Schorndorf/Waiblingen S 2: Kein Gedränge wegen Baustelle

Schorndorf/Waiblingen. Bahn-Business fast wie gewöhnlich. Drangsal erlebten die S-Bahn-Benutzer am Donnerstagmorgen zur Berufspendlerzeit nicht. In der Urlaubszeit reichen offenbar zwei statt der üblichen vier Züge in der Stunde. Jedenfalls, wenn sie mit einem Vollzug die Leute abholt. Hoffentlich spricht sich das bei der Bahn AG nicht rum.

Schorndorf, 7.14 Uhr. Kein Gedrängel, weder drinnen noch draußen. Es ist noch Platz zum Liegen da. Die meisten machen das, was sie immer machen. Noch ne Mütze Schlaf holen oder Daumen und Zeigefinger spreizen. Eine kleine Surffahrt auf dem Handy.

An jedem Bahnhof kommen neue Gäste hinzu. Auch die müssen sich nicht groß umschauen. Bis zum Halt Waiblingen bleibt noch genug Kapazität. Niemand muss sich an diesem Freitag die Beine in den Bauch stehen. Wenn es nur immer so entspannt wäre. Die fehlende Klimaanlage in den alten Triebwagen ist um die Uhrzeit auch noch kein Problem. Anders abends bei der Rückfahrt.

Der Eindruck: Die Leute wussten, was auf sie zukommt. Seit Tagen lief schon das Spruchband an den Anzeigen, man soll sich informieren über S 2, S 3 und den Regionalverkehr. Seit gestern heißt es: „Bauarbeiten: S 2 verkehrt im Halbstundentakt“. Und dass er hochschaut zu den elektronischen Tafeln, das hat sich der Fahrgast in den letzten Monaten gewiss angewöhnt. Zu unpünktlich ist die Bahn unterwegs.

Der moderne Büroarbeiter hat Gleitzeit, da kommt es auf eine viertel Stunde hin oder her nicht an. Am Halt Stetten-Beinstein rollen Vater und Sohn ein, und zwar mit ihren Rollkoffern. Sie wollen zum Flughafen. Sie schauen sich um, kein Zug. Schauen auf die Anzeige mit der Info, sie fügen sich ihrem Schicksal. Der Flugreisende rechnet schließlich mit einem Anlauf von zwei Stunden bis zum Abflug, da kommt es auf 15 Minuten auch nicht an.

Dann: Auftritt einer jungen Frau. Sie schaut Richtung Schorndorf, keine S-Bahn. Sie geht an den Aushang, blickt lange drauf, und findet schließlich das Plakat mit der Ankündigung der Gleiserneuerungsarbeiten. Sie fotografiert es mit ihrem Handy. Eine Beweissicherung für den Arbeitgeber.

Einweiser und sonstige dienstbare Geister fehlen an den Bahnsteigen, es braucht sie momentan auch nicht. Freilich denken sich nicht immer alle etwas. In den Glaskästen hängt zwar der neue Fahrplan. Aber in Stetten-Beinstein auf der Höhe von Kinderaugen. Und der alte, der mit dem viertelstündlichen Takt, prangt weiter an der Stelle, wo Erwachsene ihn vermuten. Irgendwie blöd, weil unverständlich.

Zurück zum Fahrgast. „Meine Blödheit“, sagt Herbert Pohl. Dass die S-Bahnen von Schorndorf seit gestern nur noch im Halbstundentakt verkehren, habe er gewusst. Die Laune hat ihm die Viertelstunde nicht verdorben. Dass die Bauarbeiten schon am Freitag beginnen, habe er halt verpennt. Nun kommt er eben zu spät zur Arbeit. Ärger wegen der Bauarbeiten? „Das ist halt so.“ Im Übrigen habe er bald Urlaub. Und wirklich eng wird’s ja erst am letzten Augustwochenende, wenn überhaupt keine S-Bahnen fahren und nur noch Ersatzbusse verkehren.

Zwangskaffeepause auf Schorndorfer Bahnhof

Anita Moroff hat eigens ihren Fahrplan umgeplant und extra einen Zug früher von Gmünd genommen. Dass der ausgerechnet gestern fünf Minuten Verspätung hatte, war Pech. Das brachte ihr eine halbe Stunde Kaffeetrinken auf dem Schorndorfer Bahnhof ein. Dass sich gestern der Fahrplan ändert, darüber informiert die Deutsche Bahn seit zwei Wochen. „Das nutzt aber nichts, wenn der Zug anders fährt“, sagt sie und steigt eilig in Stetten-Beinstein aus.

Margarete Schneider stieg in Endersbach ein. Auch sie wusste Bescheid, dass sich der Fahrplan ändert. Aber nicht wie. Die Bahn empfahl ihren Kunden, sich zu informieren. Gut so. Aber ein kleiner Hinweis auf den Halbstundentakt hätte doch wohl noch aufs Laufband gepasst, beschwert sie sich generell über die S-Bahn, die ständig teurer werde.

Peter Lohmann zuckt mit den Schultern, als wir ihn auf dem Endersbacher Bahnhof auf den Halbstundentakt ansprechen. Er fährt selten mit dem Zug, und diese S-Bahn hätte er sowieso genommen.

„Ein bisschen Zufall“ war’s, dass Antonius Spyropoulos Bescheid wusste und nicht die 8.17- sondern die 8.32-S-Bahn ab Endersbach genommen hat. Er wusste, dass etwas im Busch ist. Schließlich wies die Bahn auf die Fahrplanänderung hin. Aus der Zeitung wusste er schließlich, was sich tut.

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