Schorndorf Wiedereröffnung des neuen alten Rathauses

Schorndorf. Anderswo wird mal wieder der gläserne Abgeordnete gefordert. In Schorndorf wird Kommunalpolitik künftig so transparent wie noch nie sein. Zumindest verspricht das der erste Eindruck vom umgebauten alten Rathaus.

„Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck“, pflegt Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei solchen Gelegenheiten zu sagen. Und seinen ersten Eindruck fasste er kurz und prägnant so zusammen: „Es ist großartig.“ Und der spontane Beifall derer, die am Montagabend zur offiziellen Wiedereröffnung des neuen alten Rathauses geladen waren, machte deutlich, dass diese Meinung in der Stadt durchaus konsensfähig ist. Genauso wie die als Hoffnung formulierte Einschätzung von Diplomarchitekt Gunter Fleitz, dass es ihm und seinem Team von der Ippolito Fleitz Group gemeinsam mit allen Beteiligten (Stadt, Landesdenkmalamt) gelungen ist, „einen angemessenen und respektvollen Umgang mit der Bausubstanz gefunden zu haben“. Und dass es nicht nur gelungen ist, ein Rathaus auf den neuesten technischen Stand zu bringen, sondern mit dem sanierten Gebäude „auch einen kulturellen Beitrag für die Stadt“ zu leisten. Gerald Feig als einer, der als Investor selber markante Zeichen in der Stadt setzt (Pfauen, Postturm), fühlte sich spontan berufen, Stadt und Planern ein großes Kompliment – und der Stadt ein Geschenk in Form eines im „Pfauen“ sichergestellten Rathaus-Glaskunstwerks - zu machen. Mit dem Rathausumbau sei „ein weiteres Stück Schorndorfer Baugeschichte geschrieben“ worden, sagte Feig.

„Wir sind wieder zurück“, drückte Matthias Klopfer seine Freude und die all seiner im Rathaus am Marktplatz beheimateten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus und meinte rückblickend auf die annähernd einjährige Bauphase: „Eine anstrengendere Baustelle kann es nicht geben.“ Weil bei einer solchen Baumaßnahme nicht nur alle Mitarbeiter mitreden wollten, sondern auch die rund 40 000 Bürgerinnen und Bürger. Wunderbar hell und luftig, meinten die einen, zu transparent und zu modern die anderen. Da ist’s gut, dass es noch Kultursachverständige wie Agnes Schilling gibt, die spontan beipflichtete, als der Oberbürgermeister das vollendete Werk als „künstlerisches Gesamtensemble“ lobte, das dem Anspruch, Tradition und Moderne auf der einen und (Bau)kunst und Funktionalität auf der anderen Seite zu verbinden, in bemerkenswerter Weise gerecht werde. „Kommunalpolitik wird transparent“, versprach der Oberbürgermeister mit Blick auf die gläserne Durchlässigkeit des Gebäudes im Innern und nach außen. Eher seine Befürchtung denn seine Hoffnung ist’s, dass sich der Gemeinderat im neuen Sitzungssaal so wohl fühlt, „dass er gar nicht mehr nach Hause gehen will“. Dem Oberbürgermeister wär’s lieber, die Sitzungen verliefen (weiterhin) straff und zielgerichtet, und die gewonnene Zeit könnte für intensive Gespräche im von einer Lichtskulptur, die ihn an die olympischen Ringe erinnert, erhellten Foyer genutzt werden. So wie das am Eröffnungsabend im Anschluss an den erfreulich kurzen offiziellen Akt der Fall war.

„Man kommt leichter aus dem Rathaus hinaus als hinein“

Von einem „offenen, freundlichen und transparenten“ Rathaus sprach auch Baubürgermeister Andreas Stanicki, der daran erinnerte, dass es eine Brandverhütungsschau war, die den Anstoß zum Umbau des Rathauses gegeben hat. Mit den Zusatzeffekten, dass das Rathaus jetzt ein barrierefreies Dienstleistungszentrum und energetisch auf dem Stand der Technik sei. Gleiches gilt für die Medientechnik im Sitzungssaal. „Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert angekommen“, stellte der Oberbürgermeister fest, der sich einerseits freut, dass es seine Mitarbeiter nach der vorab in einem ersten Bauabschnitt realisierten energetischen Sanierung des Gebäudes in den oberen Geschossen künftig auch im Winter warm haben und dem andererseits die Investitionen in den Brandschutz schon etwas wehtun. „Man kommt jetzt deutlich leichter aus dem Rathaus hinaus als ins Rathaus hinein“, scherzte Klopfer mit Blick auf die Fluchttreppen. Froh ist er, dass sich die Gesamtkosten mit circa 3,46 Millionen im vorgegebenen Rahmen bewegen. Das sei bei einer solchen Sanierungsmaßnahme durchaus nicht selbstverständlich, meinte Klopfer, der überzeugt ist, dass diese Investition in das Herzstück des Marktplatzes als guter Stube der Stadt sinnvoll angelegtes Geld ist. Zumal auch in die Häuser rund ums Rathaus fleißig investiert werde.
 

Die gedämpfte Freude an der Kunst am Bau

Kunst soll, darf zumindest, auch Freude, vielleicht sogar Spaß machen. Auch und gerade Kunst am Bau. Wenn Eberhard Abele, der Vorsitzende des Kulturforums, über Kunst spricht, stellt sich diese Freude zumindest nicht auf Anhieb ein. Da ist die erwartungsvolle und zuvor mit flotten Klängen von Schülern der Jugendmusikschule und mit erfreulich kurzen Reden hochgehaltene Stimmung der zahlreichen Gäste erst mal im Keller. Gleichwohl: Die Neugier auf das, was sich im Rathaus trotz strahlender Fassade als Kunst am Bau eher versteckt, hat Abele mit seinen akademischen, misslaunigen und langatmigen Betrachtungen geweckt.

„Kunst am Bau – wann haben wir in Schorndorf das letzte Mal darüber geredet?“, fragte Eberhard Abele und musste weit, weit zurückgehen, um positive und gute Beispiele zu finden. „Besonders viel haben wir nicht vorzuweisen“, klagte Abele, der immerhin einräumte, dass gleichzeitig viel – zu viel? – Augenmerk auf Kunst im öffentlichen Raum (Skulpturen) gelegt worden ist. Und dabei gebe es doch Richtlinien, wonach ein Prozent der Bausumme in Kunst am Bau investiert werden solle, sagte Abele, der nicht nur einen Bewusstseinswandel anmahnte, sondern als Zukunftsperspektive auch einen mit einer entsprechenden Summe unterlegten Grundsatzbeschluss des Gemeinderats.

Auch im konkreten Fall sei’s so gewesen, dass die Stadt durch den Lichtkunstwettbewerb eher in das Thema „Kunst am Bau“ reingerutscht sei, als dass sie es aktiv betrieben habe. Es spreche aber für die Offenheit des Architekten, dass er zu einem schon relativ weit fortgeschrittenen Bauzeitpunkt noch zur Zusammenarbeit mit dem Künstler Nikolaus Koliusis bereit gewesen sei und sich mit der Idee habe anfreunden können, die beiden Aufzugstüren mit Blech zu belegen und darauf eine golden glänzende Spiegelkunstinstallation anbringen zu lassen. Diese sei im Vergleich zum Gesamtkunstwerk zwar nur eine Miniatur, aber doch geeignet zur Sensibilisierung. Schließlich seien Räume vor Aufzugtüren „Orte des Wartens, des Entschleunigens und des Nachdenkens“.

  • Bewertung
    1
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!