Schorndorf „Wir holen uns unsere SchoWo zurück“

Die Schorndorfer wollen sich ihre SchoWo, die auch ihre entspannten Seiten hat, nicht nehmen und nicht kaputtmachen lassen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. Lob für eine der – eigentlich – „schönsten und bestorganisierten SchoWos der letzten Jahre“, für eine Stadtgesellschaft, „die noch nie so zusammengestanden ist wie in den letzten Tagen“ (Thomas Berger) und für den Oberbürgermeister, der „eine außergewöhnliche Leistung“ (Konrad Hofer) gezeigt habe, Kritik an den Medien, die ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen seien, und Tadel für die eine oder andere Kommunikationspanne zwischen Stadt und Polizei: So hat der Gemeinderat die unerfreulichen Begleiterscheinungen der SchoWo 2017 aufgearbeitet.

Wenn die Vorfälle rund um das Stadtfest einen ähnlichen Medienrummel verursachten wie seinerzeit der Winnender Amoklauf, dann ist aus Sicht von Oberbürgermeister Matthias Klopfer „etwas dramatisch verrutscht“ – verursacht auch durch ein verändertes Kommunikationsverhalten seit Einführung des Smartphones.

Klopfer akzeptierte die Härers Kritik

Apropos Kommunikation: Was nach der Eskalation der Gewalt im Schlosspark und dem Bekanntwerden von mehreren sexuellen Übergriffen gegen Frauen im Stadtgebiet und teilweise auch auf dem SchoWo-Gelände „nicht gut gelaufen“ sei, seien die von der Polizei herausgegebene erste Pressemitteilung und die Reaktion des Oberbürgermeisters, der in seinem ersten Interview zunächst einmal die Polizei kritisiert hatte, sagte CDU-Stadtrat Matthias Härer, der sich mit SPD-Fraktionschef Thomas Berger einig war, dass diejenigen, die am meisten versagt haben, „die Medien“ sind.

Matthias Klopfer akzeptierte die Kritik Härers, räumte freimütig „Irritationen“ zwischen Stadt und Polizei ein und kündigte eine präzise Aufarbeitung dieser kritischen Nacht und daraus resultierende Konsequenzen an – auch und gerade in Bezug auf die Rolle der Stadt als Ortspolizeibehörde.

Wobei SPD-Stadtrat Hans-Ulrich Schmid darauf verwies, dass sich das zuständige Dezernat (des Ersten Bürgermeisters Edgar Hemmerich) im Zusammenhang mit der SchoWo „nicht die erste Pleite“ geleistet habe. Das sei „fast nicht mehr zum Aushalten“, sagte Schmid und bekundete, es sei „gut, wenn der Oberbürgermeister die SchoWo 2018 zur Chefsache macht“.

OB hat Hervorragendes geleistet und die Medienlawine gestoppt

Bewundernswert, sachlich, klar – „das hat uns gutgetan“: So beschrieb FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer das Verhalten des Oberbürgermeisters in diesen schwierigen und anstrengenden Tagen. Und auch Grünen-Stadtrat Andreas Schneider bescheinigte dem Oberbürgermeister, dem eigenen Bekunden zufolge die alltägliche und nicht SchoWo-typische sexualisierte Gewalt gegen Frauen am meisten zu schaffen macht, er habe „sehr souverän agiert“.

Von Angela Merkel lernen könnten der Oberbürgermeister und die Stadt in dieser Situation, dass es manchmal auch gut sei, die Stürme einfach an sich vorbeiziehen zu lassen. Hans-Ulrich Schmid lobte, der Oberbürgermeister habe „Hervorragendes geleistet und die bundesweite Medienlawine wieder zum Stoppen gebracht“.

„Nur so konnte ich und konnte die Stadt funktionieren“

Der Oberbürgermeister selber dankte seinem engsten und und engeren Mitarbeiterstab für das seit Sonntag Geleistete und Ausgehaltene – an Beschimpfungen und Beleidigungen in den sozialen Netzwerken – und stellte fest: „Nur so konnte ich und konnte die Stadt funktionieren.“

„Man muss den Leuten, die nicht auf Facebook sind, nicht empfehlen, beizutreten“, ist nach den jüngsten Erfahrungen die Erkenntnis von CDU-Stadtrat Hermann Beutel. Eine andere ist die: „Wir müssen zur Polizei stehen – angefangen vom Pressesprecher bis zum Polizisten, der vor Ort ist.“

Keine pauschalen Verurteilungen

„Wer die Polizei angreift, greift uns an“, betonte Konrad Hofer. Dass an den Gewalttaten gegen die Polizei und an den sexuellen Übergriffen auch Migranten und Asylbewerber beteiligt waren, muss aus Sicht von Thomas Berger einerseits klar benannt und strafrechtlich mit aller Härte verfolgt werden, darf aber andererseits nicht zu pauschalen Verurteilungen führen.

„Es war von Beginn an klar, dass Integration nicht in allen Bereichen gelingen kann“, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Und doch, so Gerhard Nickel, sei es „richtig, dass wir unsere bisherige Linie bei der Integration nicht verlassen“.

„Wir allen müssen jetzt gewaltig zusammenhalten“

Ansonsten sind der Gemeinderat und allem Anschein nach auch die Stadtgesellschaft wild entschlossen, sich den guten Ruf der Stadt und der SchoWo nicht nachhaltig ruinieren zu lassen. „Wir alle müssen jetzt gewaltig zusammenhalten“, meinte Matthias Härer.

Er hoffe, dass die Medien, die jetzt so lange in Schorndorf unterwegs gewesen seien, auch gesehen hätten, wie schön diese Stadt und die SchoWo seien, meinte FDP/FW-Stadtrat Kurt Mächtlen, der optimistisch ist, dass Schorndorf bald wieder positive Schlagzeilen macht.

„Wir holen uns unsere SchoWo zurück“, verkündete – fast trotzig – die neue Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andrea Sieber. Dazu gehört nach Einschätzung von Hermann Beutel für die Zukunft eine klare Abgrenzung dessen, was in die Verantwortlichkeit der SchoWo-Macher und was in die Zuständigkeit von Stadt und Polizei fällt.

Oder, wie es Oberbürgermeister Matthias Klopfer sagte: „Meine Aufgabe ist es jetzt, zu den Ehrenamtlichen zu gehen und zu sagen: Ihr macht eine tolle Arbeit, macht weiter so!“


Widerliche AfD

  • „Widerlich“, oder wie es Hermann Beutel sagte, „eine Partei unter aller Sau“ – auf diesen Nenner lassen sich die Einschätzungen im Gemeinderat zur AfD bringen.
  • „Die AfD ist eine Schande für dieses Parlament und für Deutschland“, sagte der Oberbürgermeister, noch unter dem Eindruck der Landtagsdebatte.
  • „Die haben noch nie bewiesen, dass sie etwas können. Die können nämlich gar nichts“, stellte Thomas Berger fest. Und sein Fraktionskollege Hans-Ulrich Schmid hofft, dass die AfD in diesem Hause nie stattfindet.
  • „Lasst uns dem braunen Müll eine Abfuhr erteilen“, meinte Gerhard Nickel in Anlehnung an Heinz Erhardt.

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