Schorndorf Wegen Winterreifen mit Schuhlöffel zugeschlagen

Symbolbild. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf. „Ich hab Scheiße gebaut. Ich weiß es. Es tut mir leid“, sagte der Mann am Ende der Verhandlung. Gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und Bedrohung: Das wurde dem 33-Jährigen vorgeworfen und deshalb wurde er letztendlich auch verurteilt. Er ist mehrfach einschlägig vorbestraft.

„Ich habe nicht gedacht, dass wir uns hier noch einmal wiedersehen“, begrüßte Richterin Petra Freier den Angeklagten. Sie war ihm vor einigen Jahren schon einmal im Gerichtssaal begegnet. Damals ging es darum, dass er eine Ex-Freundin verfolgt und Sex-Videos mit ihr an andere verschickt hatte. Der Vorstrafen-Katalog des Angeklagten ist lang: Vergewaltigung und sexuelle Nötigung aus den Jahren 2004 und 2005 und einschlägige Vorstrafen im Bereich der Körperverletzung. In einem Fall ist er mit seinem Fahrzeug auf den Gehweg der Gmünder Straße gefahren, wo zwei Menschen gingen, mit denen er wohl im Vorfeld einen Streit hatte.

In der aktuellen Verhandlung war die Bedrohung einer Ex-Freundin Thema, zusätzlich zum Vorwurf der schweren Körperverletzung in zwei Fällen. Die Bewährungsstrafe des Angeklagten war noch nicht abgelaufen, als der 33-Jährige im November 2017 zwei andere Männer durch Schläge mit einem metallenen Schuhlöffel verletzte.

Mit metallenem Schuhlöffel bewaffnet

Der Angeklagte hatte die Winterreifen einer Bekannten ausgeliehen und dann für sie gelagert. Weil es langsam auf den Winter zuging, beschloss der Bruder der Bekannten, die Reifen abzuholen. Ob seine Schwester davon wusste oder nicht, daran kann er sich nicht mehr erinnern. Als er mit seinem Kumpel bei dem Angeklagten vor der Tür stand, forderte dieser ihn mehrmals vergeblich auf, zu gehen. Als das nicht geschah, ging er zurück ins Haus und bewaffnete sich mit einem metallenen Schuhlöffel.

Die Situation war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgeheizt, der Angeklagte fühlte sich nach eigenen Angaben bedroht und schlug mit dem Schuhlöffel auf den Bruder der Bekannten ein. Selbst als dieser schon aus einer Platzwunde am Kopf blutete, hörte er nicht auf. Schließlich mischte sich der Kumpel, den der Mann mitgebracht hatte, ein und zog ihn zur Seite, hob den Arm, um sich und seinen Freund zu schützen. Dabei steckte er selbst einige heftige Schläge ein und musste wegen seiner Blessuren im Anschluss drei Tage krankgeschrieben werden.

„Das bedeutet deinen Tod“

Die Körperverletzungen gab der Angeklagte zu, zeigte sich vor Gericht reuig und höflich. Beim Vorwurf der Bedrohung war das anders. Grundlage war eine Text-Nachricht an eine Ex-Freundin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht als Zeugin erscheinen konnte. Das Pärchen hatte sich über eine App kennengelernt und war einige Monate zusammen. Dann kam es zu Streitigkeiten, in welche die Frau nach Aussage des Angeklagten immer wieder auch dessen Eltern mit einbezog. „Dass du meinen Vater angerufen hast, bedeutet deinen Tod“, hat er seiner Ex-Freundin im Februar vergangenen Jahres auf – nach Aussage des vereidigtem Übersetzers – „schlechtem Türkisch“ gedroht. „Jetzt bist du gefickt“, schrieb er ihr schon vorher. „Für mich war das keine Bedrohung“, meinte der Mann. „Das ist meine Schreibensart.“ Für ihn habe die Aussage nur bedeutet, dass die Frau für ihn gestorben sei.

Die Staatsanwältin forderte insgesamt ein Jahr und fünf Monate Freiheitsstrafe ohne eine Aussetzung zur Bewährung. Der Mann sei ganz erheblich einschlägig vorbestraft und sein Verhalten zeige, dass sich seine Einstellung nicht verändert habe.

Ein Jahr und zwei Monate ohne Bewährung

Ja, sein Mandant habe ganz klar fehlreagiert, gab der Verteidiger des Angeklagten zu. Aber die zwei Männer hätten ihn provoziert und sich auch nach mehrmaliger Aufforderung geweigert, das Gelände zu verlassen. Er forderte die Mindeststrafe, also maximal ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung für seinen Mandanten im Falle der Körperverletzungen und einen Freispruch im Falle der Bedrohung.

„Ich habe mir das gut überlegt“, sagte Richterin Petra Freier, als sie den Mann zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilte. Die Entscheidung habe sie nicht nur wegen einer schlechten Sozial-, sondern auch wegen einer schlechten Kriminalprognose gefällt. Der Angeklagte habe sich im Falle der Körperverletzung extra noch einmal bewaffnet und habe auch nicht aufgehört, auf das Opfer einzuschlagen, als es schon blutete.

„Es passt ins Bild“, sagte die Richterin weiter zum Vorwurf der Bedrohung: „Solche Straftaten haben Sie früher schon begangen und Sie hören nicht auf.“ Und die Bewährung wäre sowieso widerrufen worden, weil er seine Auflagen nicht erfüllt hatte. Der Verurteilte hat noch die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen.

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