Schorndorf Widerstand gegen Badschließung in Haubersbronn

Die DLRGlerin Katrin Foschiatti kurz vor den Sommerferien im Haubersbronner Lehrschwimmbecken. Auch sie bedauert die Schließung. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. Mit den Sommerferien wurde das Lehrschwimmbecken in Haubersbronn dauerhaft geschlossen. Anstelle dessen eröffnet im Oskar-Frech-Seebad ein neues. Gegen die Schließung regt sich nach wie vor Widerstand. Der Ortschaftsrat Haubersbronn will das Thema im Gemeinderat nochmals diskutiert haben. Oberbürgermeister Matthias Klopfer steht nach wie vor hinter der Entscheidung.

Schwimmstunden für Kinder, Erwachsene und Senioren fanden in den vergangenen Jahrzehnten im Lehrschwimmbecken in der Schillerschule in Haubersbronn statt. Viele Nichtschwimmer lernten hier schwimmen.

Das ist nun vorbei. Das 1970 gebaute Becken macht nach den Sommerferien nicht wieder auf, der Betrieb ist eingestellt. Dass es so kommen würde, ist lange schon bekannt, bereits 2016 wurde die Entscheidung im Gemeinderat getroffen. Mit dem Bau eines neuen Lehrschwimmbeckens im Oskar-Frech-Seebad sollte für das Becken in der Grundschule Schluss sein. Doch auch wenn die Entscheidung längst feststand, sind nun viele Bürgerinnen und Bürger traurig über das Ende des Bads und kritisieren die Entscheidung. Der Ortschaftsrat Haubersbronn möchte nun noch einmal versuchen, den Schorndorfer Gemeinderat in dieser Sache umzustimmen.

DLRGlerin sieht Entscheidung kritisch

Unter anderem Katrin Foschiatti, die in dem Becken regelmäßig DLRG-Kurse für Nichtschwimmer gab, sieht die Entscheidung kritisch. Jedes Jahr würden in Deutschland eine Menge Bäder geschlossen, und das, obwohl viele Kinder nicht richtig schwimmen könnten. Foschiatti findet es falsch, dass immer mehr Bäder zu großen Spaßbädern werden, während kleine geschlossen werden. „Auch die kleinen Bäder haben einen großen Wert für die Gesellschaft“, mahnt sie. Es erschüttere sie jedes Mal zutiefst, wenn in der Region wieder ein Kind ertrunken sei.

Wenn Kinder in der weiterführenden Schule noch nicht schwimmen könnten, dann sei das nicht nur gefährlich, sondern überdies in der Praxis schwierig, etwa wenn das Ziel eines Schulausfluges ein See oder Schwimmbad sei, meint Foschiatti. Seit kurzem ist die 48-Jährige im Urbacher Gemeinderat, dort möchte sie sich besonders für das Freibad einsetzen.

Schüler hatten bisher eine Stunde Schwimmunterricht pro Woche

Katrin Foschiatti macht auch auf die Situation für die Schülerinnen und Schüler vor Ort aufmerksam. Bisher hatten sie alle eine Stunde Schwimmunterricht pro Woche, in Zukunft werde das nicht mehr möglich sein. Schließlich müssten die Klassen erst einmal nach Schorndorf fahren. Unlängst beim Schulfest der Schillerschule bedauerte auch die Rektorin, Doris Michels, die Schließung.

Neben den Kindern trafen sich ebenfalls einige ältere Damen und Herren regelmäßig in dem Schwimmbad. Die 80-jährige Marianne Lengling schwamm bisher jeden Donnerstagabend mit ihrer Gruppe in dem kleinen Bad. „Das warme Wasser hilft gegen Gelenkprobleme“, sagt die ehemalige Krankenschwester. Sie ist traurig über die Schließung und ärgert sich über die Entscheidung. „Für so vieles wird Geld ausgegeben, aber an dieser Stelle wird gespart“, meint Lengling. Die meisten Männer und Frauen ihrer Schwimmgruppe kämen aus Haubersbronn, manche hätten kein Auto und würden es schlicht nicht bis in die Innenstadt schaffen, erzählt die Dame. Deshalb werde sich die Gruppe in dieser Form wohl auflösen.

Der Ortschaftsrat will das Thema erneut diskutiert haben

Lengling ist nicht die einzige Haubersbronnerin, die das Thema bewegt. Ortsvorsteher Erich Bühler erzählt, dass derzeit viele kritische Nachfragen zu der Schließung kämen. Er hofft, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, und will mit dem neu gewählten Gemeinderat in die Diskussion gehen. Er hofft, das Ruder nochmals herumreißen zu können. Gemeinsam mit dem gesamten Ortschaftsrat hat er eine Stellungnahme ausgearbeitet. „Das Lehrschwimmbecken ist sicher nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik, hat aber trotzdem noch einen hohen Nutz- und Realwert, den man einfach vernichtet“, heißt es dort. Als man 2016 die Entscheidung traf, habe keine Gesamtbetrachtung stattgefunden, meint er. „Sehenden Auges machen wir Infrastruktur kaputt“, beklagt Ortsvorsteher Erich Bühler.

Klopfer: "Das Bad ist am Ende seiner Lebenszeit"

Oberbürgermeister Matthias Klopfer kann verstehen, dass die Schließung einige in Haubersbronn schmerzt. Er erklärt aber: „Das Bad ist am Ende seiner Lebenszeit.“ Es bräuchte eine Generalsanierung, erklärt er, unter anderem die Umkleiden, die Lüftungsanlage und die Technik im Bad müssten neu gemacht werden. Grundsätzlich habe man in Schorndorf außerdem eine gute Bad-Infrastruktur, vor allem mit den Freibädern in Schlichten, Buhlbronn und Weiler, betont er. Klopfer hält eine neue Debatte über das Thema nicht für zielführend: „Politik wird nicht besser, wenn man immer wieder die gleichen Diskussionen führt“, erklärt er. Grundsätzlich habe der Ortschaftsrat aber die Möglichkeit, einen neuen Antrag im Rat vorzulegen.

Einnahmen hat die Stadt mit den Bädern keine. „Das ist ein Zuschussgeschäft“, erklärt Andreas Seufer, der Geschäftsführer der Stadtwerke. Alle Schorndorfer Bäder machten gemeinsam einen Verlust von etwa 2,2 bis 2,4 Millionen Euro, erklärt er.

Möglich sei der Betrieb nur, weil der Verlust mit dem Gewinn der Stadtwerke verrechnet werde. Aber die Verluste könnten nicht permanent vergrößert werden, sagt Seufer. Der finanzielle Vorteil im zentralen Oskar-Frech-Seebad sei jedoch, dass man hier ohnehin eine Infrastruktur, wie beispielsweise die Umkleidekabinen, habe.


Das neue Becken

Mit der Schließung des Lehrschwimmbeckens in Haubersbronn beschloss der Schorndorfer Gemeinderat 2016 den Bau eines neuen beim Oskar-Frech-Seebad. In der letzten Woche der Sommerferien soll es eröffnet werden.

Das Becken wird 12,5 Meter lang und acht Meter breit sein. Im Vergleich zum bisherigen Lehrschwimmbecken, hat es einen variablen Hubboden, der von 30 bis 230 cm verstellbar ist.

Das Becken befindet sich in einem Anbau auf der Ostseite des Oskar-Frech-Seebads. Dafür wurde der bisherige Kinderbereich des Ziegeleisee-Freibads verkleinert und umgestaltet.

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