Schorndorf Weihnachtswelt: Wie sicher fühlen sich die Besucher?

Auf Zufahrtsbeschränkungen wurde in diesem Jahr bewusst verzichtet. Lediglich ein paar Sicherheitskräfte patrouillieren über das Gelände. Foto: Roth / ZVW

Schorndorf.
Seit dem Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz im letzten Jahr werden Weihnachtsmärkte nicht mehr nur mit Geselligkeit, Glühwein und gebrannten Mandeln, sondern immer häufiger auch mit dem Thema Sicherheit in Verbindung gebracht. Wir wollten am Sonntag deshalb von den Besuchern der Schorndorfer Weihnachtswelt wissen, wie sie sich mit der Diskussion über Poller und Polizeipräsenz fühlen – und wie sie damit umgehen.

Sicherheit und Schönheit verbinden

„Wenn wir schon überall Betonklötze hinstellen, könnte man die doch auch bepflanzen“, meint ein ehemaliger Architekt, der gerade auf sein heißes Getränk wartet. So ließe sich etwas für die Sicherheit der Besucher tun, und gleichzeitig das Stadtbild verschönern. Er fügte hinzu: „Wirklichen Schutz vor Anschlägen gibt es nicht, aber was will man machen? Zuhause bleiben? Das ist doch auch keine Lösung.“

Die Menschen treiben ganz andere Sorgen um

Vielen kommt die Sicherheitsdebatte überzogen, manchen gar gänzlich unnötig vor. Ein Besucher fühlt sich stattdessen von aggressiv auftretenden Bettlerbanden belästigt. „Diese Menschen werden losgeschickt, um für irgendwelche Hintermänner Geld einzusammeln. Sie werden ausgebeutet und haben Angst, weil sie wissen, wenn sie mit leeren Händen zurückkommen, gibt es Ärger.“ Deshalb würden sie auch nicht davor zurückschrecken, selbst kleine Kinder anzusprechen.

Hauptsache gesund

Mehrere Besucherinnen und Besucher haben vor allem eine große Angst: Sie wollen sich auf keinen Fall eine Erkältung einfangen. Das sei ohnehin viel wahrscheinlicher, als Opfer eines Terroranschlags zu werden. In diesem Sinne dreht sich die Sicherheitsdebatte bei ihnen vor allem um das richtige Outfit mit Schal und Mütze, genügend Vitamine und eine heiße Tasse Glühwein, der von innen wärmt. Man will ja die Vorweihnachtszeit nicht im Bett verbringen.

Die Musik fehlt

Es gibt auch Probleme, die sich ganz einfach beheben ließen: Eine Verkäuferin vermisst beispielsweise die Musik auf der Weihnachtswelt. „Vorhin, zur Eröffnung, da wurde mal kurz was gespielt, aber seitdem ist es wieder still.“ Während sie erzählt, fallen die umstehenden Menschen in zustimmendes Gemurmel ein. Ohne Weihnachtslieder käme nicht so recht Stimmung auf – Schnee hin oder her. Auf anderen Weihnachtsmärkten sei das nicht so.

Schorndorf bleibt gelassen

Die Debatte um die Sicherheit auf deutschen Weihnachtsmärkten lässt die Schorndorfer, nicht nur der niedrigen Temperaturen wegen, sichtlich kalt. Hier werden Ponys gestreichelt, Karussell gefahren, Süßigkeiten genascht und vor sich hin dampfende Tassen geleert, als wäre nie irgendetwas passiert. Und das ist gut so. 

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