Schorndorf Was ist dran an den Eisheiligen?

Wenn die Eisheiligen kommen, geht es den Setzlingen an den Kragen. Foto: Habermann/ZVW und Mogck/ZVW; Montage: Mogck/ZVW

Schorndorf. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie – auch dieses Jahr ist mit den Eisheiligen das Wetter wieder mies geworden. Von Sommer auf Herbst in zwei Tagen. Und dabei hätte es noch viel schlimmer kommen können: Wegen der Frostgefahr, die Mitte Mai oft droht, empfehlen Schorndorfer Gärtner, Gurken-, Zucchini- und Tomatensetzlinge erst nach den Eisheiligen einzupflanzen.

An den Eisheiligen ist natürlich was dran: Da kann das Wetter davor noch so schön und sommerlich-warm gewesen sein, spätestens zur Kalten Sophie am 15. Mai wird es schlecht. „Viele Wolken mit Regenschauern und nur wenig Sonne“ – zum Start dieser Woche zeigt sich das Wetter mit einer erschreckenden Zuverlässigkeit wieder extrem unbeständig. Für die von uns befragten Schorndorfer Gärtner keine Überraschung – im Gegenteil: „Die Eisheiligen kommen immer“, sagt Erich Schanbacher. „Da ist was dran“, bestätigt auch Michaela Albanesi von der Gärtnerei Mächtlen und warnt davor, sich zu früh zu freuen. Und auch für Roland Benz sind die Eisheiligen „überhaupt kein Quatsch“ – und ein Grund, den Kunden von allzu frühen Setzlingskäufen abzuraten.

Gärtner sind ehrlich und der Baumarkt verkauft’s

Doch die Gärtner stecken auch in einem Dilemma: „Wir sind ehrlich und klären die Leute auf – und der Baumarkt verkauft’s“, klagt Schanbacher. Im Idealfall hat er bis zu den Eisheiligen frostempfindliche Setzlinge nur fürs Gewächshaus im Angebot und danach erst für draußen. Tatsächlich machen die Gärtnereien beim Frühstart aber notgedrungen mit – auch wenn’s ihnen gehörig gegen den Strich und vor allem gegen die Natur geht. Sie alle haben noch den extremen Kälteeinbruch im April 2017 in Erinnerung, der nicht nur in den Gärten, sondern vor allem auch bei den Obstbauern verheerende Schäden angerichtet hat.

Heilig sind die Eisheiligen deshalb, weil die wiederkehrende Schlechtwetter-Phase mit den Gedenktagen an Bischöfe und Märtyrer des 4. und 5. Jahrhunderts zusammenfällt: Mamertus am 11. Mai, Pankratius am 12. Mai, Servatius am 13. Mai, Bonifatius am 14. Mai und Sophie am 15. Mai. Und statistisch gesehen kommt es nach Informationen des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation zwischen Anfang und Mitte Mai auch tatsächlich häufig zu einem Kälteeinbruch.

Kein Wunder, dass die bekanntesten Bauernregeln um diese Eisheiligen kreisen: „Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss“, „Die kalte Sophie macht alles hie“ oder noch deutlicher in der Ansage „Pflanze nie vor der Kalten Sophie!“

Gregorianischer Kalender: Eigentlich zehn Tage früher dran

Und dabei gab es im Laufe der Jahrhunderte eine kalendarische Verschiebung. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders sind einige Kalendertage verrutscht: Da der bis dahin gültige julianische Kalender kleine Ungenauigkeiten aufwies, die sich im Lauf der Jahrhunderte zu mehreren Tagen addiert hatten, entschied Papst Gregor im Jahr 1582, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober, gleich Freitag, der 15. Oktober, folgen sollte. Die Abfolge der Wochentage wurde beibehalten, es wurden aber zehn Tage übersprungen. Mit der Folge, dass die Eisheiligen heute eigentlich zehn Tage zu spät dran sind.

Dass es aber überhaupt im Mai regelmäßig zu Kaltluftvorstößen kommen kann, erklärt das Portal wetter.com wie folgt: „Während sich die Landflächen Südeuropas durch den zunehmenden Sonnenstand bereits rasch erwärmen, dominiert in Nordeuropa noch kaltes Wetter. Dadurch stellen sich enorme Temperaturgegensätze innerhalb Europas ein. Je nach Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete liegt Deutschland in einer eher nördlichen oder südlichen Strömung.“ Bei einer Nordlage, so die Erklärung der Experten weiter, könne also Kaltluft aus polaren Breiten nach Deutschland strömen. Insbesondere in den Nächten ist dann mit Frost zu rechnen.


Wetterorakel

Genauso bekannt wie die Eisheiligen und die Schafskälte vom 4. bis 20. Juni ist der Siebenschläfertag am 27. Juni. Dieser wurde allerdings nicht nach dem gleichnamigen Nagetier benannt, sondern nach sieben Heiligen, die 200 Jahre in einer Höhle geschlafen haben sollen, bevor sie geweckt wurden. Die Namensgebung bestätigt auch die Bauernregel: „Wenn die sieben Schläfer Regen kochen, so regnet’s ganze sieben Wochen!“

Mag bei einem solchen Wetterphänomen auch der Zufall eine große Rolle spielen, ein Körnchen Wahrheit liegt darin: Ende Juni und Anfang Juli, so erklären es Meteorologen, legen sich die Luftströme in fünf bis zehn Kilometer Höhe fest, die das Wetter des Sommers beeinflussen. Verlaufen sie eher nördlich, haben die Azorenhochs über Europa und somit gutes Wetter eine Chance. Bei eher südlichem Verlauf begünstigen die Luftströme, dass Atlantiktiefs über dem Festland Regen bringen.

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