Schorndorf Welzheimer holt WM-Titel im Unterwasser-Jenga

Geschickt setzt Hudelmaier beim World-Cup in Frankreich einen Stein auf den Jenga-Turm. Foto: Stephan Strohmeier

Schorndorf. Bei dieser Sportart wird nicht gerannt, nicht gestürmt und auch nicht geschossen, es wird geschwebt: Beim Unterwasser-Jenga geht es um Ruhe und Geschicklichkeit. Darin ist der Hobby-Taucher Philipp Hudelmaier vom Schorndorfer Tauchverein Bonito besonders gut, er hat in Frankreich den Titel World-Cup-Sieger in der Disziplin „Wiggle-Tower“ geholt. Bei der Weltmeisterschaft im Sporttauchen fand diese Disziplin erstmals statt.

Mit Bedacht taucht Hudelmaier, ausgerüstet mit Atemmaske und Flossen, in das Spielfeld hinein, gezielt lockert er einen der weißen Kunststoff-Steine, zieht ihn heraus und legt ihn anschließend mit Fingerspitzengefühl oben auf den Turm. Für den Spielzug braucht er eine halbe Minute. Der Turm bleibt stehen und der Hobby-Taucher berührt den Boden nicht. Perfekt – so läuft ein Spielzug im Unterwasser-Jenga ab.

Im Video: Unser Redakteur Mathias Ellwanger hat 2017 den Selbstversuch gewagt:

Der Welzheimer, der im Schorndorfer Tauchverein Bonito zum Inventar gehört, holte mit seiner Geschicklichkeit die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft im Unterwasser-Jenga, die Anfang November im südfranzösischen Nîmes stattfand.

Hudelmaier will mehr Taucher für diese Disziplin begeistern

Die meisten Menschen spielen Jenga vermutlich nur im heimischen Wohnzimmer, das möchte Hudelmaier ändern. Er will die Disziplin in der Sporttaucher-Community und darüber hinaus bekannter machen. Die Disziplin „Wiggle-Tower“, auf Deutsch Wackel-Turm, wurde in diesem Jahr erstmals beim CMAS World Cup Sports Diving Pool ausgetragen. Hudelmaier erklärt, das sei so etwas wie die Fifa der Sporttaucher.

Der glückliche Sieger freut sich nicht nur über seine Medaille, sondern auch darüber, dass die Disziplin Teil der Wettkämpfe war: „So wurde die Idee auch in viele andere Länder getragen, wo sie bisher noch recht unbekannt war.“ Hudelmaier, der beim Tauchverein Bonito auch als Tauchlehrer und Erster Vorsitzender tätig ist, will noch mehr Leute für das Jengaspielen unter Wasser begeistern. Bisher ist noch unklar, ob „Wiggle-Tower“ eine feste Disziplin des World-Cups werden wird.

Im internationalen Vergleich ist das Spiel in Deutschland schon etwas etablierter: In diesem Jahr fand zum dritten Mal die deutsche Meisterschaft im „Underwater Wiggle-Tower“ statt. Denn weder die Türme noch die Meisterschaften dürfen den Namen Jenga offiziell tragen, da der Begriff geschützt ist.

Inzwischen kaufen Vereine aus vielen Teilen der Welt die Plastiktürme des Verbands Deutscher Sporttaucher, der nach eigenen Angaben der Einzige ist, der bisher die Unterwasser-Türme herstellt. Denn die handelsüblichen Jenga-Türme sind zu leicht, um sie unter Wasser nutzen zu können. Mehr als 400 Stück sind bisher verkauft worden, weiß Hudelmaier zu berichten.

In diesem Jahr war nicht nur die Disziplin „Wiggle-Tower“ beim World-Cup neu, auch das deutsche Team nahm zum ersten Mal an den internationalen Wettkämpfen teil.

Sporttaucher begannen vor einiger Zeit, Jenga unter Wasser zu spielen, um das hydrostatische Gleichgewicht beim Tauchen zu trainieren. Sie sollen lernen, sich möglichst ruhig im Wasser zu bewegen. Das ist auch in der Natur nützlich, denn beim Tauchen im See kommt es mitunter darauf an, möglichst wenig Aufwirbelungen am Boden zu verursachen, um die Pflanzen- und Tierwelt zu schonen. Während es bei den anderen Disziplinen im Sporttauchen auf die Schnelligkeit ankommt, zählt beim „Wiggle-Tower“ die Geschicklichkeit.

Hudelmaier genießt besonders die Ruhe unter Wasser

Für den 32 Jahre alten Hudelmaier ist das Tauchen ein Ausgleich zu seiner Arbeit als Software-Ingenieur. „Ich genieße die Ruhe beim Tauchen“, sagt er und erklärt, dass bei diesem Sport der eigene Puls heruntergefahren werden muss. „Da kann man richtig abschalten“, sagt er. Bei einem Urlaub auf den Malediven 2011 entdeckte er den Tauchsport für sich. Die Welt unter Wasser ist einfach eine völlig andere, das begeistert den Hobbytaucher.

Einmal in der Woche trainiert das Team von Bonito im Oskar-Frech-Seebad, alle vier Wochen auch mit Tauchflasche. Im Rahmen dessen trainiert Hudelmaier die Fertigkeiten, auf die es beim Unterwasser-Jenga besonders ankommt. Am Wochenende fahren die Hobbytaucher außerdem ab und zu an einem See.

18 Teams aus Frankreich, Russland, Marokko, Estland und Deutschland

Für den Wettkampf in Frankreich war Hudelmaier gut vorbereitet. Insgesamt traten 18 Teams aus Frankreich, Russland, Marokko, Estland und Deutschland an. Aus diesen Teams wurden jeweils zwei Personen nominiert, es gab also insgesamt 36 Wettstreiter um die Goldmedaille. Sie spielten in einem großen Tauchbecken auf neun Spielfeldern gegeneinander. Mit den Schiedsrichtern und Videografen waren insgesamt ganze 48 Taucher im Becken.

Per Ausscheidungsverfahren spielten die Teilnehmer nach und nach gegeneinander. Hudelmaier schaffte es bis ins Finale, in dem er gegen die Französin Magali Leperchois antrat. Eine Trennung zwischen den Geschlechtern ist bei dieser Sportart nicht vorgesehen. Hudelmaier hat gegen Leperchois gewonnen und wurde zurück in Schorndorf mit einer Überraschungsparty empfangen.


Der Verein Bonito

  • Der Schorndorfer Tauchverein Bonito wurde bereits im Jahr 1969 gegründet.
  • Der Verein ist nach dem Fisch Bonito benannt, der zur Familie der Makrelen und Thunfische gehört.
  • Der Tauchverein hat über 200 Mitglieder.
  • Neben dem wöchentlichen Training im Oskar-Frech-Seebad finden in regelmäßigen Abständen auch Weiterbildungen, Ausfahrten, Feste und Tauchtage statt.

Redaktioneller Hinweis

In einer vorherigen Version des Artikels stand, Philipp Hudelmaier sei Winterbacher. Richtig ist: Er ist Welzheimer. Wir bitten das zu entschuldigen und haben den Fehler mittlerweile korrigiert.

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