Schorndorf Wilhelm-Maybach-Straße: Durchfahrtsverbot für Lastwagen?

Zum Ärger der Anwohner: Immer wieder quälen sich Lastwagen – auch im Durchgangsverkehr – durch die Wilhelm-Maybach-Straße Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Dass Anwohner der Wilhelm-Maybach-Straße sich über den (viel zu schnellen) Durchgangsverkehr beschweren, ist nicht neu. Jetzt steht die Forderung eines Lkw-Durchfahrtverbots, die Anordnung einer Einbahnstraße und die Ausweisung versetzter Parkstände im Raum. Im Verkehrsbeirat weiter diskutiert wurde aber lediglich das Lkw-Durchfahrtsverbot. Denn zu schnell, so die Einschätzung der Stadtverwaltung, sind die Verkehrsteilnehmer dort gar nicht unterwegs.

Bei der V-85-Messung, die von 2. bis 8. März in der Wilhelm-Maybach-Straße stattfand, zeigte sich: 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer fahren 37 Stundenkilometer. Für Adrian Holl, Sachgebietsleitung Verkehrsangelegenheiten im Fachbereich Sicherheit und Ordnung, „ein noch akzeptabler Wert in der 30er-Zone“.

In 24 Stunden nehmen 560 Fahrzeuge die Abkürzung

Und bei einer Geschwindigkeitsmessung am Freitag, 9. März, zwischen 6.30 und 9.50 Uhr an der Ecke Silcherstraße/Fuchshofweg wurden wegen überhöhter Geschwindigkeit gerade mal vier Fahrzeuge geblitzt: einmal bei 40 Stundenkilometern, einmal bei 42, bei 39 und bei 50 Stundenkilometern.

Außerdem ist der Durchgangsverkehr, der sich zwischen Burg- und Schlichtener Straße bewegt, deutlich geringer als der Ziel- und Quellverkehr: Laut Verkehrsentwicklungsplan nehmen in 24 Stunden 560 Fahrzeuge die Abkürzung Maybachstraße, um von der Burg- auf die Schlichtener Straße oder von der Schlichtener auf die Burgstraße zu kommen. Die Zahl der Anwohner, Besucher und sonstigen Anlieger unter den Verkehrsteilnehmern beläuft sich im Vergleich auf 6120 in 24 Stunden.

Durchgangsverkehr aus Sicht der Anwohner: Zu viel und zu schnell

Dennoch haben die Anwohner oft einen ganz anderen Eindruck: Ende Januar erreichte die Stadtverwaltung ein Schreiben, in dem die hohe Verkehrsbelastung in der Wilhelm-Maybach-Straße angemahnt wurde – verbunden mit der Forderung eines Durchfahrtsverbots für Lastwagen und Kleintransporter, der Ausweisung von „Anlieger frei“, der Anordnung einer Einbahnstraße sowie der Ausweisung versetzter Parkstände.

Da in der Vergangenheit aber bereits ein Straßenräumfahrzeug wegen parkender Autos nicht passieren konnte, plädierte Adrian Holl im Verkehrsbeirat nicht für versetztes Parken. Bauliche Maßnahmen hält er ebenfalls für wenig sinnvoll. Eine Einbahnstraßenregelung ist wegen des Busverkehrs nicht möglich, da Haltestellen immer in beiden Fahrtrichtungen sichtbar sein sollen.

Konrad Hofer: „Bisher ist noch kein Unfall passiert.“

Doch das Lkw-Durchfahrtsverbot, das Holl wegen möglicher Öllieferungen an die Haushalte an der sechs Meter breiten Straße für wenig sinnvoll erachtet und in dem Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich Verdrängungstendenzen sieht, fand im Verkehrsbeirat gar nicht wenig Befürworter: FDP/FW-Rat Konrad Hofer könnte sich vorstellen, den Lkw-Verkehr über die Johannesstraße zu leiten und die Maybachstraße für Lastwagen zu sperren, auch wenn er sie – im Gegensatz zu den Anwohnern – für nicht besonders gefährlich hält: „Bisher ist noch kein Unfall passiert.“

Dass der Durchgangsverkehr aber tatsächlich höher ist als im Verkehrsentwicklungsplan ausgewiesen, davon ist SPD-Rat Marcel Kühnert überzeugt: „Die Messung war damals nicht wirklich aussagefähig, da nur an zwei Stellen gemessen wurde.“

Warum der Lkw-Verkehr Richtung Schlichten zwingend durch die Maybachstraße fließen muss, das erschließt sich ihm nicht: „Mir wäre ‘Anlieger frei’ am liebsten.“ Der Lkw-Verkehr könnte über die Johannesstraße geleitet werden – gerade auch zum auf dem Areal der Fuchshofschule geplanten neuen Wohngebiet.

Die Stadtverwaltung will das Durchfahrtsverbot noch einmal prüfen

Auch CDU-Rat Ingo Sombrutzki sieht in einem Lkw-Durchfahrtsverbot für die Maybachstraße überhaupt kein Problem, aber dann sollten die Lastwagen in Schorndorf auf den Hauptstraßen auch mit Tempo 50 unterwegs sein dürfen.

Regina Siller-Alsleben, die für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Verkehrsbeirat sitzt, würde die Lastwagen indes weniger gern über die Johannesstraße leiten und stattdessen den Verkehr insgesamt verlangsamen, „durch Markierungen und wechselseitiges Parken“.

So wie Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch. Er ist für bauliche Maßnahmen wie Fahrbahnmarkierungen: „Das bremst sehr wohl.“ Die Stadtverwaltung will jetzt das Durchfahrtsverbot für Lkw noch einmal prüfen.


Verkehrsbeirat

  • Vorsitzender des Verkehrsbeirats ist Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich. Mitglied sind die Stadträte Ingo Sombrutzki (CDU), Marcel Kühnert (SPD), Konrad Hofer (FDP/FW), Wilhelm Pesch (Grüne) sowie Hanke Hemeling von der Lokalen Agenda 21, Regina Siller-Alsleben vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Michael Meier vom ADFC Schorndorf. Von der Stadtverwaltung: Adrian Holl, Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Jessica Pulzer, Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht sowie Herbert Schuck, Fachbereichsleiter Tiefbau.
  • Für Waldtraut Gröger, die viele Jahre für die Kreisverkehrswacht Rems-Murr im Verkehrsbeirat gesessen ist, wird derzeit ein Nachfolger gesucht. 
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