Schorndorf Wasserschaden im Bewegungskindergarten

Eigentlich waren die Arbeiten im Bewegungskindergarten „Purzelbaum“ abgeschlossen, einzig das Mehrzweckgebäude und die Außenanlagen standen noch auf dem Bauplan. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
Es hätte alles so schön sein können und jetzt ist im neuen Bewegungskindergarten „Purzelbaum“ erst mal gar nichts gut: Am 2. Januar, direkt nach der Weihnachtspause, hat Matthias Knauss, Bauleiter der Stuttgarter Architekturbüros h4a/bwb, im WC-Bereich im Erdgeschoss einen Wasserschaden entdeckt, der sich unbemerkt bis in den benachbarten Garderobenraum ausgebreitet hat. Ein Eckventil, das vermutlich seit Mitte November getropft hat, ist als Verursacher ausgemacht.

Wie groß der Schaden aber tatsächlich ist und ob der durchfeuchtete Boden überhaupt trocknungsfähig ist, das alles ist noch unklar. Bis zur nächsten Sitzung des Technischen Ausschusses in drei Wochen, hoffen Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Bürgermeister Thorsten Englert, die am Dienstag beide vor Ort und ziemlich frustriert waren, mehr sagen können – zur Ursache und vor allem zur zeitlichen Wirkung.

Rückumzug ins Kinderhaus Sonnenbogen

Im Moment ist nur so viel klar: Die drei Kindergartengruppen, die am Dienstag eigentlich ihren ersten Tag im neuen Bewegungskindergarten hätten haben sollen, werden bis auf weiteres im Kinderhaus Sonnenbogen bleiben. Der Umzug, der vier Tage vor Weihnachten mit vereinten Kräften stattgefunden hatte, wurde von den Zentralen Diensten rückgängig gemacht: Dienstagmittag um halb zwölf waren Tische, Stühle und Spielsachen schon wieder in dem alten Kindergartengebäude im Wieslaufweg – mit Genehmigung des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Ein Glück, dass der Sonnenbogen noch nicht von Strom, Wasser, Gas und Fernwärme abgekoppelt war. Die Abrissparty freilich, die am 1. Februar hätte stattfinden sollen, ist abgesagt.

Die Enttäuschung bei Eltern und Kindern ist natürlich groß. Noch am Freitagabend kurz vor halb elf hat Kindergartenleiter Tim Schopf, wenige Stunden, nachdem er selbst informiert wurde, eine entsprechende E-Mail verschickt. Am Samstag hat er mit den Eltern der 37 betroffenen Kinder persönlich telefoniert. Dass die Mütter und Väter Verständnis zeigten, dafür dankte OB Klopfer ausdrücklich. Und dabei ist noch gar nicht klar, wann die über dreijährigen Kinder ihr neues Domizil im Bewegungskindergarten beziehen können. Nur so viel vom OB zum jetzigen Zeitpunkt: „Wir reden von Monaten.“ Kostensteigerungen gelten – schon allein wegen des Rückumzugs in den Sonnenbogen – als sicher.

OB Klopfer: „Ein insgesamt schwieriges Projekt“

Und das ist beileibe nicht der erste Rückschlag im Bewegungskindergarten, der immer wieder als Prestigeobjekt des Oberbürgermeisters kritisiert wurde und dessen Bau er nach den jüngsten Hiobsbotschaften selbst als „insgesamt schwieriges Projekt“ bezeichnet. Im Sommer 2019, eineinhalb Jahre nach dem Spatenstich Ende 2017, wurde nicht nur klar, dass sich der ursprünglich auf September 2019 geplante Einzugstermin auf Anfang Januar 2020 verschieben würde, sondern dass auch der Kostenrahmen von 6,8 Millionen Euro nicht zu halten sei: Wegen der Bauhochkonjunktur, Lieferengpässen, einer Gruppenumplanung und Resten des Altlache-Freibads in der Baugrube stiegen die Kosten um 28 Prozent auf acht Millionen Euro. Außerdem gab es schon damals einen Wasserschaden im Gebäude: Handwerker, die ohne Voranmeldung an einem Samstag auf der Baustelle aufgetaucht waren, hatten undichte Dachabläufe hinterlassen.

Nach so vielen überstandenen Schwierigkeiten dachte nicht nur OB Klopfer, „jetzt sind wir safe“, auch Bauleiter Matthias Knauss sah sich auf der Zielgeraden. Stattdessen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal sicher, wie es zu dem tropfenden Eckventil kommen konnte: Montage- oder Materialfehler – beides ist möglich. Nachdem der Wasserschaden entdeckt wurde, haben Bauleiter und Dirk Stürenburg vom Fachbereich für Gebäudemanagement zunächst den Notdienst der Fachfirma mit der Suche nach der Ursache beauftragt. Probebohrungen im Boden sollen Aufschluss darüber geben, ob eine Trocknung möglich ist. Falls nicht, müssen nicht nur die Wände zurückgebaut werden, sondern auch die Böden im betroffenen Bereich. Am Dienstag war außerdem ein Baubiologe im Gebäude, um möglichen Schimmelbefall zu überprüfen.

Zweiter Wasserschaden – von Kondenswasser verursacht?

Doch damit der Hiobsbotschaften nicht genug: Rein zufällig hat Bauleiter Knauss Ende vergangener Woche noch einen zweiten Wasserschaden im Erdgeschoss entdeckt, verursacht vermutlich von Kondenswasser. Weil sich hinter der Garderobe im Eingangsbereich der Kühlraum der Küche befindet, könnte sich wegen des Temperaturunterschieds an der Wand Feuchtigkeit unter der Sockelleiste gebildet haben. Dort jedenfalls hat Knauss einen verdächtigen dunklen Fleck entdeckt – und sich sofort im ganzen Kindergartenbau auf die Suche begeben: Weitere Wasserschäden oder tropfende Eck-Ventile sind bisher – nach augenscheinlicher Prüfung und Feuchtigkeitsmessungen – nicht zutagegetreten. Doch klar ist auch: Wie es hinter den Fliesen aussieht, kann niemand sagen.

Planmäßiger Start für 14 Krippenkinder

Die einzig positive Nachricht ist: Trotz der Wasserschäden konnte der Betrieb der Kinderkrippe im Obergeschoss des neuen Bewegungskindergartens am Dienstag wie geplant mit 14 unter Dreijährigen starten.

Die Räume wurden überprüft und mit Genehmigung des Gesundheitsamtes freigegeben. Nach und nach sollen die Krippenkinder jetzt eingewöhnt werden.


Kindergarten Purzelbaum

Das neue Kinderhaus wird – wenn alle Schäden beseitigt sind – in sechs Gruppen und auf zwei Stockwerken mit einer Gesamtfläche von rund 1400 Quadratmetern Platz für 95 Kinder bieten – inklusive Mehrzweckgebäude mit Bewegungswelt, Gymnastikwelt und Umkleidebereich für das Stadion. Zum Kindergarten gehört ein Außenbereich mit rund 1700 Quadratmetern. Die SG Schorndorf wird die Bewegungswelt mit Schnitzelgrube und Bodentrampolin im Erdgeschoss sowie die Gymnastikwelt im Obergeschoss des Mehrzweckgebäudes nutzen und bespielen, wenn kein Kindergartenbetrieb ist. Darüber hinaus stehen die Bewegungs- sowie die Gymnastikwelt auch anderen Vereinen und Kindergärten offen. Die Stadtverwaltung wird ein Nutzungskonzept erarbeiten. Drei Gruppen sind im Bewegungskindergarten für die Betreuung von Kindern über drei Jahre und drei Gruppen für die Betreuung von Kindern unter drei Jahre vorgesehen.

Ursprünglich lag der Kostenrahmen bei 6,8 Millionen Euro, wegen der Bauhochkonjunktur, Lieferengpässen bei Materialien und nicht eingeplanten Resten des Freibads Altlache sind die Kosten mittlerweile auf acht Millionen Euro gestiegen.

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