu: Der Pulloverberg sieht alles andere als stabil aus. „Aber wenn der umkippt, ist’s nicht so schlimm“, findet sie. „Die Pullis sind ja weich.“

Richtig viele nette Bekanntschaften hat die Pinguinfreundin gemacht. Eine Strickliesel aus Brandenburg hatte Regensteins Stoffpinguin namens Karl-Heinz eine Postkarte geschickt. Letzterer hatte zuvor einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, weil er auf diversen Veröffentlichungen zu sehen war, wie er das erste Pullimodell trug, das Angelika Regenstein selbst für seine lebendigen Freunde auf Phillip Island gestrickt hatte. Als Autor gab sich Robert – ein selbst gestrickter Pinguin – zu erkennen. Er versprach, noch etliche Lieferungen von Brandenburger Strickdamen nach Hamburg zu schicken.

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